Abwehr des VfB Stuttgart Es zwickt hinten rechts

Pascal Stenzel war einer der Garanten des Aufstiegs beim VfB – und hat zurzeit eine Formkrise. Foto: imago/Oliver Zimmermann

Beim 1:2 in Freiburg hat Pascal Stenzel wie zuvor in Bielefeld nicht gut gespielt. Damit wird die rechte Abwehrseite des VfB immer mehr zum Problem. Denn auch bei Konstantinos Mavropanos läuft es nicht rund.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

Stuttgart - Sie nennen ihn Kalle – und er ist über weite Strecken der Mister Zuverlässig gewesen beim VfB. In der Aufstiegssaison etwa, da absolvierte Pascal Stenzel alle 34 Zweitligaspiele, 31 davon als Teil der Stuttgarter Startelf. Sechsmal lief der ehemalige Freiburger damals gar als Kapitän auf – und wenn die Rubrik „Ballkontakte“ die alles entscheidende im Profifußball wäre, dann würde Stenzel in die deutsche Top Ten gehören. Beim VfB war ohnehin in der überwiegenden Zahl der Partien kein anderer Profi so oft in das Spiel involviert wie Pascal Stenzel.

 

„Er besitzt einen guten Spielaufbau – macht in der Regel wenig Fehler und spielt sehr konstant“, lobt der VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo seinen rechten Mann in der Dreierkette, der im Falle eines vierköpfigen Abwehrverbundes auch rechter Verteidiger spielen kann. „Pascal besitzt eine sehr gute Passquote, hat oft den Ball – und kommuniziert viel mit seinem Neben- und Vordermann“, ergänzt Matarazzo, der Stenzel nach einem kleinen Durchhänger zur Mitte der Vorrunde in den vergangenen sechs Partien wieder in der Startelf aufgeboten hatte.

Der VfB mit absteigender Formkurve

Das Problem dabei: Der VfB zeigt derzeit in der Bundesliga vor dem wichtigen Heimspiel an diesem Freitag (20.30 Uhr) gegen den FSV Mainz 05 eine absteigende Formkurve, hat zuletzt lediglich fünf von 21 möglichen Punkten geholt. Zeitgleich hat auch Stenzel abgebaut. Niemals verliert ein Spieler eine Partie allein – und doch ist die Nummer 15 des VfB am Samstag bei der 1:2-Niederlage beim SC Freiburg komplett von der Rolle gewesen. Der Trainer Matarazzo reagierte auch prompt, in dem er den 24-Jährigen erlöste und zur Halbzeit auswechselte.

Zuvor waren beiden Tore der Breisgauer über ihre linke Offensivseite gefallen. Das zweite durch den Südkoreaner Woo-yeong Jeong gar kurios, weil Stenzel im Zweikampf den Ball unberührt passieren ließ. Weil bereits vor der Partie bekannt war, dass 60 Prozent der Freiburger Tore über links fallen, verwunderte die Aufstellung des VfB-Trainers Matarazzo schon – auch wenn sie durch den späten Ausfall von Borna Sosa (muskuläre Probleme) aus der Not geboren wurde.

Für Sosa zog Matarazzo den Kongolesen Silas Wamangituka nach links – und brachte rechts als neuen Vordermann für Stenzel, der bereits beim 0:3 in Bielefeld Schwächen in der Rückwärtsbewegung offenbart hatte, den 19 Jahre jungen Tanguy Coulibaly. Der hat seine Stärken allerdings weniger in der Defensivarbeit. Auch weil Coulibaly im Schwarzwaldstadion generell kein gutes Spiel machte, ging dieser Schachzug nicht auf.

Linderung für die Achillesferse

Als nach der Pause dann Konstantinos Mavropanos für Stenzel ins Spiel kam, sorgte der Grieche an der Achillesferse der VfB-Abwehr hinten rechts zwar kurzfristig für Linderung. Dies lag aber auch daran, dass die Stuttgarter im zweiten Durchgang viel dominanter spielten.

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Nach rund 75 Minuten bot sich dem lediglich bei Standards aufrückenden Mavropanos sogar die Chance zum 2:2 – doch der Freiburger Torhüter Florian Müller hielt. Dieser Offensivakzent konnte allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass Mavropanos zwar physisch robust und top-austrainiert auflief, und doch hinterließ die 1,94-Meter-Leihgabe des FC Arsenal gerade im Spielaufbau einen hölzernen Eindruck.

Formdelle und Motivationsprobleme

Klar ist, dass Matarazzo einst mit der Wunschvorstellung in die Saison gestartet war, es mit einer Dreierkette in der Bestbesetzung Mavropanos, Waldemar Anton und Marc Kempf anzugehen. Dass sich in der Defensive nun häufiger die rechte VfB-Seite als der wunde Punkt erweist, hat neben der Formdelle von Pascal Stenzel also auch mit Mavropanos zu tun. Zum einen war die Leihgabe des FC Arsenal häufig verletzt. Doch das allein ist es nicht. „Neben den Stärken, die ein Spieler besitzt, muss auch eine gewisse Bereitschaft vorhanden sein“, sagte Pellegrino Matarazzo bereits vor der Partie in Bielefeld – und deutete damit Motivationsprobleme bei Dinos Mavropanos an.

Der war im Vorfeld von Sportdirektor Sven Mislintat mit reichlich Vorschusslorbeeren in seine Stuttgarter Leihsaison geschickt worden. Bisher haben sich die Hoffnungen aber nicht erfüllt: Sieben Spiele, davon keines über 90 Minuten, hat der Athlet aus Hellas bisher für den VfB absolviert. Doch wenn nicht alles täuscht, wird Mavropanos am Freitag gegen Mainz seine nächste Bewährungschance erhalten.

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