VfB Stuttgart Enzo Millot ist zurück – was das für die VfB-Offensive bedeutet
Der Silbermedaillen-Gewinner von Paris mischt wieder mit beim VfB Stuttgart, womit auf Trainer Sebastian Hoeneß ein Luxusproblem zukommt.
Der Silbermedaillen-Gewinner von Paris mischt wieder mit beim VfB Stuttgart, womit auf Trainer Sebastian Hoeneß ein Luxusproblem zukommt.
Das ging schnell. Am vergangenen Freitag spielte Enzo Millot in Paris noch um die olympische Goldmedaille, vier Tage später stand der Offensivakteur bereits wieder beim VfB Stuttgart auf dem Trainingsplatzplatz. Warum die Pause doch so kurz war, wo doch die EM-Teilnehmer gut vier Wochen durchschnaufen durften, ist schnell erklärt: Millot hatte seine Auszeit schlicht schon im Juni, da das erste Testspiel vor dem olympischen Turnier erst am 4. Juli stattfand – zwei Tage vor dem regulären VfB-Trainingsauftakt. Und so ging er am Dienstagvormittag ein Bad Cannstatt wieder der Arbeit nach. Sichtlich gut gelaunt – und mit einer Menge Emotionen im Gepäck.
Bis ins olympische Finale war Millot mit Frankreichs U 23 beim Heimturnier vorgestoßen, hatte in diesem gegen Spanien sogar die frühe Führung erzielt, dann aber doch mit 3:5 nach Verlängerung denkbar knapp verloren. Inzwischen ist der Frust längst in Stolz umgeschlagen, der 22-jährige Franzose schreibt in sozialen Medien von einem „unvergesslichen Erlebnis, das lebenslang eingraviert bleibt.“ Der junge Mann dürfte also mit breiter Brust das Training wieder aufnehmen.
Sebastian Hoeneß wird sich über den Rückkehrer ohnehin freuen. Der VfB-Trainer schätzt den kreativen Geist im offensiven Mittelfeld, der in festgefahrenen Situationen für die besonderen Momente sorgen kann. Auf 31 Einsätze kam Millot in der Vorsaison, fünf Tore und acht Vorlagen steuerte er auf dem Weg zur Vizemeisterschaft bei. Kein Zweifel, nach all den Zu- und Abgängen während der Vorbereitung stößt nun nochmals eine echte Hausnummer zum Kader.
Zugleich ist eine Rückkehr ins Mannschaftstraining nicht gleichbedeutend mit einer sofortigen Einsatzfähigkeit. Es gilt, sich einzufinden, Abläufe neu zu verinnerlichen, Spritzigkeit zu gewinnen – all das dauert. Hinter einem Einsatz im Supercup bei Bayer Leverkusen an diesem Samstag (20.45 Uhr) steht deshalb noch ein Fragezeichen, danach aber dürfte Millot zum Bundesliga-Auftakt beim SC Freiburg (24. August) eine ernsthafte Option sein.
Der ohnehin schon vorhandene Konkurrenzkampf im offensiven Mittelfeld wird dadurch nicht kleiner, zumal sich während Millots Abwesenheit beim VfB gerade in seinem Wirkungskreis einiges getan hat. Konkret geht es im zuletzt gesetzten 4-2-3-1-System um die drei Positionen hinter Mittelstürmer Ermedin Demirovic, die Millot alle schon gespielt hat. Der zentrale Part als hängende Spitze dürfte dabei an Rekordtransfer Deniz Undav gehen – zumal weder Jamie Leweling noch Woo-yeong Jeong in dieser Rolle restlos überzeugen konnten und Neuzugang Fabian Rieder aufgrund der EM-Pause noch am Anfang steht.
Auf außen hat sich derweil Interessantes entwickelt. Sowohl Justin Diehl auf links als auch Silas auf rechts haben ihre Chance genutzt – und interpretieren diese Rolle natürlich völlig anders als Millot, der gerne mal ins Zentrum einrückt. Die Folge: Angriffe über die Flügel und Tempodribblings auf außen haben sich zuletzt als wiederkehrendes Stuttgarter Muster verfestigt, auch Hoeneß kam darauf nach dem jüngsten Test gegen Athletic Bilbao (4:0) zu sprechen: „Ich habe Abläufe gesehen, die Struktur war gut. Gerade am Flügel haben wir immer wieder über Verlagerungen Situationen kreiert.“ Hinzu kommt: Mit Nationalspieler Chris Führich steht ja ein Platzhirsch auf außen auch wieder zur Verfügung.
Millot wird nach seiner Rückkehr also Gas geben müssen. Einerseits. Auf der anderen Seite ist es kaum vorstellbar, dass der Mann mit dem Marktwert von rund 30 Millionen Euro dauerhaft eine Nebenrolle einnimmt – dafür sind seine Fähigkeiten zu wertvoll, in engen Räumen gute Lösungen zu finden. Auch für einen Abgang Millots in dieser Transferperiode gibt es bislang keine Anzeichen, wenngleich natürlich – auch der VfB hat das in diesem Sommer schmerzhaft erfahren – auf dem Transfermarkt auch kurzfristig Dynamiken entstehen und Stammspieler gehen können.
Fürs erste aber spricht vieles für ein dichtes Gedränge um die Offensivplätze, an dem von nun an auch Enzo Millot teilhaben wird. Ein Luxusproblem für den Trainer, das es zu moderieren gilt – und das bestenfalls in einem facettenreichen, variablen Angriffsspiel mündet und den Akteuren auch mal Verschnaufpausen gewährt. Der VfB wird das gut brauchen können in einer Saison mit Mehrfach-Belastung.