Michael Reschke VfB-Manager mit klarer Haltung vor Bayern-Spiel

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Drei Jahre war Michael Reschke für den FC Bayern tätig. In Stuttgart redet der VfB-Manager gerne Klartext und verschafft dem hiesigen Verein wieder Gehör in der Fußball-Bundesliga.

Gut vernetzt: der VfB-Sportchef Michael Reschke pflegt in der Fußballszene gute Kontakt. Foto: Baumann
Gut vernetzt: der VfB-Sportchef Michael Reschke pflegt in der Fußballszene gute Kontakt. Foto: Baumann

Stuttgart - Leicht breitbeinig stand er da, und die Arme vor der Brust verschränkt blickte Michael Reschke auf die Cannstatter Kurve. Dort, wo im Stadion die treuesten Fans stehen, wurde gerade die Mannschaft des VfB Stuttgart gefeiert – für eine Gesamtleistung, die viele Anhänger dem Bundesligisten nicht zugetraut hatten.

Vermutlich kreisten auch Reschkes Gedanken in diesem Augenblick um das Fußballjahr. Von seinem ersten Pflichtspiel als VfB-Sportvorstand im vergangenen August beim Viertligisten Energie Cottbus im DFB-Pokal bis zum Sieg über den Champions-League-Anwärter 1899 Hoffenheim im letzten Heimspiel der Punktspielrunde. Von der Erkenntnis, mit diesem anfänglichen Team den Klassenverbleib kaum schaffen zu können, bis zu dem Moment des Glücks in der Mercedes-Benz-Arena.

Nun bleibt nur noch die Begegnung am Samstag (15.30 Uhr) beim FC Bayern. Ein Spiel, das Reschke als „außer Konkurrenz“ bezeichnet. Weil der VfB sein Soll längst erfüllt hat, und vor allem, weil er die Münchner für zu mächtig hält. Er muss es wissen. Drei Jahre lang war er für den Rekordmeister als Technischer Direktor tätig und hat das Bayern-Ensemble als Kaderplaner ein Stück weit mitkomponiert – und Reschke-Spieler sind in der Regel nicht die schlechtesten, wie sie jetzt in Stuttgart wissen.

Keine Angst vor dem DFB

Keine flotten Sprüche also vor dem Südduell. „Ansonsten hängen diese Parolen an der Kabinentür der Bayern“, sagt Reschke und geht davon aus, dass sich der große Rivale am Tag der Meisterschalen-Übergabe sportlich keine Blöße geben will. Doch ansonsten ist die Stimme aus dem Rheinland in der Szene deutlich zu vernehmen – und sie findet Gehör. Zuletzt schallte sie bis nach Frankfurt, wo der Deutsche Fußball-Bund residiert und Santiago Ascacibar zu seiner Spielsperre nach Gelb-Roter Karte noch zusätzlich 10 000 Euro Geldstrafe aufbrummte – wegen eines wütenden Tritts gegen eine Werbeumrandung.

Der VfB akzeptierte die Strafe, Reschke drückte jedoch sein Unverständnis klar aus. So wie es seine Art ist. Der 60-Jährige mag es zwar, in lockerer Runde aus seinem Anekdotenschatz zu erzählen, aber wenn es zur Sache geht, redet er nicht lange um den heißen Brei herum. Als vorschnell und vorlaut wird das im Schwabenland bisweilen wahrgenommen. Es kann in internen Sitzungen auch ein rauer Ton herrschen. Doch an der Mercedesstraße haben sie rasch gemerkt, dass hinter dieser vermeintlich großen Klappe einiges steckt.

Trainer Tayfun Korkut lobt die Zusammenarbeit

Der Präsident Wolfgang Dietrich schätzt an seinem Sportchef auch, dass ­dieser unbequeme Themen wie die Reform der Nachwuchsabteilung angeht, und ­Trainer Tayfun Korkut sagt: „Vom ersten Gespräch an war Vertrauen da. Wir kommunizieren viel, und es läuft in der Zusammenarbeit sehr flüssig.“ Zudem ist Reschke ein Arbeitstier. Seine Familie lebt in der Nähe von Köln, während er als Stratege und Strippenzieher unterwegs ist. Auf fremden Tribünen und in feindlichen Geschäftsräumen, um die nächsten Transfers zu tätigen. Sofortmaßnahmen wie Andreas Beck und Dennis Aogo sowie wenig später Santiago Ascacibar zählen ebenso zu seinem ersten Personalpaket wie der lange zuvor eingefädelte Wechsel von Mario Gomez im Winter. Über Wochen zogen sich die Gespräche, und zur Geschichte gehört, dass der Coup nur umzusetzen war, weil im Gegenzug Simon Terodde und Josip Brekalo gingen.

Michael Reschke vertraut auf ein großes Netzwerk

Herbe Kritik musste Reschke dafür einstecken. Genauso wie für die Entscheidung, sich vom beliebten Hannes Wolf zu trennen und den anfangs umstrittenen Tayfun Korkut als Trainer zu verpflichten. Doch die Personalien griffen, und sie verdeutlichen, dass Reschke ein Überzeugungstäter ist. Er ist nicht auf Applaus aus, sondern auf die Gestaltung des Machbaren. Dazu hat er in seiner ersten Schaffensphase erfahrene Stützen in die Mannschaft eingebaut und bereits vorhandene Pfeiler wie Christian Gentner gestärkt. Weshalb jetzt ein Gerüst steht, dem Reschke als Nächstes Jugend, Tempo und Esprit zuführen will.

Dass beim VfB dabei erstmals seit Jahren früh Planungssicherheit herrscht, steigert die Erwartungen an den Mann, der einst bei Bayer Leverkusen den Berufszweig des Kaderplaners hoffähig machte. Ein Team geschickt zusammenzustellen ist nach wie vor Reschkes Kerngeschäft. Da er in dem Grundverständnis handelt, dass die Personalpolitik über die Zukunft eines Clubs entscheidet. Sie muss stimmen, und vieles andere regelt sich hinterher.

Vertrauen kann der Manager dabei auf sein Auge und ein Netzwerk, das so weit versponnen ist, dass sie beim VfB manchmal verwundert sind, wen Reschke alles kennt und wie er zu seinen Informationen kommt. Und zwar ziemlich schnell. Aufgezeigt am Beispiel Erik Thommy – bis Januar ein Nobody des FC Augsburg, jetzt eine Bereicherung beim VfB. Dass den 23-jährigen Offensivspieler zuvor fast nur Scouts kannten, ist jedoch nicht die Besonderheit der Verpflichtung gewesen. Eher schon, dass Reschke wusste, wie er dem lange verletzten Thommy in Stuttgart eine bessere Perspektive aufzeigen konnte.

VfB Stuttgart - Bundesliga

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