Der VfB-Innenverteidiger Serdar Tasci hat seine innere Ruhe wiedergefunden und hofft auf die Rückkehr in die Nationalmannschaft.

Sport: Thomas Haid (T.H.)

Stuttgart - Auf diese Perspektive hätte Serdar Tasci (24) am Mittwochabend problemlos verzichten können. Nicht, dass sein Sitzplatz oben auf der Tribüne der Stuttgarter Arena schlecht gewesen wäre, aber viel lieber wäre er unten auf dem Rasen gestanden, um mit der Nationalmannschaft gegen Brasilien zu spielen. Doch nach der für ihn und den VfB so enttäuschend verlaufenen vergangenen Saison gehört Tasci momentan nicht mehr zum Kader der DFB-Auswahl, für die er schon 14 Einsätze bestritten hat - den vorläufig letzten vor einem Jahr in Dänemark sogar als Kapitän. Seitdem ist er nur Zuschauer und Fan, aber jetzt gibt es Hoffnung, dass sich dieser Zustand bald wieder ändert.

Denn zum einen saß auch der Bundestrainer Joachim Löw am Samstag da, wo sich Tasci gestern aufgehalten hat - unter dem Tribünendach der Stuttgarter Arena, von wo aus er das 3:0 des VfB gegen den FC Schalke verfolgte. Dabei lieferte Tasci eine vorzügliche Partie ab. Und andererseits hat sich Löw erst vor zwei Wochen telefonisch bei dem Innenverteidiger gemeldet und sich nach dessen Befinden erkundigt. Das war wichtig für Tasci. "Es zeigt, dass ich nicht in Vergessenheit geraten bin, sondern nach wie vor im Fokus stehe", sagt er.

Klares Bekenntnis zum VfB

Beim VfB ist das sowieso der Fall. Da schaut er nach vorne, und was er da entdeckt, macht ihm Mut. "Wenn wir weiter geschlossen als Mannschaft auftreten, sind wir stark", sagt er. Das ist für ihn dann eine viel schönere Perspektive als jene am Mittwochabend, und deshalb ist er auch froh, dass er schon sehr früh in diesem Sommer ein klares Bekenntnis zu seinem Club abgelegt hat, den er nicht verlassen möchte. "Ich will hier erfolgreich sein", sagt Tasci, "das ist mein Ziel." Dennoch gibt es eine ganze Reihe europäischer Spitzenvereine, die nach wie vor um ihn werben - am hartnäckigsten Tottenham Hotspur. "Das beweist zumindest, dass ich nicht auf dem falschen Weg sein kann", sagt Tasci, für den das Interesse aus England zwar "eine Ehre" ist - aber mehr auch nicht. Er konzentriert sich voll auf den VfB.

Und auf sich. Damit hat er schon in seinem Türkeiurlaub im Juni angefangen, als er gewissenhaft die Hausaufgaben erfüllte, die der VfB-Trainer Bruno Labbadia jedem Spieler mit auf die Reise in die Ferien gegeben hatte. Das bedeutete, dass sich Tasci nach einer zweiwöchigen reinen Erholungsphase drei Wochen lang wieder in Schuss brachte - mit Ausdauerläufen und Kräftigungsübungen für die Muskulatur. Als dann beim Trainingsauftakt der übliche Laktattest auf dem Programm stand, hatte Tasci das Ergebnis schwarz auf weiß: seine Fitnesswerte waren so gut wie nie.

"Wir haben hart gearbeitet."

Aber nicht nur bei ihm, sondern auch bei den meisten seiner VfB-Kollegen war damit die körperliche Grundstabilität vorhanden, um die anstrengende Saisonvorbereitung weitgehend verletzungsfrei zu bestreiten. "Wir haben hart gearbeitet", sagt Tasci, "es hat alles gepasst." So positiv hat er lange nicht mehr über seinen Club gesprochen, da er speziell vor einem Jahr unter dem Trainer Christian Gross mit der Gesamtsituation unzufrieden war und an einen Wechsel dachte. Jetzt reizt ihn selbst Tottenham nicht besonders, aber nun ist ja auch Bruno Labbadia da.

Der hat ihn wieder in Form und auf Kurs gebracht. Tasci ruht in sich selbst. "Ich spüre, dass der Trainer mir vertraut", sagt er, "so ist alles leichter." Er war schon immer ein Spieler, der dieses Gefühl braucht, um seine Leistung abrufen zu können. Insofern hat Labbadia den richtigen Ton getroffen. Auch seine Art der Mannschaftsführung kommt bei Tasci an. Für Labbadia stehe Disziplin immer an erster Stelle, ob auf dem Feld oder außerhalb davon, sagt er. Außerdem sei er ein Trainer, der auf die Spieler zugehe - "und wir Spieler können auch auf ihn zugehen. Das hilft uns".

Tasci in den Mannschaftsrat gewählt

Das klingt nach einem harmonischen Miteinander. Dieser Eindruck wird noch dadurch gestärkt, dass Tasci kürzlich in den Mannschaftsrat gewählt wurde - ein Amt, das er unter Gross abgelehnt hatte. So hat sich manches geändert, und auch Tasci ist ganz offensichtlich ein anderer geworden. Nur wenn die Nationalmannschaft spielt, ist seine Perspektive noch dieselbe.

P.S.: Am 2. September trifft Deutschland auf Österreich. Was Tasci an diesem Tag macht, ist heute noch ungewiss.