VfB Stuttgart Die Suche nach dem Beck-Ersatz

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Gute Außenverteidiger sind rar und deshalb sehr begehrt. Auch der VfB Stuttgart hält Ausschau. Jeremy Toljan von Borussia Dortmund könnte ein Kandidat sein.

Schmerzhaft: Andreas Beck hat sich am Knie verletzt. Eine genaue Diagnose steht aber noch aus. Foto: Getty
Schmerzhaft: Andreas Beck hat sich am Knie verletzt. Eine genaue Diagnose steht aber noch aus. Foto: Getty

Stuttgart - Über Nacht ist es nicht besser geworden. Am Montag war das Knie von Andreas Beck immer noch geschwollen, was die medizinischen Untersuchungen erschwerte. Eine genaue Diagnose steht deshalb aus. Es ist jedoch davon auszugehen, dass der Rechtsverteidiger des VfB Stuttgart am Samstag gegen Werder Bremen ausfällt – und das ist ein Problem.

Gut, es gibt Zeitgenossen, die das anders sehen. Denn sie sehen vor allem Becks Flanken, die nicht bei den Mitspielern landen. Doch Tayfun Korkut gehört nicht zu dieser Gruppe. Der Trainer schätzt Becks Qualitäten: seine Erfahrung, seinen Einsatz und seine taktische Intelligenz auf einer Position, die gerne unterschätzt wird. „Außenverteidiger – da hat man früher gedacht, das kann doch jeder. Das ist aber ein Trugschluss“, sagt Michael Reschke.

Es gibt nicht viele wie Philipp Lahm

Er muss es wissen. Seit Jahren begleitet ihn das Thema. Erst als Kaderplaner bei Bayer Leverkusen, dann als Technischer Direktor beim FC Bayern München und auch jetzt als Sportvorstand des VfB. Immer auf der Suche nach brauchbaren und bezahlbaren Außenverteidigern. Doch einen zu finden gestaltet sich schwierig, weil das Anforderungsprofil im modernen Fußball komplex ist, die Marktlage aber angespannt. Es gibt eben nur wenige Spieler, die Technik und Tempo so mit Zweikampf- und Laufstärke verbinden, dass daraus ein kleiner Philipp Lahm wird.

Der Weltmeister-Kapitän von 2014 spielt zwar nicht mehr, stellt aber immer noch die Referenzgröße dar – rechts wie links. Und im vergangenen Jahr glaubte Reschke in Jonny Castro von Celta de Vigo einen solchen Spielertypen gefunden zu haben. Spielintelligent und stark in der Spieleröffnung, denn nicht selten weisen die Außenverteidiger die meisten Ballkontakte in den Statistiken auf. Doch der Transfer des Spaniers zerschlug sich. Weshalb am Ende eben Andreas Beck und Dennis Aogo kamen, um die Außenpositionen zu verstärken. Routinierte Profis, von denen der VfB weiß, was er an ihnen hat. Ähnlich wie bei Emiliano Insua, der seit knapp drei Jahren im Trikot mit dem Brustring die linke Seite entlang saust.

Das Problem an diesen Personalien ist jedoch, dass die Stuttgarter auch wissen, was sie nicht haben. Insua, zum Beispiel, ist nicht der Schnellste und steht defensiv immer mal wieder schräg im Raum. Nun läuft sein Vertrag aus, und der VfB hat offensichtlich keine Eile, diesen zu verlängern. Was darauf schließen lässt, dass Reschke Optionen prüft. Zumal dem Manager klar ist, dass nur die auslaufenden Arbeitspapiere von Holger Badstuber und Emiliano Insua ihm mit Blick auf Gehaltsverschiebungen weiteren finanziellen Spielraum eröffnen.

Insua verfällt deshalb jedoch nicht in Panik. Der weit gereiste Argentinier weiß ja, dass es für einen ordentlichen Linksverteidiger stets einen ordentlich dotierten Kaderplatz gibt – in Spanien, Portugal oder sonst wo. Die Frage ist andererseits: Was könnte beim VfB nach Insua kommen? Aus den eigenen Nachwuchsreihen jedenfalls nichts. Das gilt an der Mercedes­straße als sicher, obwohl der Bedarf auf dieser Position im Profibereich seit Jahren bekannt ist.

Michael Reschke kritisiert die Ausbildung

Ein Defizit, das Reschke auch auf die Ausbildungsschwerpunkte blicken lässt. Nicht nur beim VfB. Zu oft werden dem 60-Jährigen hochtalentierte Jugendspieler in den U-Teams auf die zentralen Positionen geschoben, obwohl gerade die Außenpositionen gute Perspektiven bieten. „Man braucht ja nur auf die Nationalmannschaft zu schauen, selbst da gibt es keine große Auswahl an hervorragenden Außenverteidigern.“

Rechts spielt Joshua Kimmich, weil er sich nach Lahms Karriereende vom Mittelfeld hat an den Rand versetzen lassen. Links ist Jonas Hector gesetzt und nun ein Kandidat für die Bayern. Für den Kölner soll Juan Bernat Platz machen. Der Spanier wiederum könnte so ein Mann für die Stuttgarter werden, weil er nach diversen Verletzung seiner Bestform hinterherläuft.

Ein charmanter Gedanke – für den VfB aber wohl eine Nummer zu groß. Ebenso wie Philipp Max vom FC Augsburg, der eine starke Saison spielt und somit seinen Preis nach oben treibt. In der Kategorie darunter heißt es, dass der U-21-Europameister Jeremy Toljan bei Borussia Dortmund nach nur einer Saison gehen könne. Der gebürtige Stuttgarter gilt jedenfalls als einer, der rechts wie links auflaufen kann. Somit passt der Ex-Hoffenheimer in Reschkes Beuteschema. Da aber Benjamin Pavard ebenfalls angeschlagen und Matthias Zimmermann noch nicht fit ist, muss zunächst kurzfristig ein Beck-up gefunden werden.

VfB Stuttgart - Bundesliga

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