VfB Stuttgart gegen Heidenheim Fokus auf das letzte Drittel – was am Sonntag besser laufen soll
Der VfB richtet nach der Niederlage in Basel den Blick nach vorne. In welchen Bereichen Trainer und Spieler gegen den FCH ansetzen wollen.
Der VfB richtet nach der Niederlage in Basel den Blick nach vorne. In welchen Bereichen Trainer und Spieler gegen den FCH ansetzen wollen.
Das Geläuf im Sankt-Jakob-Park hat den Belastungstest bestanden. Blitzblank kam der Rasen nach der Partie des VfB Stuttgart beim FC Basel daher, der in den 90 Minuten zuvor ja sehr ungleichmäßig beansprucht worden war. Vor allem nach der Halbzeit: Nahezu ständig rannten oder grätschten sämtliche 20 Feldspieler rund um den Strafraum des Schweizer Meisters, der die Stuttgarter Angriffe erfolgreich abwehrte – wozu allerdings auch der VfB seinen Teil beitrug. „Im letzten Drittel“, monierte Trainer Sebastian Hoeneß, habe man nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen. Kaum ein Begriff fiel nach der 0:2-Niederlage in der Europa League häufiger in den Katakomben der Arena – und beim Blick auf besagtes letztes Spielfeld-Drittel zeigten sich ja auch zweifelsohne die zentralen Baustellen und Ansatzpunkte aus Stuttgarter Sicht gleichermaßen.
Auf der einen Seite erzeugte der VfB eine Menge Druck und kam zu Tor-Abschlüssen, reihenweise. 29 Schüsse wies die Statistik am Ende aus – fast alle drei Minuten also nahmen die Stuttgarter das Basler Gehäuse ins Visier. Als „unfassbar“ stufte Mittelstürmer Ermedin Demirovic die Niederlage daher gar im Nachhinein ein: „Wir hatten hier einfach Chancen über Chancen.“ Die Zahl der Expected Goals, der zu erwartenden Tore aufgrund der Qualität der herausgespielten Abschlusspositionen also, lag dabei in der Tat in einem stattlichen Bereich: Nie in den vergangenen Wochen war der VfB-Wert so hoch wie in Basel mit 2,6 – ohne Wenn und Aber genug für einen Sieg.
Auf der anderen Seite allerdings verweist dieser Wert auch auf die Stuttgarter Mängel. Stichwort Effizienz und Abschlussqualität. Mal gingen die Bälle des VfB gar nicht erst aufs Tor, mal fehlten Präzision oder Schärfe, mal war der an diesem Abend starke Ex-Bundesliga-Torhüter Marwin Hitz zur Stelle: In der ersten Hälfte parierte er gegen Demirovic vom Elfmeterpunkt (36.), in der zweiten gegen Chema Andrés (58.) und den völlig freistehenden Tiago Tomas (81.). „Wir haben viel geschossen“, sagte Mittelfeld-Regisseur Angelo Stiller, „leider nicht präzise genug.“ Hinzu kommt: Es wären sogar noch deutlich mehr Chancen möglich gewesen bei besseren Entscheidungen im Ausspielen der Angriffe und bei größerer Zielstrebigkeit. „Zum Teil war es vor dem Tor zu verspielt, nicht zwingend genug und nicht konsequent“, sagte Sportvorstand Fabian Wohlgemuth.
So jubelte am Ende Ex-VfB-Profi Ludovic Magnin auf der Trainerbank des FC Basel über einen Sieg seiner Mannschaft, die eben jene Effizienz an den Tag legte und dabei auch defensive Stuttgarter Patzer nutzte. Erst profitierte Albian Ajeti von einem folgenschweren Rückpass von Außenverteidiger Lorenz Assignon (3.), dann machte Routinier Xherdan Shaqiri mit einem Chipball über VfB-Torhüter Alexander Nübel hinweg in die lange Ecke den Deckel drauf (84.). Der Sankt-Jakob-Park jubelte, der VfB ärgerte sich über eine ebenso unnötige wie selbst verschuldete Niederlage nach zuvor drei Siegen in Serie.
Größere Unruhe macht sich aber noch keine breit. Zum einen hat man in der Europa League das Weiterkommen nach wie vor in der eigenen Hand – drei Siege aus den verbleibenden sechs Spielen würden hierfür wohl in jedem Fall ausreichen. Zum anderen sieht man sich trotz der Niederlage in puncto offensiver Wucht ein gutes Stück weiter als zu Saisonbeginn, als das Herausspielen von Torchancen noch deutlich mühsamer war und es Neuzugänge wie Bilal El Khannouss und Badredine Bouanani in die Abläufe zu integrieren galt. „Wir sind auf dem richtigen Weg, werden genauso weitermachen und die Dinger vorne wieder machen“, sagt Demirovic: „Wir lassen uns nicht von so einem Spiel aus der Bahn werfen.“
Dass dafür zur offensiven Wucht auch wieder die nötige Effektivität kommen muss, steht aber außer Frage. Das eine zu erhalten und das andere wiederzuerlangen – vor dieser Aufgabe stehen die Stuttgarter in der kurzen Vorbereitungszeit auf die nächste Bundesliga-Partie, in der ein ähnlicher Spielverlauf wie zuletzt keine Überraschung wäre: Am Sonntag (15.30 Uhr) gastiert der 1. FC Heidenheim beim VfB, der nach dem ersten Saisonsieg gegen den FC Augsburg mit Rückenwind kommt und sich als kompakt verteidigender Gegner einen Namen gemacht hat. Vom VfB wird also erneut Präzision gegen eine vielbeinige Defensive gefragt sein – mit besseren Lösungen im letzten Drittel als in Basel.