VfB Stuttgart Frauen „Diener der Mannschaft“ – wie Nico Schneck seine Rolle bei den VfB-Frauen sieht

Nico Schneck, der neue Coach der Frauenmannschaft des VfB Stuttgart. Foto: VfB

Zum zweiten Mal steht am Samstag Nico Schneck bei einem Spiel der Frauen des VfB Stuttgart als Chefcoach an der Seitenlinie. Was ist ihm wichtig? Das hat er uns erzählt.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Wenn ein Trainer mitten in der Saison eine Mannschaft übernimmt, muss das Vertrauen schnell wachsen. Was dabei besonders hilft: Wenn schnell Belege da sind, dass die Vorstellungen des Neuen zum Erfolg führen. Das Gute für Nico Schneck: In seinem Fall dauerte es nicht einmal drei Minuten.

 

„Es ist natürlich besonders schön, wenn das erste Tor gleich so fällt, wie wir es im Training durchgespielt haben“, sagt der Coach, der seit dem Donnerstag der vergangenen Woche für die Zweitligafrauen des VfB Stuttgart verantwortlich ist. Drei Tage nach seiner ersten Trainingseinheit mit dem Team stand dann das Auswärtsspiel bei Turbine Potsdam auf dem Programm – in dem Dafina Redzepi bereits in der dritten Minute die Führung erzielte. Am Ende stand ein 3:0-Erfolg. „Die ersten Tage“, sagt Nico Schneck daher, „waren vollgepackt, aber auch sehr positiv.“ Und: „Das war ein guter Start, auf dem wir aufbauen können.“

Die Aufbauarbeit geschieht im Kleinen – weil die Frauenmannschaft des VfB zuletzt nicht mehr ganz so souverän unterwegs war wie über weite Strecken der bisherigen Saison. Das große Ganze dagegen steht beim Brustring-Club, der mit den Frauen in der nächsten Saison in der Bundesliga spielen soll. Dann wäre der Durchmarsch von der Oberliga bis ins Oberhaus perfekt.

Die Basis hat dabei Heiko Gerber gelegt, der das Team auf dem Weg nach oben bisher begleitet und entwickelt hat. Weil sich zuletzt aber die Zweifel an der nächsten erfolgreichen Aufstiegsmission mehrten, wurde der Ex-Profi freigestellt – und Nico Schneck aus Freiburg geholt. Der nicht lange überlegen musste, ob er das Angebot, statt bei den SC-Frauen Co-Trainer nun in Stuttgart Chefcoach zu sein, annehmen würde.

„Die Perspektive dieses Jobs war einfach so gut, da war ich schnell überzeugt, dass dies jetzt der richtige Schritt ist“, sagt Nico Schneck, „deshalb haben wir uns dann auch innerhalb kürzester Zeit entschieden, das zu machen.“ Mit „wir“ meint er seine Familie, die Frau mit den beiden Kindern, von denen das jüngste gerade einmal einige Wochen alt ist. Spätestens in der Sommerpause wollen alle vier gemeinsam in Stuttgart wohnen. Bis dahin gibt es sportlich aber noch Wichtiges zu tun für den 38-Jährigen.

Zwei Teams steigen am Ende der Saison auf, der VfB ist aktuell Zweiter. Das Team muss diesen Rang also verteidigen, im Sinne von Schneck ist aber eher eine andere Herangehensweise. Immer wieder Frage: Was kann ich erreichen?

In den ersten Tagen als Stuttgarter Trainer ging es im vor allem darum, schnell einen Draht zu den Spielerinnen aufzubauen. „In erster Linie ist es mir wichtig, im menschlichen Bereich eine gute Ebene zu finden. Das ist die Basis, um beim Gegenüber eine Offenheit zu erzeugen“, sagt Nico Schneck. Er will von den Spielerinnen wissen: Was ist ihre Geschichte? Wohin wollen sie? Was ist ihnen wichtig? „Wenn ich weiß, wohin eine Spielerin möchte“, sagt er, „dann kann ich ihr sagen, wo ich sie aktuell sehe, und ihr helfen, ihre Ziele zu erreichen.“ Auf eine ganze Mannschaft übertragen heißt das: „Ich möchte, dass jede Spielerin auf ihrer bestmöglichen Position eingesetzt wird und dort ihre bestmögliche Leistung abrufen kann.“

Der Coach als „Diener der Mannschaft“

Dabei hat er seine Prinzipien – auf und neben dem Platz. Als dogmatischen Trainer sieht sich Nico Schneck dagegen nicht. Das gibt die Rolle des Coaches aus seiner Sicht auch gar nicht her. „Fußball ist ein Spiel der Spielerinnen und Spieler“, sagt er, „nicht ein Trainer-Spiel.“ Als „Diener der Mannschaft“ sieht er sich. Erwartungen hat er aber auch an jene, mit denen er zusammenarbeitet. „Offenheit“ für gewisse „Richtlinien“ sei wichtig, sagt Schneck – und hat genau das bei seinem Start in Stuttgart erlebt.

„Ich habe von Beginn an eine Mannschaft wahrgenommen, die offen war für Hilfestellungen, die Lust auf den Input hatte, den wir bisher gegeben haben, die begeisterungsfähig ist“, sagt der neue Coach, der mit dem bisherigen Trainerteam zusammenarbeitet. Auch dieses habe es ihm leicht gemacht, beim VfB anzukommen. Dazu half, dass er einige Spielerinnen aus seiner Zeit als Nachwuchscoach beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) kannte. Und: Das Testspiel, das der VfB im Winter gegen den SC Freiburg bestritten hat, sorgte auch dafür, dass er schon ein Bild seiner neuen Mannschaft hatte.

Die gilt als die Beste der zweiten Liga, weil sie mit einigen erstligaerfahrenen Spielerinnen bestückt ist. Nun geht es darum, im Schlussspurt der zweiten Liga diesem Status vollends gerecht zu werden. Am Samstag (14 Uhr) tritt der VfB beim VfR Warbeyen an, dem Tabellenletzten. Zeitgleich treffen der Erste (SC Sand) und der Dritte (SV Meppen) aufeinander. Gegen beide Topteams muss auch der VfB noch ran.

Nach dem kommenden Wochenende steht aber erst einmal eine dreiwöchige Spielpause an. Für Nico Schneck einerseits Zeit, die er für die Arbeit mit der Mannschaft nutzen will. Andererseits bieten diese Tage aber auch die Möglichkeit, alles neu Erlebte kurz einmal „sacken zu lassen“. Bei ihm, aber auch bei der Mannschaft. Dann sind es noch vier Partien bis Saisonende. Bis ans Ziel. Ans vorläufige.

Nico Schneck während des ersten Spiels als VfB-Trainer in Potsdam. Foto: VfB

„Wenn wir in die erste Liga aufsteigen sollten, werden wir noch einmal einen Sprung machen müssen“, blickt Nico Schneck darüber hinaus. Denn er weiß durch seine langjährige Arbeit im Frauenbereich: „Das Niveau in der Bundesliga die letzten drei Jahre noch mal rasant gestiegen, vor allem im athletischen Bereich.“ Die Rahmenbedingungen beim VfB seien dagegen schon sehr gut.

Vor allem, wenn dann demnächst noch die eigenen Wohnung für sich und die Familie dazukommt.  

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