VfB Stuttgart Fünf Probleme, die der VfB nicht gelöst bekommt
Trotz gehobener Ansprüche ist der Bundesligist nur noch Mittelmaß. Nun wird viel vom Pokalfinale zum krönenden Saisonabschluss geredet. Doch darin liegt eine große Gefahr.
Trotz gehobener Ansprüche ist der Bundesligist nur noch Mittelmaß. Nun wird viel vom Pokalfinale zum krönenden Saisonabschluss geredet. Doch darin liegt eine große Gefahr.
Der VfB Stuttgart ist nur noch Mittelmaß. Das belegt der elfte Tabellenrang in der Fußball-Bundesliga. Und wenn man sich nach dem 1:2 gegen Werder Bremen nur das Tableau der Rückrunde anschaut, wird noch deutlicher, wie weit das Team von einer Form entfernt ist, die Ansprüche auf einen Europapokal-Rang widerspiegelt. Da liegt der VfB auf Platz 14 – und ist Fünftletzter. Abgerutscht vom fünften Rang nach der Hinrunde. Diese Misere hat Gründe, die der VfB nicht in den Griff bekommt – und die durch den Einzug in das DFB-Pokalfinale geschönt werden. Eine Bestandsaufnahme.
1 Zweischneidiges Pokalfinale Spagat? Welcher Spagat? Fabian Wohlgemuth sieht den VfB nicht in einem schwierigen Spreizschritt zwischen Liga und Pokal. Für den Sportvorstand zählen erst mal nur die Punktspiele – und hier hat er das europäische Geschäft noch nicht abgehakt. „Fünf Punkte in fünf Spielen aufzuholen, das ist absolut realistisch“, sagt der 46-Jährige.
Doch Wohlgemuth weiß nur zu gut, dass der Schwung nach dem Halbfinalsieg gegen RB Leipzig und der leichten Nummer danach in Bochum verflogen ist. Die Stuttgarter tun sich seit Wochen schwer und haben jetzt vor allem das DFB-Pokalfinale in Berlin im Kopf. Das Olympiastadion soll zur Stätte eines historischen Triumphs werden, der gleichzeitig den Einzug in die Europa League garantiert. Allerdings steigt mit jeder Niederlage in der Liga der Erwartungsdruck und die Fallhöhe. Damit umzugehen, ist die aktuelle Herausforderung an den Trainer. Sebastian Hoeneß muss die Mannschaft wieder in die Erfolgsspur bringen, damit die Beine der Spieler am 24. Mai gegen den Drittligisten Arminia Bielefeld nicht wie gelähmt erscheinen.
2 Fehlende Führung Wo sind die Führungsspieler? Diejenigen Persönlichkeiten auf dem Platz, die der Mannschaft Halt geben, das Heft des Handelns auf dem Rasen selbst mal in die Hand nehmen und die schwankenden Mitspieler durch kritische Spielphasen bringen. Davon hat der VfB nach den Abgängen von Waldemar Anton und Serhou Guirassy zu wenige. Angelo Stiller ist auf dem Weg, in diese Rolle zu schlüpfen. Gegen Werder war der Mittelfeldstratege der Antreiber. Gleichzeitig wirkte er teilweise aber frustriert, weil um ihn herum zu wenig gut lief.
Sein Nebenmann Atakan Karazor trägt zwar die Kapitänsbinde und redet viel. Sein Einfluss auf das Geschehen wird jedoch geringer, da er sich nicht mehr in der Form der fabelhaften Vorsaison befindet. Das trifft ebenso auf eine Reihe von VfB-Stars zu, die zu Nationalspielern (und damit in der Gehaltskategorie) aufgestiegen sind. Sie erheben Ansprüche auf die Startelf und wollen zentrale Figuren sein – doch in Wirklichkeit laufen sie ihrer Form hinterher. Deniz Undav, Chris Führich, Jamie Leweling und Alexander Nübel seien genannt. Das Manko ist mittlerweile erkannt und der VfB beabsichtigt, sich für die neue Saison mit entsprechenden Führungskräften zu verstärken.
3 Mangelnde Erfolgsgier Ist der VfB nach einer Erfolgssaison schon wieder satt? Nein, denn so einfach ist es nicht. Die Charakterfrage stellt sich nicht. Das Team ist gewillt und bereit. Dennoch gehen den Stuttgartern, über die Saison hinweg betrachtet, oft ein paar Prozentpunkte an Leistung ab. Mal ist es die mangelnde Effizienz, mal die fehlende Kompromisslosigkeit.
In Summe macht das viel aus und im Ergebnis schafft es der VfB mit diesem Defizit nicht, über gute Ansätze oder starke Spielphasen hinauszukommen. Wie nach der 1:0-Führung durch Leonidas Stergiou (19.) gegen die Bremer. „Das hat uns geholfen, weiteren Druck zu entwickeln. Wir waren in unseren Aktionen danach aber etwas zu unpräzise, um mehr herauszuholen“, sagt der Trainer Sebastian Hoeneß und verweist damit indirekt auf eine Qualität im Jahr der Vizemeisterschaft. Da war die Erfolgsgier so groß, dass der VfB im Oliver-Kahn-Gedächtnisstil agierte: weiter, immer weiter. Der VfB ließ nicht nach, bis er gewonnen hatte. Diesmal erwischte Oliver Burke (32./90.) die Gastgeber noch mit zwei Volltreffern.
4 Eklatante Heimschwäche Warum gewinnt der VfB seine Heimspiele nicht mehr? Eine gute Frage, auf die selbst Sebastian Hoeneß keine „signifikante“ Antwort weiß. Der Trainer erkennt kein Muster und tendiert zu den Faktoren Zufall und spezielle Spielverläufe. Auch für den Sportvorstand Fabian Wohlgemuth hat jeder Heimauftritt „seine eigene Geschichte“. Gegen die Bremer kippte der unberechtigte Platzverweis für Nick Woltemade die Begegnung (65.).
Fakt bleibt aber: In der Liga wurden zuletzt fünf Heimspiele nacheinander verloren. Noch nie waren die Stuttgarter so schlecht. Von den elf Saisonniederlagen erlitt der VfB allein sieben in der MHP-Arena. Dabei galt diese lange als uneinnehmbar. Zwischen Oktober 2023 und November 2024 blieben die Stuttgarter in ihrem stimmungsvollen Stadion ungeschlagen.
Doch seit Wochen erweckt es den Eindruck, als wüssten selbst solide Bundesligisten, was in Stuttgart zu tun ist, um zu gewinnen. Vor Werder Bremen siegten schon der VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach beim VfB, vom FC Bayern und Bayer Leverkusen als Spitzenteams ganz zu schweigen. „Wir müssen es wieder schaffen, zuhause eine Macht zu sein“, sagt Hoeneß, um die Basis für einen Aufschwung zu bilden.
5 Verspielter Vorsprung Wie oft eigentlich noch? Die Statistik zeigt, dass der VfB in dieser Bundesligarunde bereits 19. mal in Führung lag. Herausgekommen sind dann elf Siege und drei Unentschieden, fünf Partien wurden verloren. Das ergibt keine gute Bilanz, da insgesamt 21 Punkte verspielt wurden. Dabei existieren nur drei Mannschaften, die öfter vorne lagen: FC Bayern München (25), Bayer Leverkusen (24) und Eintracht Frankfurt (21) – die drei Topteams.
Wären die Stuttgarter also eine Spitzenmannschaft, könnten sie sich einreihen. Doch es gelingt nicht, aus einer Führung Sicherheit und Souveränität zu schöpfen. „Es ist schon unser Anspruch auch über die Liga ins internationale Geschäft zu kommen. Diese Überraschung können wir noch schaffen und meiner Meinung nach spielen wir besser, als es der Tabellenplatz aussagt“, sagt der Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt. Um das Ziel zu erreichen, müssen jedoch fünf Dauerprobleme gelöst werden.