VfB Stuttgart Ein Dosenöffner namens Bilal El Khannouss
Mit dem Tor zum 1:0 gegen Feyenoord Rotterdam sorgte er für die sportliche Erlösung beim VfB. Erst 21 Jahre jung, wird Bilal El Khannouss für die Stuttgarter immer wichtiger.
Mit dem Tor zum 1:0 gegen Feyenoord Rotterdam sorgte er für die sportliche Erlösung beim VfB. Erst 21 Jahre jung, wird Bilal El Khannouss für die Stuttgarter immer wichtiger.
Die über weite Strecken zähe Partie gegen die elf tapferen Feyenoord-Profis hatte gewiss ihre Längen. Doch dann kam der Moment, der eine ganze Weile in Erinnerung bleiben wird: Wie Bilal El Khannouss am Fünfmeterraum quasi in der Luft stand, wie er den Ball an die Unterkatte der Latte köpfte, ehe dieser einmal auftickte und schließlich im Rotterdamer Netz zappelte. „Er hat gezeigt, dass er ein Mann für die besonderen Momente ist“, lobte später der Trainer Sebastian Hoeneß den Torschützen zum 1:0 (84.). In der Nachspielzeit ließ dann Deniz Undav das 2:0 per Flachschuss folgen.
Für die kollektive sportliche Erlösung innerhalb der VfB-Fangemeinde hatte vor mit 60.000 Fans ausverkauftem Haus aber eindeutig El Khannouss gesorgt. Damit drückte der marokkanische Nationalspieler nicht zum ersten Mal einer Stuttgarter Partie seinen Stempel auf. In den Spielen gegen den FC St. Pauli, Celta Vigo und den 1. FC Heidenheim hatte der Neuzugang von Leicester City bereits getroffen – alle drei Mal nach demselben Strickmuster mit einem gut getimten Ball ins rechte untere Eck.
Doch Bilal El Khannouss kann fußballerisch soviel mehr als nur rechts unten. Für ein besonderes Highlight hat der gerade mal 21 Jahre junge Mittelfeld-Regisseur im Vorfeld eines Spiels gesorgt, indem er zunächst gar nicht mitwirkte. Als die Hoeneß-Elf in der Europa League beim FC Basel auftrat, da stand El Khannouss aus Gründen der Belastungssteuerung nicht in der Startelf, kam erst in der 70. Minute ins Spiel. Dafür zeigte der Nordafrikaner beim Aufwärmen im „Joggeli“ nicht nur beim Jonglieren, dass die Kugel sein bester Freund ist. Der Ball klebte ihm quasi am Fuß. Geht es um die technischen Qualitäten und Kabinettstückchen des in Belgien geborenen und aufgewachsenen Bilal El Khannouss, dann muss er sich vor keinem der Kollegen im VfB-Kader verstecken.
Klar ist daher: Mit dem Wechsel vom Spielgestalter Enzo Millot auf den Jung-Regisseur El Khannouss hat sich der VfB keinesfalls verschlechtert – auch wenn man beide Spielertypen nicht Eins-zu-Eins vergleichen kann. Schließlich brachte der nach Saud-Arabien abgewanderte Millot auch noch eine starke defensive Komponente ins Spiel. Die fehlt dem Marokkaner, der mit seiner Nationalelf, den „Löwen vom Atlas“ als WM-Vierten von Katar bei der Weltmeisterschaft im kommenden Sommer voll attackieren will.
Auch der Trainer Sebastian Hoeneß ist von El Khannouss angetan, dessen feste Verpflichtung für eine Ablöse von rund 23 Millionen Euro im kommenden Sommer nur eine Formalie sein dürfte. „Er glaubt immer an sich und das Team – und ist sehr wissbegierig“, erklärt der VfB-Chefcoach, der aber auch weiß, dass bei El Khannouss bei allem Talent die Bäume nicht in den Himmel wachsen. In England wurde ihm auch eine gewisse Lethargie und Defensivschwäche nachgesagt. Gerade in Spielen, in den es nicht läuft. „Er hatte auch diesmal wie in Leipzig Momente, in denen er sich weiter entwickeln kann“, sagt Hoeneß über den Auftritt gegen Feyenoord Rotterdam.
Tatsächlich übertreibt es El Khannouss mit der von seinem herausragenden Talent getriebenen Spielfreunde manchmal ein wenig. Dann ist es wie in der Anfangsphase gegen Rotterdam ein Hackentrick zu viel – gepaart mit dem überflüssigen Versuch, den Gegner im Dribbling möglichst auch noch zu tunneln. „Er tut uns sehr gut, auch wenn wir inhaltlich mit ihm noch ein paar Dinge entwickeln müssen“, sagt Hoeneß zur Zukunft seiner Nummer elf.
Doch schon jetzt hat auch Bilal El Khannouss mit dafür gesorgt, dass der Ausfall des Mittelstürmers Ermedin Demirovic, der für Dezember auf dem Platz zurück erwartet wird, gemessen an den Ergebnissen nicht größer ins Gewicht fällt. Nicht zu übersehen ist aber auch: Ohne Demirovic und einen anderen gelernten Mittelstürmer im Kader des VfB ist das Spiel des Pokalsiegers ein anderes. Und auch der 21-Jährige hilft mit, dieses Manko zu überbrücken.
„Wir haben als Mannschaft Moral gezeigt – und haben uns da richtig rein gekämpft“, kann Hoeneß nach dem wichtigen 2:0 über Rotterdam daher bilanzieren. Es war ein Match, in dem Bilal El Khannouss den VB in einem seiner ganz besonderen Momente auf die Siegerstraße brachte.