VfB Stuttgart Die Talentförderung ist eine Systemfrage

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Es gibt eine Abteilung beim VfB Stuttgart, bei der es richtig gut läuft: die B-Junioren haben erneut das Finale um die deutsche Meisterschaft erreicht. Doch die Durchlässigkeit in den Profibereich ist nicht mehr sehr groß wie in besseren Zeiten.

Timo Baumgartl hat den Sprung aus der Jugend in die Bundesliga geschafft. Foto: dpa
Timo Baumgartl hat den Sprung aus der Jugend in die Bundesliga geschafft. Foto: dpa

Stuttgart - Wer behauptet denn da immer, dass der VfB dem FC Bayern in allen Bereichen meilenweit unterlegen ist? Das stimmt so auf jeden Fall nicht, denn es gibt zumindest eine Abteilung im Verein, wo es genau anders herum läuft: bei den B-Junioren. Mit diesem Jahrgang sammelte der VfB schon sieben Titel und ist damit deutscher Rekordmeister. Und während die Münchner nur auf vier Siege kommen, haben die Stuttgarter an diesem Sonntag (11 Uhr) sogar die Chance auf Erfolg Nummer acht. Im Finale treffen sie in Großaspach auf Borussia Dortmund. Das sind dann die nüchternen Fakten.

Richtig ist jedoch auch, dass bei den Bayern etliche frühere Spieler der B-Junioren aktuell nicht nur zum Profikader gehören, sondern dort sogar Leistungsträger sind: Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Thomas Müller, David Alaba und auch der momentan verletzte Holger Badstuber. Auf dem Sprung befinden sich weiter solche Hoffnungsträger wie Gianluca Gaudino und Lucas Scholl. Beim VfB haben den Schritt aus der Jugend in die Bundesliga zuletzt dagegen nur noch Timo Werner und Timo Baumgartl geschafft, der zu dem Team zählte, das 2013 Meister bei den B-Junioren geworden ist.Christian Gentner, Daniel Didavi und Sven Ulreich haben die Stuttgarter Nachwuchsschule zwar auch durchlaufen, aber sie sind schon seit Jahren bei den Profis, bei denen der Nachschub von unten lange ausgeblieben ist. Dabei gab es beim VfB einst die ruhmreiche Ära mit Kevin Kuranyi, Andreas Hinkel und Alexander Hleb oder anschließend die Nachfolgergeneration um Mario Gomez, Sami Khedira und Serdar Tasci. Dann herschte Sendepause – ein Zufall oder liegt der Fehler etwa im System? Anders gefragt: was ist erfolgsversprechender für einen Verein – die gezielte individuelle Förderung einzelner Talente wie bei den Bayern oder der Schwerpunkt auf nationalen Triumphen der Jugendmannschaften á la VfB?

Als Antwort hat der damalige Stuttgarter Trainer Felix Magath schon vor gut zehn Jahren auf diese Diskrepanz hingewiesen und das Münchner Modell zum Vorbild erklärt. Heute sagt der Manager Robin Dutt: „Wir haben in der Vergangenheit ein Stück weit vergessen, den Nachwuchs mitzunehmen.“

So oder so sind das unterschiedliche Ansätze und Philosophien, wobei der VfB traditionell versucht, das eine mit dem anderen zu verbinden. „Wir sind der festen Überzeugung, dass Ausbildung und Erfolg nicht im Widerspruch zueinander stehen, sondern sich ergänzen“, sagt Domenico Tedesco (28), der die B-Junioren jetzt als Trainer ins Finale gegen Dortmund geführt hat, ehe er nach Hoffenheim wechseln wird. Sein Assistent Andreas Hinkel verlässt den VfB ebenfalls.

Was bleibt, ist die Suche nach dem richtigen Weg, um wieder mehr Eigengewächse in die Bundesliga zu bringen. Dabei setzt der Club als Zwischenstufe auf seine zweite Mannschaft, bei der großer Wert auf einen Platz in der dritten Liga gelegt wird. Der FC Bayern II spielt eine Klasse darunter in der Regionalliga – ohne dass das die Verantwortlichen dort wirklich stören würde. Für das Nachwuchskonzept in München steht Hermann Gerland schon seit 2001 – eine ähnliche Konstante hat der VfB auf dieser Ebene nach den Abgängen von Thomas Albeck und Frieder Schrof vor drei Jahren zu RB Leipzig nicht mehr aufzuweisen.

Jetzt haben die B-Junioren wieder das Finale erreicht. In München interessieren sie sich wohl nicht einmal für das Ergebnis.