Der Dortmunder Mittelfeldspieler Moritz Leitner (20) kommt zum VfB Stuttgart – auf Leihbasis für zwei Jahre. Dieses Modell hat sich einst schon bei Philipp Lahm bewährt.

Sport: Thomas Haid (T.H.)

Stuttgart - Fredi Bobic hat in den vergangenen Wochen alle Register gezogen, wenn er mit Michael Zorc telefoniert hat. Diese Drähte glühten oft, aber für die optimale Lösung reichte es dennoch nicht. So konnte der VfB-Manager seinen Dortmunder Kollegen einfach nicht davon überzeugen, dass es das Beste ist, wenn Moritz Leitner nicht nur für eine befristete Zeit von der Borussia nach Stuttgart wechselt. Bobic wollte den Mittelfeldspieler fest verpflichten, doch er biss auf Granit. Deshalb lautete die Frage am Ende für ihn nur noch: Einen Kompromiss schließen und Leitner ausleihen oder auf Leitner ganz verzichten?

Nach StZ-Informationen steht die Antwort jetzt fest – es ist der Kompromiss und damit für Bobic immerhin die zweitbeste Variante. Leitner kommt, wenn auch nur für zwei Jahre. Eine anschließend in Kraft tretende Kaufoption gibt es für den VfB nicht. Darauf haben sich die Beteiligten nach vielen Verhandlungsrunden geeinigt. Vor der Vollzugsmeldung muss Leitner allerdings seinen bisher auch nur bis 2015 datierten Vertrag in Dortmund verlängern und den Medizincheck beim VfB bestehen. Zudem braucht Zorc noch das finale Jawort seines Trainers Jürgen Klopp, aber an diesen drei Punkten wird das Geschäft kaum mehr scheitern. „Ich gehe davon aus, dass wir es hinbekommen“, sagt Bobic.

Der siebte Transfer

Leitner ist dann bereits der siebte VfB-Transfer in diesem Sommer, nachdem am Donnerstag der Hannoveraner Präsident Martin Kind grünes Licht für die Verpflichtung von Mohammed Abdellaoue (27) gegeben hatte. Der ­Stürmer kostet 3,5 Millionen Euro. Zuvor hatten sich bereits die ablösefreien Konstantin Rausch (Hannover), Daniel Schwaab (Leverkusen), Sercan Sararer (Greuther Fürth), Marco Rojas (Melbourne) und Thorsten Kirschbaum (Cottbus) langfristig an den VfB gebunden.

Dagegen bleibt Leitner aller Voraussicht nach zwar nur relativ kurz in Stuttgart, doch mit diesem auf zwei Jahre angelegten Modell hat der Verein auch schon sehr gute Erfahrungen gemacht. Wie Leitner heute war Philipp Lahm auch 20 Jahre alt, als er 2003 vom VfB ebenfalls auf Leihbasis aus München geholt wurde. Im Unterschied zu Leitner in Dortmund hatte Lahm damals zuvor sogar lediglich in der zweiten Mannschaft des FC Bayern gespielt. Die Bundesliga war deshalb völliges Neuland für ihn. Der Rest ist wahrscheinlich bekannt.

Unumstrittene Stammkraft

Bis 2005 entwickelte sich Lahm in Stuttgart so hervorragend, dass er zu einer unumstrittenen Stammkraft und zu einer Führungspersönlichkeit im Team wurde. Davon profitierte der VfB, der mit Lahm in die Champions League einzog und dadurch auch viele Millionen Euro kassierte. Der Verteidiger schaffte in Stuttgart den Sprung in die Nationalelf, deren Kapitän er inzwischen ist. Auf eine ähnliche Karriere hofft Bobic nun bis 2015 auch bei Leitner, der 2013 von seinem Status her schon einen Schritt weiter ist als Lahm 2003.

Er hat bereits 42 Bundesligaeinsätze für die Borussia bestritten. Eine feste Größe war er auch in der deutschen U-21-Nationalmannschaft, wo er zehnmal zum Zug gekommen ist. Umso überraschender war seine Ausbootung jetzt vor der gerade laufenden EM in Israel. Das hat jedoch an der Wertschätzung von Bobic nichts geändert. Aber an der von Zorc eben auch nichts.

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