Nach dem 2:6-Debakel in Bremen wird die Lage im Tabellenkeller immer prekärer.

Bremen - Jürgen Kramny sitzt auf der Bank und fasst sich an die Nase. Dann schüttelt er den Kopf. Der Trainer des VfB Stuttgart scheint nicht begreifen zu können, was er da gerade gesehen hat. Das Spiel ist vorbei. Der VfB hat bei Werder Bremen mit 2:6 verloren. Kramny weiß, dass das mehr ist als eine normale Niederlage – es ist ein Wirkungstreffer für den VfB, der auf den 17. Tabellenplatz abgerutscht ist. Der Abstieg wird immer wahrscheinlicher.

Es war ein ganz bitterer Abend für den VfB. Der Regisseur Daniel Didavi sprach sogar von „einer Schande“. Das sei unerklärlich, ergänzte der Abwehrspieler Daniel Schwaab, „mir fehlen die Worte. Das war viel zu wenig.“ Jetzt gibt es nur noch einen Strohhalm. „In die letzten zwei Spiele müssen wir alles reinwerfen“, sagt Schwaab.

Vor dem Anpfiff war Bremen 17. und der VfB auf Platz 15. „Der Gegner ist in einer noch schwierigeren Situation als wir“, sagte der VfB-Sportvorstand Robin Dutt, der da noch auf positive Effekte des Camps zuletzt auf Mallorca hoffte – vergeblich. Der Schuss ging nach hinten los. Werder Bremen war vergangene Woche übrigens auch im Camp, in Verden an der Aller.

Als die Partie begann, spielte die Angst vor der zweiten Liga mit – bei Werder, aber viel mehr beim VfB, der mit einer stark veränderten Aufstellung ins Rennen ging. Neu in der Startformation standen Georg Niedermeier, Alexandru Maxim und Matthias Zimmermann vom VfB II, der beim VfB I seinen Einstand feierte. Nicht dabei war Christian Gentner (muskuläre Probleme).

Los ging der Existenzkampf der beiden Bundesliga-Gründungsmitglieder, indem Werder sofort die Initiative ergriff. Schon nach 41 Sekunden gab es die erste Ecke. Der völlig freistehende Jannik Vestergaard kam an den Ball, den er über die Latte köpfte.

Die Bremer wirkten entschlossener und williger. Nachdem Emiliano Insua die fünfte Gelbe Karte in dieser Saison gesehen hatte und deshalb am Samstag gegen Mainz gesperrt ist, erzielten die Gastgeber den Führungstreffer. Nach einem verunglückten Abschlag des VfB-Keepers Przemyslaw Tyton agierte Federico Barba gegen Claudio Pizarro viel zu zögerlich. Der Peruaner bediente Fin Bartels, der vollendete (10.) – eine Folge der Bremer Zweikampfstärke, die in der Anfangsviertelstunde 68 Prozent der direkten Duelle gewannen. „Unser Zweikampfverhalten war ein Witz“, sagte Didavi. Erst nach 20 Minuten wurde der VfB aktiver. Den Ausgleich bereitete Alexandru Maxim vor. Er bediente Didavi, der seinen zwölften Saisontreffer markierte (26.). Es war das erste VfB-Tor seit dem 9. April. Der Schütze auch damals: Didavi, der in Bremen nach 42 Minuten verletzungsbedingt ausgewechselt wurde.

Es zeigte sich, warum die beiden Teams bisher die meisten Gegentreffer kassiert haben – die Abwehrreihen waren nicht erstligatauglich. Bisweilen nahm das komische Züge an, wie beim Bremer 2:1, das ein Stuttgarter erzielte. Barba unterlief schon das siebte VfB-Eigentor in dieser Saison – Bundesligarekord. Und der desolate italienische Neuzugang war auch am dritten Gegentreffer beteiligt, als er Levin Öztunali nicht störte.

In der turbulenten Partie hatte aber auch der VfB einige Chancen, vor allem durch Martin Harnik. Einmal scheiterte er am Pfosten (37.), ein anderes Mal am Bremer Torwart Felix Wiedwald (45.). Nach der Pause änderte sich wenig an dem offenen Schlagabtausch, den sich die beiden Mannschaften lieferten. Barba bewies, dass er offensiv auch für den Gegner gefährlich werden kann. Eine Flanke von Maxim lenkte er mit der Hacke ins Netz (53.).

Dann musste Barba angeschlagen raus. Für ihn kam der junge Mart Ristl und nicht der millionenschwere Neuzugang Toni Sunjic. Der sah von der Bank aus, wie Pizarro zum 4:2 einschießen konnte (64.). Bartels erhöhte (80.), ehe Anthony Ujah das 2:6-Debakel des VfB perfekt machte (86.).

Es war ein Spiel mit Fehlern. Weil der VfB viel zu viele Aussetzer hatte, ging er als Verlierer vom Platz – und steht vor ganz schweren Zeiten. „Bis zum 2:4 waren wir gut im Spiel – danach ist einiges über uns hereingebrochen“, sagte Kramny. Zwei Partien sind es noch, gegen Mainz und in Wolfsburg. Heißt es danach: zweite Liga?

VfB Stuttgart - Bundesliga

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