VfB Stuttgart Die A-Jugend-Meister von 1973 – ein Team, das Geschichte schrieb

Das VfB-A-Junioren-Meisterteam von 1973 Foto: imago sportfotodienst/imago sportfotodienst

2005 gewann der VfB Stuttgart die letzte von neun deutschen A-Jugend-Meisterschaften. Die erste hatte es 1973 gegeben – und das Team trifft sich 50 Jahre danach am kommenden Samstag im Rahmen des Heimspiels gegen den VfL Wolfsburg.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Cheforganisator Martin Hägele freut sich über die positiven Rückmeldungen und die vielen Zusagen für das Wiedersehen am kommenden Samstag. Um 10 Uhr trifft sich die A-Jugend-Meistermannschaft des VfB Stuttgart von 1973 im Sportpark Weil in Esslingen, tauscht Erinnerungen aus, schaut sich den SWR-Spielbericht des damaligen Endspiels an und macht sich dann, auf Einladung des Fußball-Bundesligisten, auf zum Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/Mercedes-Benz-Arena) und lässt den Abend danach gemütlich ausklingen. „Das wird wieder ein tolles Beisammensein, auch vor zehn Jahren hatten wir viel Spaß miteinander“, erinnert sich Hägele.

 

OFC mit Jimmy Hartwig

Er war Teil der Mannschaft von vor 50 Jahren, die Geschichte schrieb. Denn der Sieg im Endspiel am 8. Juli 1973 gegen Kickers Offenbach (mit dem späteren Nationalspieler Jimmy Hartwig) bedeutete die erste von insgesamt neun deutschen A-Jugend-Meisterschaften für den VfB. Es folgten acht weitere U-19-Titel in den Jahren 1975, 1981, 1984, 1988, 1989, 1990, 1991 und 2005.

„Wir waren damals krasser Außenseiter“, erinnert sich Hägele an das Finale vor 5000 Zuschauern im Grünwalder Stadion in München. Er selbst erzielte zwar keinen Treffer, war aber nach dem 0:1-Rückstand an allen drei VfB-Toren durch Bernd Martin, Mario Salzinger und einem Eigentor beteiligt. Hägele, den sie damals alle nur „Professor“ nannten, könnte man nachts um 3 Uhr wecken, er würde die Aufstellung von damals blitzschnell herunterrattern: Im Tor stand Horst Dreher, Libero spielte Ewald Schmid, rechter Verteidiger war Arno Schäfer, linker Verteidiger Toni Götz, Vorstopper Rudi Hangstörfer, im Mittelfeld kamen Bernd Martin, Werner Günther und Hägele selbst zum Einsatz, vorne wirbelten Jürgen Peters, Mario Salzinger und Heinz Tochtermann.

Chefcoach Bögelein

Chefcoach der Truppe war Karl Bögelein, der 2016 verstorbene Torwart der VfB-Meistermannschaft von 1952. Ebenfalls bereits verstorben sind 2013 Rudi Hangstörfer und 2018 Bernd Martin, der 219-mal für die Weiß-Roten spielte und 1985 mit dem FC Bayern München deutscher Meister wurde und ein Länderspiel bestritt.

Was von dem Endspiel-Triumph vor 50 Jahren neben den spontanen Feierlichkeiten auch in Erinnerung blieb, war die geringe Zahl an VfB-Verantwortlichen in München. Im Archiv unserer Redaktion steht: „Neben Trainer Karl Bögelein und Jugendleiter Helmut Ulmer waren der Fahrer und der Masseur die einzigen offiziellen Begleiter. Hinzu kam Schatzmeister Heinz Bandke.“ Auch der damalige, 1993 verstorbene Präsident Hans Weitpert glänzte durch Abwesenheit. Von einer „bemerkenswerten Bescheidenheit“ ist zu lesen, „wenn man bedenkt, was da alles an Gefolgsleuten bei den drei anderen Endrundenteilnehmern Schalke 04, FC Bayern und Kickers Offenbach aufmarschierte“. Auch der Württembergische Fußballverband (WFV) hatte keinen offiziellen Vertreter nach München entsandt.

Hägele sozial engagiert

Für Martin Hägele ist das im Rückblick alles nicht mehr entscheidend. Er freut sich auf das Wiedersehen mit den Teamkameraden am Samstag. Dann werden Anekdoten von den alten Zeiten ausgetauscht, und bestimmt wird der 67-Jährige – seit fast 40 Jahren Trainerausbilder und seit 16 Jahren im Kinder- und Jugendfußball aktiv – von seiner aktuellen Trainertätigkeit bei den E- und D-Junioren und seinen Sozialprojekten beim FC Esslingen erzählen. „Beim Erwachsenenfußball geht es ums Gewinnen. Ich habe jetzt einen anderen, weiten Blickwinkel. Mir geht es um den Menschen, ich möchte Werte vermitteln“, sagt Hägele.

Bleibt die Frage, warum der VfB Stuttgart seit 18 Jahren keinen deutschen A-Jugend-Meistertitel mehr gewinnen konnte und zuletzt keiner aus dem eigenen Nachwuchs den Durchbruch in der VfB-Bundesliga-Elf schaffte. Hägele legt die Stirn in Falten: Die Zeiten eines Helmut Groß, Ralf Rangnick, Frieder Schrof oder Thomas Albeck, die mit starkem regionalem Bezug die Jugendabteilung des VfB jahrelang prägten, seien vorbei. „Außerdem ist die Konkurrenz um Toptalente inzwischen viel größer geworden, es wird weltweit gesichtet, zumal wir hierzulande auch zu wenig Trickser und Dribbler haben, die sich frei entfalten können.“

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