VfB Stuttgart Der VfB plant ein schnelles Wiedersehen in Europa
Effizient, abgezockt und abwehrstark – der VfB kann sich vom FC Porto einiges abgucken. Auch für die nächste Saison im Europapokal, die der Verein bereits fest im Blick hat.
Effizient, abgezockt und abwehrstark – der VfB kann sich vom FC Porto einiges abgucken. Auch für die nächste Saison im Europapokal, die der Verein bereits fest im Blick hat.
Für die Momente im Leben, in denen die Glückshormone mal Pause machen, kennt man in Portugal den Fado. Das ist ein traditioneller, melancholischer Musikstil, in dem die Sehnsucht nach besseren Zeiten zum Ausdruck kommt. Doch als der VfB letztlich durch das 0:2 (0:1) im mit 40 6000 Besuchern nicht ausverkauften Estádio do Dragão gegen den FC Porto im Achtelfinale der Europa League ausgeschieden war, da stand seinen Protagonisten der Sinn nicht nach Fado. Denn es schwang wenig Wehmut, dafür viel Zuversicht mit bei den Stuttgartern.
„Wir sind ausgeschieden, aber wir verlassen den Wettbewerb mit erhobenen Köpfen“, sagte der VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth, obwohl seinem Team nach der 1:2-Hinspielniederlage von Stuttgart diesmal gar kein Treffer gelungen war. Und der Kapitän Atakan Karazor sendete gar gleich das Zeichen zum Aufbruch: „Ich bin sehr stolz auf den Weg, den wir als Mannschaft gegangen sind. Und ich freue mich schon auf die nächste Saison in Europa.“
Einmal kurz schütteln – und dann weiter! Tatsächlich könnte dies das Motto des VfB für die restliche Spielzeit sein. Denn in der Bundesliga liegt das Team von Trainer Sebastian Hoeneß sieben Spieltage vor Schluss auf dem vierten Tabellenplatz, der am Ende gar die Champions League bedeuten würde. Am Sonntag (19.30 Uhr) geht es nun zum Zehnten, den FC Augsburg, ehe im Finale der Liga noch die direkten Duelle mit den Topclubs Borussia Dortmund, FC Bayern, TSG Hoffenheim und Bayer Leverkusen anstehen. Hält die Hoeneß-Elf dabei ihr Niveau, dann dürfte dem Aus von Porto sehr schnell ein Wiedersehen auf der gehobenen internationalen Bühne folgen.
Mit einem Durchschnittsalter von 23,6 Jahren stellt der VfB einen sehr jungen Kader, der aus den Duellen mit dem FC Porto, dem ruhmreichen Weltpokalsieger von 2004 und 1987, einiges an Erfahrung mitnehmen kann. Bei zwölf Punkten Vorsprung auf Eintracht Frankfurt auf Bundesliga-Rang sieben gilt dies ziemlich sicher auch für Europareisen der kommenden Saison, egal ob in Champions-, Europa- oder Conference League.
„Wir haben zwei ausgeglichene Spiele auf hohem Niveau gesehen, mit einer Mannschaft, die effizienter war – und die somit weitergekommen ist. Wir haben in Porto unseren Meister gefunden“, sagte Trainer Hoeneß, dessen Team tatsächlich zweimal über weite Strecken ebenbürtig war, aber letztlich doch verdient aus dem Wettbewerb ausschied.
Da schmerzte vor allem das 1:2 aus dem Hinspiel in Stuttgart, wo man durch 15 schwache Minuten auf die Verliererstraße geriet. „Wir müssen uns nach einer beachtlichen Leistung diesmal den Vorwurf gefallen lassen, dass wir kein Tor gemacht haben“, ergänzte Hoeneß zum Rückspiel in Porto.
Doch nicht nur in puncto Zielstrebigkeit vor dem Tor war der FC Porto, der im Viertelfinale nun auf den englischen Premier-League-Club Nottingham Forest trifft, dem VfB eine Kickstiefelspitze voraus. Insgesamt zeigte das Team von Trainer-Entdeckung Francesco Farioli, 36, die reifere, ausgeschlafenere Spielanlage, die auf drei Säulen fußte: Da waren zunächst die Treffer zum richtigen Zeitpunkt durch William Gomes (21.) sowie nach der Pause durch Victor Froholdt (72.), begleitet von einer starken Defensive des Tabellenführers der portugiesischen Primeira Liga, wo man in 26 Spielen gerade mal zehn Gegentreffer kassiert hat.
Der FC Porto versteht es, die Räume für den Gegner eng zu machen – und stellt mit seinem Kapitän Diogo Costa zudem einen Keeper, den sein Trainer Farioli stolz „einen der drei besten Torhüter der Welt“ nennt. Insbesondere Deniz Undav konnte auf VfB-Seite ein Lied davon singen: „Der Torhüter hat Bälle gehalten, die man nicht halten muss. Der ist brutal, nicht nur auf der Linie.“
Die Torchancen, nicht nur für Undav, sie waren also da. Ohnehin ist der VfB in dieser Europa-League-Runde sehr gut unterwegs gewesen – das belegt die Statistik. „Wir haben auch in Porto gut gespielt, hatten viele gute Standards, sind aber leider nicht so abgezockt gewesen, wie es möglicherweise auch notwendig ist“, sagte Hoeneß, der seine Analyse bereits in der Ligaphase ansetzt.
„Wir haben in der Europa League oft viel Aufwand betrieben, aber zu wenig Ertrag erhalten. Viele Daten belegen, dass es möglich gewesen wäre, etwa in der Gruppenphase unter die Top Acht zu kommen“, erklärte Hoeneß. In diesem Fall hätte man einem derart starken Gegner wie dem FC Porto erstmal aus dem Weg gehen können.
Tatsächlich stehen mit Betis Sevilla, Celta Vigo, dem SC Freiburg, Sporting Braga, dem FC Bologna, Aston Villa und Nottingham Forest nun Teams im Viertelfinale der Europa League, die dem VfB wenig voraus haben. Insofern könnte im Lager der Stuttgarter doch noch ein wenig Wehmut wie beim Fado aufkommen.