VfB Stuttgart – FC Bayern München Kein Support: Ultras boykottieren auch den Heim-Supercup

Die organisierte Szene des VfB erweist sich seit jeher als kommerzkritisch. Foto: Baumann

Wieviele Karten sind verkauft? Und wie geht die organisierte Fanszene mit dem Supercup gegen die Bayern um? Die Hintergründe zum Pflichtspielauftakt des VfB Stuttgart.

Sport: Gregor Preiß (gp)

Natürlich findet der in jüngerer Vergangenheit mit sportlichen Recht als Südschlager re-titulierte Klassiker zwischen dem VfB Stuttgart und dem FC Bayern München vor einem proppevollem Haus statt. Vor dem Supercup am 16. August (20.30 Uhr) in der Stuttgarter MHP-Arena meldet der Gastgeber: ausverkauft.

 

Fans, die sich Hoffnung auf eines der bei VfB-Heimspielen so begehrten Tickets gemacht hatten, werden also auch dieses Mal leer ausgehen. Trotz Ferienzeit. Und selbst beim Supercup, einem sportlich mäßig relevanten Wettbewerb, dessen Sieger sich zwar eine Trophäe in den Schrank stellen und drei Millionen Euro aufs Festgeldkonto dazu buchen darf. Der aber meist einen Tag später schon wieder vergessen ist. Wie ging das Duell zwischen Leverkusen und dem VfB vergangenes Jahr nochmal aus?

Verschrien als Kirmespokal

Der Supercup ist verschrien als Kirmespokal; als Kopfgeburt von Funktionären, denen es in erster Linie um noch ein paar Euro mehr geht. Womit wir bei den Ultras des VfB wären. Sie blieben schon im vergangenen Jahr dem Spiel in Leverkusen fern (Bayer gewann übrigens 6:5 n.E.). Aus Protest. Auch die organisierten Anhänger der Gastgeber verzichteten auf ihre Unterstützung.

Nein zum Supercup am Pokal-Wochenende: Auch die Bayern-Fans protestierten schon. Foto: imago/osnapix

„Der DFL-Supercup hat aus unserer Sicht keinerlei sportlichen Reiz als Wettbewerb und dementsprechend für uns keine Relevanz, die ein organisiertes Auftreten rechtfertigen würde. Dass durch die Austragung des Supercups am Pokal-Wochenende eine völlig unnötige zusätzliche englische Woche, in unserem Fall mit der Auswärtsfahrt dienstags nach Münster, bestritten werden muss, kommt noch erschwerend hinzu“, hieß es damals von Seiten des Commando Cannstatt.

So äußert sich das Commando Cannstatt

„Zu der Stellungnahme von damals gibt es nichts hinzuzufügen“, sagte ein Sprecher der größten Stuttgarter Ultra-Gruppierung nun auf Anfrage. Außer dass Münster durch Braunschweig ersetzt werden muss. Dort steigt der amtierende Pokalsieger am 26. August verspätet in den DFB-Pokal ein. Wieder an einem Dienstagabend, 20.45 Uhr.

Oft unzumutbare Spieltagsansetzungen, die ewige Diskussion um 50+1, Konstrukte wie RB Leipzig, Flirts mit Investoren zur weiteren Gewinnmaximierung – im Boykott des Supercups kulminiert vieles, was die Traditionalisten am modernen Fußball so stört. Die Stuttgarter Szene ist in ihrer Haltung recht rigoros, aber nicht alleine. Die allermeisten organisierten Fans in Deutschland denken ähnlich – und lehnen den Supercup ab.

So auch die Münchner. Deren Ultra-Gruppen Schickeria, Isarsturm oder Red Pride Munich haben ihren Verzicht beim Spiel in Stuttgart zwar nicht explizit verkündet. In der Vergangenheit blieben sie den zahlreichen Meister-Pokalsieger-Duellen ihrer Mannschaft aber weitgehend fern. Ob Uefa- oder FC-Bayern-spezifische Themen wie das Katar-Sponsoring – in vielen Punkten gerieren sich die Bayern-Ultras als besonders kommerzkritisch. Ausgerechnet sie, könnte man hinzufügen.

Viel Kommerzkritik kulminiert in diesem Wettbewerb

Dass auch die Welt der Fußballfans nicht ohne Widersprüche ist, beweist auch der Umstand, dass viele der Ultras – ob von Stuttgarter oder Münchner Seite – am Samstag trotzdem ins Stadion pilgern werden. Als „normale Fans“, aber eben nicht als Gruppe organisiert. Den klassischen Support wird es deshalb auch nicht geben. Sehen wollen viele den Kick trotzdem. „Die Entscheidung unserer organisierten Fanszene respektieren wir. Auch wenn sich die Stimmung von unseren anderen Heimspielen unterscheiden wird, bleibt es ein ganz besonderes Highlight-Spiel für den VfB – ein echter Südgipfel, bei dem es um den ersten Titel der Saison geht“, sagte VfB-Vorstandschef Alexander Wehrle unserer Redaktion.

Eines muss man dem Supercup lassen. Über eine gewisse Tradition verfügt er. Mit Unterbrechungen existiert er in verschiedenen Formen seit immerhin 40 Jahren. Einmal hat ihn der VfB gewonnen, 1992 war das. 3:1 gegen Hannover 96. Damals hieß der Wettbewerb Panasonic-Supercup, seit diesem Jahr trägt er den Namen „Franz-Beckenbauer-Supercup“. Was dem Ganzen eine weitere skurrile Note verleiht.

Jo mei, würde der Kaiser wohl zu all dem sagen.

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