VfB Stuttgart Frauen Wie Heiko Gerber und die VfB-Frauen in ein ehrgeiziges Projekt starten

Heiko Gerber ist bei den Frauen und bei der U 21 des VfB Stuttgart tätig. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Beim VfB Stuttgart ist Heiko Gerber ein alter Bekannter – der nun aber in ein ganz neues Projekt gestartet ist. Wie der Meisterspieler von 2007 den Aufstieg der VfB-Frauen plant.

Weil Heiko Gerber ein Mann mit Humor ist, beginnt er das Gespräch mit einem Witz. „Eigentlich wollte ich in meinem Alter ja kürzertreten“, sagt also der frühere Profi des VfB Stuttgart. Am 11. Juli ist er 50 geworden – und wenig später ist das Gegenteil eingetreten. Heiko Gerber ist ziemlich gut beschäftigt.

 

Co-Trainer der Regionalliga-Mannschaft ist er bereits gewesen, als man sich beim VfB kürzlich Gedanken gemacht hat, wer denn beim Frauenteam das vakante Traineramt übernehmen könnte. Die Verantwortlichen sind auf Heiko Gerber gekommen, der erst überrascht war ob der Anfrage – sich dann aber schnell für die neue Aufgabe begeisterte. Seit rund drei Wochen also ist der Meisterspieler von 2007 beides: Assistent beim VfB II und Chef bei den VfB-Frauen, mit denen nun das erste Pflichtspiel ansteht.

Das Defensivspiel sei schon sehr gut, die Einstellung stimme sowieso bei den Frauen, Hauptaufgabe sei es aktuell, Lösungen für die Offensive zu erarbeiten. So beschreibt Heiko Gerber die sportlichen Themen, die sein neues Team umgeben. Aber im Grunde ist die Aufgabe ja viel größer.

Während der vergangenen Saison wurde verkündet, dass sich der Fußball-Bundesligist bei den Männern nun auch dem Fußball der Frauen verschreibt. Kooperationspartner ist seitdem der VfB Obertürkheim, in der nun beginnenden Saison tritt das Team erstmals im Trikot mit dem Brustring und unter dem Dach des großen Nachbarn an. Der Abstieg des Teams in die Oberliga kam zur Unzeit, an den ehrgeizigen Plänen ändert das nichts. Der VfB Stuttgart will mittelfristig in der Frauen-Bundesliga mitmischen.

Zwei Aufstiege sind zunächst fest eingeplant

„Zwei Aufstiege in den nächsten drei Jahren sind das Ziel“, sagt dementsprechend auch Heiko Gerber zu den nächsten erwünschten Schritten in die zweite Liga. Er mahnt aber auch an: „Wir befinden uns in einem Prozess, der Zeit braucht.“ Denn in der Oberliga Baden-Württemberg ist das Frauenteam des VfB von rein professionellen Strukturen noch weit entfernt.

Dreimal die Woche wird am Abend trainiert, weshalb Heiko Gerber seine beiden Jobs auch gut kombinieren kann. Unterstützt wird er unter anderen von Lisa Lang. Die Vereinsmanagerin ist ja vor Gerber als Interimstrainerin eingesprungen und fungiert auf dessen ausdrücklichen Wunsch nun als Co-Trainerin. Denn Heiko Gerber hat zwar jede Menge Erfahrung als Bundesliga-Profi und Coach im Nachwuchsleistungszentrum des VfB – die Gegebenheiten im Frauenbereich kennt er aber noch nicht. „Ich kann zum Beispiel das Niveau der Oberliga noch schwer einschätzen“, sagt er. Auch, was sein Team am Sonntag erwartet, ist nicht ganz klar. In der ersten Runde des WFV-Pokals treten die VfB-Frauen beim Landesligisten FC Ellwangen an.

Aufbruchstimmung durch die EM

Als eine Art weiteren Test unter Wettkampfbedingungen sieht Gerber das erste Pflichtspiel der Saison. Im Falle eines Sieges folgt eine Woche später schon die Zweitrundenpartie. Am 4. September beginnt dann die Saison in der Oberliga – die, da lässt der Coach keine Zweifel aufkommen, absolute Priorität genießt. Auf dem Weg nach oben soll schließlich nicht allzu viel Zeit verloren gehen. Erschwerte Bedingungen erwartet Heiko Gerber aber auch.

„Unsere Gegnerinnen spielen nun nicht mehr gegen den VfB Obertürkheim, sondern gegen den VfB Stuttgart“, sagt er, er erwartet besonders motivierte Kontrahentinnen – sieht in der Aufbruch-Situation bei den Weiß-Roten aber einen großen Reiz. „Ich will“, sagt Heiko Gerber, „das hier mitgestalten.“ Die kürzlich zu Ende gegangene EM in England hat nicht nur dem Ex-Nationalspieler (zwei Einsätze) das Potenzial des Fußballs der Frauen noch einmal deutlich vor Augen geführt.

„Das war Spitzenfußball, da hat sich in den vergangenen Jahren in allen Bereichen extrem viel getan“, sagt Gerber, der weiß, dass beim VfB dieses Niveau derzeit noch nicht geboten wird. Nach vielen Jahren im Profigeschäft genießt er momentan sogar die familiäre Atmosphäre unter den teils langjährigen ehrenamtlichen Helfern auf dem Gelände in Obertürkheim. Auf Sicht sollen die Frauen mehr und mehr von den professionellen Strukturen an der Mercedesstraße in Bad Cannstatt profitieren.

Die Verzahnung soll enger werden

In die Kommunikation sind sie mittlerweile eingebunden, auf der Homepage des VfB haben sie ihren eigenen Bereich, die Trikots mit dem Brustring tragen sie ebenfalls. „Dass der erste Cheftrainer unserer Frauenmannschaft aus unserem eigenen Nachwuchsleistungszentrum kommt, unterstreicht die enge Verzahnung, die wir uns wünschen“, sagt Claus Vogt, der Präsident des VfB, über den Fußballlehrer Gerber.

Der ganz kurzfristige Wunsch ist der Einzug in die zweite Runde des WFV-Pokals – und damit ein gelungener Start in das neue Projekt, das eine erfolgreiche Konstante im VfB-Kosmos werden soll. Zum Auftakt fehlen Torhüterin Vanessa Diehl (Kreuzbandriss) und Mittelfeldspielerin Maxi Adler (Meniskuseinriss), ansonsten sind alle Frauen an Bord. Und Heiko Gerber verspricht – diesmal ganz im Ernst: „Wir werden hochkonzentriert sein.“

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