VfB Stuttgart Die Erkenntnisse des Trainingslagers
Welche Spieler haben sich aufgedrängt? Und welches taktische System ist zu erwarten? Nach dem Trainingslager des VfB Stuttgart zeichnet sich ab, wie das Team in die neue Saison gehen könnte.
Welche Spieler haben sich aufgedrängt? Und welches taktische System ist zu erwarten? Nach dem Trainingslager des VfB Stuttgart zeichnet sich ab, wie das Team in die neue Saison gehen könnte.
Sie haben geschwitzt, sie haben geschuftet – und an Mannschaftsabenden auch etwas fürs Teambuilding getan. Hinter den Profis des VfB Stuttgart liegt ein intensives Trainingslager im Allgäu, das dem Trainerteam eine ganze Reihe frischer Eindrücke brachte. Manche Spieler konnten Werbung in eigener Sache machen, andere hingegen hängen mehr denn je in der zweiten Reihe fest. Und auch taktisch haben sich Tendenzen verfestigt. Die Bilanz einer ereignisreichen Woche.
Wo lagen die Schwerpunkte? Der VfB hat lange und oft trainiert in Weiler. Zwei zweistündige Einheiten pro Tag waren keine Seltenheit, oft noch ergänzt durch einen Lauf. „Wir haben sehr gut gearbeitet diese Woche“, sagt VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo, der seine Profis mehrfach mit ganz klassischen Steigerungsläufen forderte.
Für Fortschritte in Sachen Athletik soll auch der neue Performance-Analyst Jan Schimpchen sorgen, der täglich mit einem Tablet in der Hand über den Platz marschierte und den Spielern in Echtzeit ihre Werte durchgab. Ein wichtiger Impuls aus Matarazzos Sicht: „Jan gibt uns eine Struktur, die wir brauchen im athletischen Bereich.“
Fast noch auffälliger agierte der zweite Neuzugang im Trainerteam: Techniktrainer Nate Weiss nahm sich nahezu täglich einzelne Spieler zur Seite und arbeitete positionsspezifisch an Details. An der Orientierung im Raum oder am Timing bei Laufwegen. Wenn er keine Übungen anleitete, behielt Weiss einzelne Spieler im Blick. „Es ist mir wichtig, sein Feedback zu hören“, sagt Matarazzo.
Was sind die taktischen Trends? Die Viererkette scheint vorerst vom Tisch zu sein. In nahezu jedem Trainingsspiel feilte der VfB an den Abläufen der Dreierkette, mit der er auch im abschließenden Testspiel gegen den FC Brentford (2:1) agierte. „Diese defensive Struktur werden wir auch künftig regelmäßig sehen“, sagt Matarazzo, „wir wollen da eine gewisse Stabilität.“
In der Offensive soll dagegen alles etwas flexibler gehalten werden. Vieles deutet zwar auf eine Doppelspitze hin, durch die ein möglicher Abgang von Sasa Kalajdzic im Kollektiv aufgefangen werden könnte. Ansonsten aber ist vieles im Fluss. „Offensiv wird es immer unterschiedlich ausschauen. Es gibt da leichte Kniffe“, sagt Matarazzo. Mal war das Zentrum überladen, mal rückten Mittelfeldspieler nach außen zur Unterstützung des nominell einzigen Außenspielers im 3-5-2-System.
Stichwort Flügelspieler: Hier könnte Silas Katompa Mvumpa die Seiten wechseln, da Linksfuß Borna Sosa schon länger mit Adduktorenproblemen ausfällt. „Silas macht das gut auf links“, sagt Matarazzo. Die Flügelzange dürfte dann asymmetrisch agieren, sofern Neuzugang Josha Vagnoman rechts aufläuft. Sollte Sosa fit werden, ist Silas auch eine Option für ganz vorne. „Er kann auch in der Doppelspitze agieren“, sagt Matarazzo.
Wer hat sich aufgedrängt? Im zentralen Mittelfeld ist derzeit einiges in Bewegung: Naouirou Ahamada und Nikolas Nartey haben sich im Allgäu für mehr Einsatzzeit empfohlen und Orel Mangala vorübergehend den Rang abgelaufen – zumindest im Test gegen Brentford: Ahamada spielte die erste Hälfte, Nartey die zweite, Mangala hingegen kam erst Mitte der zweiten Hälfte in die Partie. Von Matarazzo gab es Lob für die beiden Herausforderer. Für Ahamada: „Er hat gute Laufwege gehabt, war sehr aktiv und hat immer wieder die Tiefe gesucht.“ Und für Nartey: „Er hat seine Stärken gezeigt auf der Sechserposition mit seiner Härte im Zweikampf und seinem Gespür für Rhythmus.“
Auch Sturm-Talent Thomas Kastanaras machte mit einem Tor gegen Brentford auf sich aufmerksam. Er scheint als Alternative im Angriff die Nase vorne zu haben gegenüber Alou Kuol und Mo Sankoh, die beide nicht zum Einsatz kamen. Sie sind damit übrigens in guter Gesellschaft: Acht weitere Profis mussten am Samstag zuschauen und sind momentan weit weg von realistischen Einsatzchancen. Die Verteidiger Maxime Awoudja und Antonis Aidonis zählen dazu, aber auch vier junge Offensivspieler: Ömer Beyaz, Wahid Faghir, Mateo Klimowicz und Roberto Massimo.
Für Laurin Ulrich (17) sieht der Plan dagegen ohnehin einen Mix aus Hineinschnuppern bei den Profis und Spielpraxis in der U 19 vor. Und dann ist da noch Philipp Klement, der fast das gesamte Trainingslager über wegen Knieproblemen nicht mit dem Team trainierte – was seinen schwierigen Stand kaum verbessert hat.
Wo besteht noch Handlungsbedarf? In beiden Testspielen war eine Achillesferse unübersehbar: Sowohl gegen den FC Zürich als auch gegen den FC Brentford lief der VfB ein ums andere Mal nach Ballverlusten schlecht abgesichert in Konter. Je ein Gegentor resultierte daraus, es hätten gut und gerne mehr sein können. Für Matarazzo steht das Thema deshalb weit oben auf der Liste: „Es geht um Spritzigkeit, auch kognitiv. Wir müssen schneller in die Struktur kommen nach Ballverlust.“ Knapp zwei Wochen bleiben noch bis zum Pflichtspielauftakt im DFB-Pokal, um dieses Manko abzustellen.