Vor dem ersten Rückrundenspiel in Wolfsburg lobt der VfB-Trainer Bruno Labbadia den Teamgeist – und ärgert sich über die Vertragsdiskussionen. Labbadia ist ohnehin mit ganz anderen Dingen sehr gut beschäftigt.

Stuttgart - Nach rund dreißig Jahren Berufserfahrung wundert sich Bruno Labbadia über fast nichts mehr – nicht einmal darüber, dass der sagenumwobene Josep Guardiola vom nächsten Sommer an sein Bundesligakollege wird. Es sei für ihn „keine Überraschung“ gewesen, dass sich der spanische Wundertrainer für den FC Bayern entschieden habe, sagt der VfB-Trainer, im Gegenteil: „Das ist die logische Konsequenz, denn er ist ein intelligenter und strategisch denkender Mann.“

 

Ähnliche Eigenschaften, so darf man annehmen, nimmt Labbadia auch für sich selbst in Anspruch. Weshalb es eigentlich auch als recht logisch erschiene, das eigene Angebot anzunehmen und beim VfB zu bleiben. Schließlich ist er noch mittendrin, in Stuttgart etwas aufzubauen, und weiß dabei eine Clubführung hinter sich, die ihn nicht nur halten, sondern sogar langfristig binden will. So leicht jedoch möchte es der Trainer bislang weder sich noch dem Verein machen. Und das führt dazu, dass der VfB, anders als vom Präsidenten Gerd Mäuser zu Beginn der Winterpause vorgesehen, mit einer vorerst ungeklärten Trainerpersonalie in die Rückrunde geht, die am Samstag mit dem Auswärtsspiel in Wolfsburg beginnt.

Videostudium bis morgens um zwei Uhr

Die Zeit habe nicht gereicht, die Angelegenheit zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen, sagt Labbadia. Nur zu einer Gesprächsrunde sei man im Trainingslager in der Türkei gekommen – ansonsten sei er „bis morgens um zwei“ damit beschäftigt gewesen, die Einheiten vorzubereiten oder DVDs kommender Gegner und möglicher Neuzugänge anzuschauen. „Man sollte doch froh sein, wenn einer das große Ganze im Blick hat und nicht nur an sich selbst denkt“, sagt Labbadia und ärgert sich sehr darüber, wenn es jetzt manchmal heißt, er pokere, er lasse den VfB hängen, er warte darauf, dass womöglich ein noch besseres Angebot ums Eck kommt. Von einem „falschen Zungenschlag“ spricht er und davon, dass „die Dinge verdreht werden“.

Fredi Bobic bestätigt die Darstellung des Trainers. Man gehe „klar und ehrlich“ miteinander um, versichert der Manager, und werde die Sache „auf vernünftige Art und Weise“ klären. Zumindest bis zum 31. Januar aber, bis zum Ende der Transferfrist, da sind sich beide einig, gebe es noch Wichtigeres zu tun – nämlich Verstärkungen für die Mannschaft zu finden. Der Durchbruch bei der Stürmersuche ist noch nicht erfolgt, er müsse „noch das eine oder andere tun, damit es besser wird“, sagt Bobic. „Als Monteure, die die ganze Zeit etwas zu reparieren haben“, sieht denn auch Labbadia sich und seinen Manager auf der gemeinsamen Mission, den VfB nach vorne zu bringen. Oder zumindest in diese Richtung: „Unser Ziel muss sein, dass wir uns zwischen Platz fünf und zehn festbeißen.“

Labbadia freut sich über den Teamgeist

Die Trainerfrage ungeklärt, die Stürmersuche bislang erfolglos – Grund für ein bisschen Zuversicht vor der Rückrunde gibt es trotzdem. „Sehr positiv“ jedenfalls findet Labbadia den Verlauf der Vorbereitung und die „Begeisterung, Freude und Bereitschaft“ seiner Mannschaft. Als „echtes Faustpfand“ sieht es der Trainer, wie die Spieler miteinander umgehen, wie geschlossen sie auftreten. „Wir sind ein kleiner, verschworener Haufen und geben Gas. Damit kann man im Fußball Bäume versetzen.“

Hier fangen dann aber die Stuttgarter Probleme auch schon wieder an. Denn dass der Haufen gleich so klein sein muss, wie er es beim VfB zurzeit ist, das ist keineswegs im Sinne des Trainers. Nicht ohne etwas Neid blickt Labbadia zum Gegner nach Wolfsburg, der „39 Spieler im Kader hat und trotzdem noch einen dazuholt“. Er selbst dagegen rätselt, wie er das Charterflugzeug für die Auswärtsreise nach Niedersachsen voll bekommen soll.

Mit großen Personalsorgen nach Wolfsburg

Vedad Ibisevic und Gotoku Sakai sind gesperrt, der Ivorer Arthur Boka ist beim Afrikacup, Cacau und Tim Hoogland sind verletzt, Johan Audel hat Magen-Darm-Probleme, Kevin Stöger einen grippalen Infekt. Auf 16 verbliebene Feldspieler kommt Labbadia, die noch immer aus der Vorrunde angeschlagenen William Kvist, Daniel Didavi und Tunay Torun ebenso eingerechnet wie den frisch nach oben beförderten Benedikt Röcker und Rani Khedira, der noch in der A-Jugend spielen könnte. Mit anderen Worten: die Aufstellung schreibt sich praktisch von alleine.

Dreimal klopft der Trainer auf den Tisch, weil sich – „toi, toi, toi“ – in der Vorbereitung kein weiterer Spieler ernsthaft verletzt hat. Denn wie groß die Personalprobleme gegen Wolfsburg sein würden, sei ihm schon vor Weihnachten klar gewesen. Kein Wunder also, so findet Bruno Labbadia, dass er noch nicht dazu gekommen ist, seinen Vertrag zu verlängern.