VfB Stuttgart Die Meister der Effizienz

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Der Höhenflug des VfB unter Tayfun Korkut hält an. Der Aufsteiger holt unter dem neuen Cheftrainer zehn von zwölf möglichen Punkten und stellt inzwischen mit den Frankfurtern die zweitbeste Abwehr der Bundesliga.

Erik Thommy erzielt gegen Eintracht Frankfurt sein erstes Bundesligator. Foto: Baumann 13 Bilder
Erik Thommy erzielt gegen Eintracht Frankfurt sein erstes Bundesligator. Foto: Baumann

Stuttgart - Sich dem Trainer der Stunde freudig an die Brust zu schmeißen, so weit wollen es die VfB-Fans in der Cannstatter Kurve, aber auch die auf der Haupttribüne und der Gegengeraden der Mercedes-Benz-Arena (noch) nicht kommen lassen. Eher gleicht die aktuelle Stimmungs­lage in Bezug auf die Arbeit ihres Chef­coaches Tayfun Korkut einem anerkennenden Nicken. Im Land der Schaffer gilt ja ­ohnehin stets der schwäbische Grundsatz: „Net gebruddelt ist g’nug gelobt.“

Zum Glück ist Tayfun Korkut, der sich bei seinem ersten Training am 29. Januar einem eisigen Schweigen der Fans und diversen Anfeindungen im Netz ausgesetzt sah, ohnehin ein Trainer, der die Früchte seiner Arbeit nach innen genießt. Schulterklopfer benötigt der 43-Jährige nicht, der mit seiner Freude ebenfalls sparsam umgeht, „weil Fußball ein Tagesgeschäft und ein Ergebnissport ist. Da können sich die Dinge schnell ändern“, wie Korkut sagt.

Als der clever herausgespielte 1:0-Sieg über den Tabellendritten Eintracht Frankfurt eingetütet war, da reckte aber auch Tayfun Korkut nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus die rechte Faust kurz in die Luft. Denn es ist keine Frage: Der VfB zählt unter Korkut zu den Mannschaften der Stunde. Zehn von zwölf möglichen Punkten hat die Mannschaft seit der Demission von Hannes Wolf geholt. 1:1, 1:0, 1:0 und 1:0 heißen die Resultate der Ergebnis-Knauser aus Bad Cannstatt. Aber drei Siege ohne ein Gegentor – das hat es beim VfB seit 2009 nicht mehr gegeben. Durch die jüngste Hochzeit klettert der Aufsteiger mit nun sechs Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz 16 in Sichtweite des gesicherten Liga-Mittelfeldes. Auf einen direkten Abstiegsplatz beträgt das Polster gar schon 13 Punkte.

Zurückhaltung ist weiterhin Trumpf

Doch Tayfun Korkut mahnt bei seinen Männern der Stunde Zurückhaltung an: „Wir dürfen zu keiner Sekunde nachlassen“, sagt der Trainer, „sondern müssen ­zusammenhalten, die Spannung aufrecht­halten und müssen gegen aufkommende Selbstzufriedenheit resistent sein.“ Zwar beträgt der Abstand zu Platz sieben, der in diesem Jahr zur Teilnahme an der Europa League berechtigen dürfte, lediglich vier Punkte. Doch derlei Träumereien verbieten sich beim krisengeschüttelten VfB schon allein aufgrund der jüngsten Clubhistorie: Nur zu gut hat man auf dem Wasen die Abstiegssaison im Hinterkopf. Da war man nach dem 24. Spieltag auch Zwölfter.

Statt von Europa zu träumen, konzentriert man sich beim VfB vor dem Spiel am Sonntag (15.30 Uhr) beim Schlusslicht 1. FC Köln also auf das Hier und Jetzt. Zwar ist viel vom „Minimalistenfußball der Marke VfB“ zu lesen, doch das trifft den Kern der Sache nicht umfassend. Schließlich folgt bei den Stuttgartern lediglich die Relation zwischen geschossenen Toren (vier) und eingeheimsten Punkten (zehn) dem Minimax-Prinzip. „Wir spielen derzeit keinen Fußball, der berauscht“, gab auch der Rechtsverteidiger Andreas Beck zu, „aber die Ergebnisse tun uns richtig gut.“

Ansonsten jedoch betreibt der VfB auf dem Spielfeld einen erheblichen Aufwand, um den Gegner vor Probleme zu stellen. Das fängt in der Verteidigung in vorderster Linie an, wo die beiden Stürmer Daniel Ginczek und Mario Gomez nicht nur auf Torchancen lauern, sondern vor allem konsequent gegen den Ball arbeiten. „Der VfB hat überragend verteidigt und uns keine Räume gelassen“, urteilte Frankfurts Sportboss Fredi Bobic, der an alter Wirkungsstätte ein wenig rassiges Spiel sah: „Stuttgart hat daher verdient gewonnen.“

Tatsächlich aber folgte der Aufschwung der Stuttgarter, die sich unter Tayfun Korkut mit einer gnadenlosen Effizienz drei 1:0-Siege am Stück erspielten, zuletzt stets demselben Prinzip. Einem frühen Tor – diesmal drückte der 23-jährige Erik Thommy nach einer Energieleistung von Ginczek den Ball zu seinem ersten Bundesliga-Tor über die Linie – folgt spätestens nach einer Stunde die Umstellung auf einen Fünferriegel. Zu diesem Zweck zieht sich Holger Badstuber, der wieder auf der Sechs begann, zwischen Benjamin Pavard und Timo Baumgartl ins Abwehrzentrum zurück.

Der VfB besitzt die zweitbeste Abwehr der Liga

Dort besitzt der VfB mit den Innenverteidigern Pavard und Baumgartl ein Pärchen für die Zukunft. Das hebt auch Michael Reschke hervor: „Die beiden haben überragend gespielt und zeigen für ihr ­Alter herausragende Leistungen“, lobt der Manager die beiden 21-Jährigen, unter deren Regie die „Männermannschaft VfB“ (Reschke) mit nur 27 Gegentoren gemeinsam mit den Frankfurtern hinter den Bayern die zweitbeste Abwehr der Liga stellt. Wer hinten derart gut verteidigt, darf vorne schon mal mit Toren geizen – und sich trotzdem über Siege freuen.

VfB Stuttgart - Bundesliga

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