VfB Stuttgart Deshalb zeigten beide Fanlager Spruchbänder während des Spiels

Spruchband der Stuttgarter Szene am Samstag. Foto: privat

Beim DFB-Pokalfinale gab es mehrere Spruchbänder mit eindeutigen Botschaften zu sehen. Das steckt dahinter.

Sport: Philipp Maisel (pma)

So ein Pokalfinale bringt ja meist einige Begleiterscheinungen mit sich. So sind Tausende Fans beider Lager in Berlin – über Tage übernehmen sie und ihre Farben die Stadt. Weit über 100 000 Fans der Arminia und des VfB sollen es in diesen Tagen von Berlin gewesen sein. Sie stickerten unter anderem die Stadt voll – so wurde beispielsweise der Hertha-Fanshop am Breitscheidplatz dermaßen „umdekoriert“, dass er am Spieltag mit Franzosengitter und zwei Sicherheitsleuten eines privaten Unternehmens abgesichert wurde, damit man ihn überhaupt noch identifizieren konnte.

 

Auch U-Bahnhöfe, Straßenschilder, Häuserzeilen entlang der Fanmärsche – all das wurde zugestickert. So ist es auch zu erklären, dass, bereits während das Spiel noch lief, mehrere Gruppen von Hertha-Fans durch die Innenstadt zogen, um die Sticker gleich wieder abzuziehen oder erneut mit ihren Farben zu überkleben. So weit, so normal ist diese in Mode gekommene Begleiterscheinung von Fußballspielen einzuordnen.

Was sich dann im Stadion abgespielt hat, war nicht unbedingt Standard. Denn meist foppen sich die Fanlager dort, versichern sich gegenseitig ihrer innigen Abneigung und überziehen einander mit Schmähgesängen und eindeutigen Botschaften per Transparent. So wie das die Stuttgarter mit den Herthanern machten, für die sie eigens ein Spruchband mit deutlichen Grüßen in das Olympiastadion gebracht hatten.

Doch zwischen dem VfB-Lager und den Arminen zeigte sich stattdessen deutlicher Respekt. So zeigten die Stuttgarter ein riesiges Spruchband mit der Botschaft „Respekt, viel Kraft und gute Besserung allen betroffenen Arminia-Fans“, wofür es von den Arminen viel Beifall gab. Die ihrerseits widmeten mehrere Botschaften einem schwer verletzten Aminia-Ultra. Der hatte sich vor Kurzem unbewaffnet einem Attentäter entgegengestellt und so wohl Schlimmeres verhindert.

Stuttgarter Ultras mit dem Pokal. Foto: IMAGO/Sven Simon

Kontext: Vor gut zehn Tagen hatte ein Mann eine Gruppe junger Erwachsener vor einer Bielefelder Bar mit Stichwaffen attackiert und dabei laut Bundesanwaltschaft vier Menschen lebensgefährlich verletzt. Als dringend tatverdächtig wurde ein 35-jähriger Syrer aus Harsewinkel im Kreis Gütersloh identifiziert, der sich bereits in Untersuchungshaft befindet. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts einer islamistisch motivierten Tat.

„Viel Kraft und schnelle Genesung allen Betroffenen – Bielefeld steht zusammen“ war unter anderem auf den Spruchbändern der Arminen zu lesen. Am Sonntag nach dem Spiel fanden zudem Kundgebungen und eine Mahnwache in Bielefeld statt.

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