Muss der Stadionsprecher vor den Partien des VfB Stuttgart künftig nicht nur die Aufstellungen präsentieren – sondern auch eine Warnung? „Glücksspiel kann süchtig machen.“ Eher nicht. Sonst würde man das ja kennen aus der Fußball-Bundesliga. Nur zwei Clubs gibt es im 18-er Feld, in deren Sponsorenportfolio kein Anbieter für Glücksspiel auftaucht. Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) profitieren gerne vom finanziellen Engagement dieser Branche, mit der es schon lange keine Berührungsängste mehr gibt.
Beim VfB Stuttgart müssen sie also nicht beschämt zu Boden schauen ob ihres nun bekannt gegebenen Sponsorendeals mit einem französischen Wettanbieter – auch wenn dieser so exponiert wie sonst nirgendwo in der Liga zu sehen sein wird: auf der Brust der Profis.
Beglückwünschen dürfen sie sich unter dem roten Dach für die Erlöse, die sie nun generieren mit all den Partnern, die gewonnen oder gehalten werden konnten. Die große Sorge, nach dm Teilrückzug von Mercedes-Benz tiefe Einschnitte hinnehmen zu müssen, war letztlich unbegründet. Der Plan, wirtschaftlich konkurrenzfähiger zu werden, ist vorerst aufgegangen.
Wertediskussion wird bleiben
Dass trotzdem kein bedingungsloser Jubel ausbrechen kann, zeigen allein zwei Tatsachen: Dass der Club bei der Vorstellung des neuen Hauptsponsors viel Worte darauf verwenden musste, um zu versichern, wie sehr sich „Winamax“ auch für den Spielerschutz einsetzt und kein windiges Unternehmen mit Sitz in irgendeinem Steuerparadies ist. Und dass Kinder künftig nicht mehr dasselbe Trikot tragen können wie ihre Idole, weil hier der Schriftzug des Sportwettenanbieters getilgt wird. Das ist verantwortungsvoll, und dennoch bitter. Eine Diskussion, ob Winamax nun zu den viel beschworenen Werten des VfB passt oder nur das kleinere Übel gegenüber Geldgebern aus problematischen Weltregionen ist, wird zurecht noch eine Weile geführt werden. Zumal die Verantwortlichen die Latte hier selbst recht hoch gelegt hatten.
Wer allerdings dachte, allein mit regionalen Playern, die bereit sind, fast zweistellige Millionenbeträge ins Fußballbusiness zu investieren, würde der VfB abschließen, verschließt vor den Gegebenheiten der Branche ebenso die Augen wie vor den immensen Summen, die notwendig sind, um hier konkurrenzfähig zu sein.
So bleibt am Ende der Sponsorensuche des VfB festzuhalten: Sie war in wirtschaftlicher Hinsicht ein voller Erfolg, bietet Regionalität und ermöglichte Kooperationen, die zuvor undenkbar schienen (Mercedes und Porsche). Im sportlichen Sprachgebrauch würde man aber wohl auch sagen: Irgendwie ist der Sieg auch ein bisschen teuer erkauft.