VfB Stuttgart Drei einstige Toptalente des VfB stecken in der Sackgasse
Mohamed Sankoh, Wahid Faghir und Thomas Kastanaras waren bei den Stuttgartern Hoffnungsträger, jetzt ist ihre Zukunft selbst in der zweiten Mannschaft offen.
Mohamed Sankoh, Wahid Faghir und Thomas Kastanaras waren bei den Stuttgartern Hoffnungsträger, jetzt ist ihre Zukunft selbst in der zweiten Mannschaft offen.
Sie sind voller Hoffnung gekommen, denn der Wechsel zum VfB Stuttgart verhieß ihnen eine blendende Zukunft als Fußballprofi. So war es bei Mohamed Sankoh und Wahid Faghir. Doch dann ist alles anders gelaufen als gewünscht. Ebenso bei Thomas Kastanaras, der schon als Kind das Trikot mit dem Brustring trug. Auch er strebte in die Bundesliga. Jetzt stecken die Stürmer in einer Sackgasse. Die Verträge laufen in einem Jahr aus, Leihen kommen deshalb nicht mehr in Frage. Die Perspektiven sind also lange nicht mehr so gut wie vor wenigen Jahren. Zurzeit ist für Sankoh, Faghir und Kastanaras selbst ihre Rolle im Kader des VfB II nicht klar, weil sie für die dritte Liga zu teuer sind. Ein Überblick über die Entwicklung von drei einstigen Toptalenten.
Mohamed Sankoh Mit 16 Jahren schloss er sich dem VfB an. Der damalige Jugendchef Thomas Krücken wollte Mohamed Sankoh unbedingt haben. Weil er in dem Niederländer außergewöhnliches Potenzial sah – mit seiner Schnelligkeit und seiner körperlichen Wucht. Sankoh hielt zunächst auch, was er versprach. Mit einem Profivertrag ausgestattet, rückte er schon bald von der U 19 in den Bundesligakader auf – und er hatte seinen Moment. Zum Ligaauftakt am 14. August 2021 wurde Sankoh eingewechselt und stürmte wenig später auf das Tor der SpVgg Greuther Fürth zu. Es kam zum verhängnisvollen Zusammenstoß mit dem Torhüter Sascha Burchert. Das Knie ging kaputt – und seither ist nichts mehr wie es war.
Der Angreifer kämpfte sich monatelang durch die Reha, meldete sich zurück, erreichte das ursprüngliche Leistungsniveau jedoch nicht mehr. Es folgten neue Anläufe mit Leihen in seinem Heimatland und nach Italien. Der Durchbruch gelang nicht. Im vergangenen Januar kehrte Sankoh zum VfB zurück und spielte für die zweite Mannschaft. Drei Tore erzielte er in 17 Spielen. Zu wenig, um den Weg nach oben zu finden. Aktuell gibt es zwar Interessenten für den 21-Jährigen, jedoch noch keinen Abnehmer. Zu teuer erscheint Sankoh zahlreichen Clubs, da er über einen ordentlich dotierten Erstligavertrag verfügt. Allerdings will der VfB den einst so begehrten Stürmer auch nicht für (zu) wenig Geld ziehen lassen, weshalb die Situation offen bleibt. Ihm wird der Sprung in eine Erstligamannschaft noch zugetraut.
Wahid Faghir Kurz vor dem Ende des Transfersommers 2021 verpflichtete der VfB das Toptalent aus Dänemark. Wahid Faghir kam mit der Empfehlung, ein Knipser zu sein, und hatte seine Torgefährlichkeit in U-21-Länderspielen bereits bewiesen. Knapp vier Millionen Euro plus Boni betrug die Ablöse an Vejle BK. Es war eine Wette auf die Zukunft, die der ehemalige Sportdirektor Sven Mislintat einging. Er glaubte an die Qualitäten des damals 18-Jährigen. Und auch Faghir hatte seinen Moment in der Bundesliga. Am 24. Oktober 2021, der VfB lag im Heimspiel gegen Union Berlin mit 0:1 zurück und in der Nachspielzeit traf der Zugang zum viel umjubelten Ausgleich. Das Stadion schien zu explodieren und die Nachwuchskraft auf dem richtigen Weg.
Es kam anders, da Faghir mit seiner Fitness und Verletzungen zu kämpfen hatte. Die ihm zugedachte Rolle als aktueller Joker und späterer Torjäger erfüllte er nicht. Es folgten Leihen nach Nordsjaelland und Elversberg, allerdings keine Leistungsschübe. Immer wieder gelangen dem Mittelstürmer zwar Tore, aber dauerhaft setzte er sich nicht durch. Also blieb nur der VfB II, um ihm noch einmal Zeit zur Entwicklung zu gewähren. Mit acht Treffern in 22 Einsätzen brachte er es mit seinem Torinstinkt dabei auf eine ordentliche Quote. Für Drittligaverhältnisse kassiert er jedoch ein horrendes Gehalt. Doch auch hier ist der VfB nicht bereit, Faghir für wenig Geld gehen zu lassen und womöglich noch eine Abfindung zu bezahlen.
Thomas Kastanaras Im Juli 2022 rückte das Eigengewächs in der Profikader auf – mit der klaren Vorgabe in der zweiten Mannschaft zu spielen, wenn es nicht auf Anhieb reichen sollte. Thomas Kastanaras hatte sich diesen Vertrag mit vielen Toren in der U 19 verdient. Der Deutsch-Grieche hat zudem schon immer mit seinem Fleiß und seinem Willen überzeugt. Auch auf dem Platz arbeitet der Stürmer viel für die Mannschaft. Das brachte ihm reichlich Pluspunkte in der Vorbereitung unter Bruno Labbadia. Für den früheren Cheftrainer verkörperte Kastanaras vieles von dem, was Labbadia von einem jungen Spieler erwartet. Auch deshalb erhielt Kastanaras seinen Moment im Bundesligateam. Erst eine späte Einwechslung, danach sogar ein Startelfeinsatz im Januar 2023.
Doch es ging nicht weiter. Unter Sebastian Hoeneß hatte Kastanaras keine Aussicht auf Spielminuten. Der Angreifer wurde zum SSV Ulm verliehen, um Spielpraxis zu sammeln und Selbstvertrauen zu gewinnen. Über die Rolle des Ergänzungsspielers kam er jedoch nicht hinaus. Es blieb nur die Rückkehr nach Stuttgart, wo er aus formalen Gründen im Champions-League-Kader aufgeführt wurde. Einsätze erhielt er jedoch nur in der dritten Liga. 33 mal war er am Ball und erzielte sieben Tore. Und nun stellt sich auch bei ihm die Frage, wo die Zukunft liegt. Der VfB traut ihm noch einen Entwicklungsschritt zu. Es soll Interessenten aus der zweiten und dritten Liga geben.