VfB Stuttgart gegen 1. FC Kaiserslautern Warum Daniel Schlager einmal mehr im Mittelpunkt stand

Schiedsrichter Daniel Schlager, hier gibt er Gelb für Co-Trainer Malik Fathi (nicht im Bild) steht nach dem VfB-Pokalspiel in der Kritik. Wieder einmal. Foto: dpa/Tom Weller

Der VfB Stuttgart hat den Achtelfinal-Einzug im DFB-Pokal gegen den 1. FC Kaiserslautern geschafft, eine krasse Fehlentscheidung von Schiedsrichter Daniel Schlager bewegt dennoch die Gemüter. Der entschuldigt sich öffentlich, das Kernproblem löst dies nicht.

Sport: Philipp Maisel (pma)

Am Ende hatte es sogar noch das Geburtstagskind erwischt. VfB-Co-Trainer Malik Fathi, der an diesem Dienstag seinen 41. Geburtstag feierte, bekam in der Schlussphase der Partie auch noch den gelben Karton ins Gesicht gehalten. Es war die achte Verwarnung an diesem Abend, auch Cheftrainer Sebastian Hoeneß wurde in der 61. Minute von Schiedsrichter Daniel Schlager verwarnt. Sieben dieser Verwarnungen musste Schlager in der zweiten Spielhälfte aussprechen – und war selbst nicht ganz unschuldig daran: Ein Teil des Unmuts der Protagonisten zog er sich durch seine Entscheidung in der 43. Minute zu.

 

Krasse Fehlentscheidung sorgt für Pausenstand

Ausgangspunkt war eine Szene zwischen Stuttgarts Fabian Rieder und dem Lauterer Marlon Ritter. Obwohl Rieder noch deutlich sichtbar zurückzog, Ritter den leichten Kontakt dankbar annahm und entsprechend abhob und sich das Ganze für alle sichtbar außerhalb des Strafraums abspielte, pfiff Schlager und zeigte sofort und unmissverständlich auf den Punkt. Der Schiedsrichter hatte völlig freie Sicht auf die Situation, stand gut. Boris Tomiak ließ sich das Geschenk nicht nehmen, verwandelte sicher und stellte auf den 1:1-Pausenstand. Eine glasklare Fehlentscheidung. „Ein unglücklicher Kontakt, ich ziehe weg, er läuft in mich und es sieht unglücklich aus“, bilanzierte Rieder und schob nach: „Für mich war es außerhalb.“ Nicht einmal der Gefoulte widersprach. „Ich hatte im ersten Moment das Gefühl, dass es eher außerhalb war“, sagte Lauterns Ritter, „aber der Schiedsrichter hat auf Elfmeter entschieden.“

Die Stimmung in der ausverkauften Stuttgarter MHP-Arena kochte entsprechend hoch. „Schieber, Schieber“-Sprechchöre waren noch das Freundlichste, was sich Schlager von den Rängen anhören durfte. Und auch an der Seitenlinie wurde fortan immer wieder hitzig diskutiert. Kein Wunder, denn schließlich gibt es eine Vorgeschichte. Zur Erinnerung: Im DFB-Pokal 22/23 spielte der VfB gegen Frankfurt, beim Stand von 3:2 für die Eintracht verweigert Schlager dem VfB trotz VAR-Eingriff einen Handelfmeter (90.+7), das Spiel war so entschieden, die SGE zog ins Pokalfinale ein.

Schlager-Unmut hat eine Vorgeschichte

Doch damit nicht genug. In der Saison 23/24 lieferten sich Bayer 04 Leverkusen und der VfB einen epischen Schlagabtausch. Leverkusens Robert Andrich langte in der ersten Spielhälfte mehrfach ordentlich hin, sah früh Gelb. Sein zweites grobes Foul (Andrich sprang Enzo Millot in den Rücken und traf ihn zudem am Fuß, 36. Minute) ließ ihm Schlager durchgehen, eine Ampelkarte wäre mehr als vertretbar gewesen. Nach der Pause erzielt Andrich, der nach Meinung vieler nicht mehr auf dem Platz hätte stehen dürfen, das zwischenzeitliche 1:1 – der VfB verlor am Ende wie schon gegen Frankfurt mit 2:3. Am Dienstagabend komplettierte Schlager nun den Fehlentscheidungs-Hattrick.

Immerhin: Der 34-Jährige, der für den badischen FC Rastatt 04 pfeift, entschuldigte sich nach der Begegnung erst bei den Stuttgartern, dann öffentlich. „Letztendlich kann ich es aber nicht mehr ändern.“ Schlager betonte, dass er sich in der Situation Unterstützung durch den Video-Assistenten gewünscht hätte. „Wenn man den hat, der korrigiert zumindest die Entscheidung. Der Fehler bleibt und ist trotzdem ärgerlich. Aber das Ergebnis, der Strafstoß, steht am Ende nicht“, erläuterte er. Bekanntlich gibt es den Video-Assistenten im Pokal erst ab dem Achtelfinale, daher konnte in Stuttgart niemand eingreifen.

Am Ende fiel der Fehler nicht ins Gewicht. Chris Führichs Siegtreffer (76.) war der Schlusspunkt der rassigen Partie. Nach Abpfiff der Partie waren alle Protagonisten bemüht, die Sache nicht allzu groß werden zu lassen. So wünschten sich beispielsweise auch beide Trainer eine Unterstützung durch den VAR schon ab der zweiten Pokalrunde, um solche Situationen künftig besser lösen zu können. Auch die Frage danach, warum ein deutscher Spitzen-Schiedsrichter bei freiem Blick und gutem Stellungsspiel überhaupt VAR-Unterstützung benötigt, um so eine Szene korrekt zu bewerten, wurde nicht gestellt. Zumindest darüber dürfte Schlager nicht allzu unglücklich sein.

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