VfB Stuttgart Darum kassiert der VfB so viele Standard-Gegentore

Von Gregor Preiß 

Kaum ein Team in der Fußball-Bundesliga muss mehr Tore nach Standardsituationen hinnehmen als der VfB Stuttgart. Das hat Gründe.

Und dann ist er drin: Werder Bremen führt einen Freistoß schnell aus, der VfB pennt und gerät ins Hintertreffen. Foto: Baumann
Und dann ist er drin: Werder Bremen führt einen Freistoß schnell aus, der VfB pennt und gerät ins Hintertreffen. Foto: Baumann

Stuttgart - Hesussavas dürfte wohl nur den wenigsten Fußball-Fans ein Begriff sein. Dabei hat der russische Blogger eine interessante Statistik zu Tage gefördert. Er hat 11234 Spiele aus verschiedenen Ligen auf Eckbälle hin untersucht. Und dabei herausgefunden, dass nur 1,27 Prozent aller vom Spielfeldwinkel Richtung Gehäuse getretenen Bälle zum Torerfolg führten. In über der Hälfte resultierte aus den Ecken nichts – außer Ballbesitz für den Gegner. Weshalb Hesussavas aus seinem kleinen wissenschaftlichen Exkurs folgende Conclusio ableitet: „Direkte Ecken sind meist sinnlos.“

Und doch gehören sie zum Fußball dazu wie die Stollen zum Schuh. Ecken, Freistöße, Elfmeter – keine Mannschaft weist eine Torbilanz ohne Standards aus. Was sich gleichermaßen auf die Bilanz mit den Gegentoren auswirkt. Womit wir zum VfB Stuttgart kommen, der nach 14 Spieltagen in diesem Ranking den 15. Platz belegt. Nur der 1. FC Köln, Mainz 05 und der kommende Gegner Bayer 04 Leverkusen (Freitag, 20.30 Uhr) haben in dieser Saison mehr Tore nach ruhenden Bällen kassiert als der VfB.

Viele der Gegentore sind vermeidbar

Zehn der 17 Gegentreffer resultierten aus Standards; wie jüngst in Bremen, als ein schnell ausgeführter, wenngleich unberechtigter Freistoß zum 0:1 und der damit verbundenen Auswärtspleite führte. Ein Lehrbeispiel in Sachen Cleverness: „Es geht nicht darum, wer Recht hat, sondern dass wir weiterspielen. Wir können hoffentlich daraus lernen, wie schlau sie das gemacht haben“, sagt Trainer Hannes Wolf.

Es wäre an der Zeit, schließlich hat den Club aus Cannstatt sein bisweilen schlafmüpfiges Abwehrverhalten schon so manchen Punkt gekostet. Beginnend am ersten Spieltag in Berlin, als der VfB erst bei einem schnell ausgeführten Einwurf nicht hinterherkam, ehe der Gegner nach einer Ecke handlungsschneller reagierte und aus dem Gewühl heraus zum 2:0 traf. Auf Schalke leitete eine lange durch die Luft segelnde Freistoßflanke die Niederlage ein, in Frankfurt wurde sie durch eine ebensolche besiegelt.

Gegen Borussia Dortmund machte es beim Gegner den Bruchteil einer Sekunde schneller klick, als es darum ging, den Abpraller des von Ron-Robert Zielers parierten Strafstoßes zu verwerten. Bei drei weiteren Elfmetern (in Schalke, Mönchengladbach und Hannover) war Zieler machtlos – anders als beim Freistoß-Kullertor von Hamburg. Für diese Art von Gegentor gibt es keine Kategorie. Zumindest keine, mit der sich die Systematik der Stuttgarter Standard-Schwäche seriös erfassen ließe.

Kapitän Christian Gentner ärgert sich

„Die jüngsten Tore waren sehr speziell“, findet Hannes Wolf und verweist darauf, dass die letzten klassischen Standard-Gegentore schon länger zurückliegen. Umso mehr ärgerte sich Kapitän Christian Gentner über den schlecht verteidigten Bremer Angriff zum 1:0: „Wir dürfen einfach nicht immer wieder die gleichen Fehler machen.“

Was über die gesamte Hinserie betrachtet auffällt: Die Hintermannschaft des VfB geht äußerst diszipliniert zu Werke. Aus dem Spiel heraus kommen die gegnerischen Mannschaften nur zu wenigen Torgelegenheiten. Gut aufeinander abgestimmt agiert die Fünferabwehrkette, die sich meist schnell wieder zusammenschließt, sobald sich doch einmal ein Loch auftut. Anders gesagt: Die Abwehr, vor Saisonbeginn als Sorgenkind gehandelt, hat sich zum Prunkstück entwickelt. Zumindest, solange der Ball läuft. Ruht dieser jedoch, wird die Ordnung aufgebrochen, die Hintermannschaft fällt in den Sekundenschlaf – mit den bekannten Folgen.

Bayer Leverkusen hat ähnliche Probleme

Noch ist es der Mannschaft nicht gelungen, über die vollen 90 Minuten hellwach zu sein. „Daran muss sie noch arbeiten“, sagt Manager Michael Reschke, bei dem der Aufsteiger noch einen gewissen Welpenschutz genießt. Ob dieser auch noch nach dem Spiel gegen seinen Ex-Club aus Leverkusen Bestand hat?

Gegen die Werkelf sollte der VfB am Freitagabend bei ruhenden Bällen auf der Hut sein. Auch in der gegnerischen Hälfte, denn Bayer hat mit elf Standard-Gegentoren ähnliche Probleme wie der VfB. Vor allem bei hohen Bällen, schon dreimal klingelte es nach einem Eckball. Leverkusen bildet somit die Antithese zur eingangs erwähnten Untersuchung: Ecken sind doch nicht immer sinnlos.

VfB Stuttgart - 1. Bundesliga

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