VfB Stuttgart gegen 1. FC Köln Warum Borna Sosas Leichtigkeit den Ausschlag gibt

Mit Ballgefühl: Borna Sosa vom VfB Stuttgart demonstriert gegen den 1. FC Köln seine Stärken. Foto: Baumann/Volker Müller

An dem Linksverteidiger zeigt sich, wie der VfB Stuttgart mit dem Heimsieg gegen den 1. FC Köln an Selbstvertrauen gewinnt. Doch ist das schon die Wende zum Guten?

Sport: Carlos Ubina (cu)

Borna Sosa umweht ja gerne ein Hauch von Leichtigkeit. Außerhalb des Fußballplatzes präsentiert sich der Kroate als Sonnyboy. Gut gelaunt und plaudernd. Auch sein Spiel ist von einer gewissen Lässigkeit geprägt. Mit präzisen Linksflanken, die er aus dem Fußgelenk zu schütteln scheint; mit spielerischen Lösungen in engsten Situationen; mit Sprints, die aussehen, als müsse er sich nicht besonders anstrengen. Aber es gibt ja auch noch diesen anderen Sosa, der im Trikot des VfB Stuttgart auf dem Feld verzagt wirkt. Genervt und gestresst vom jahrelangen Abstiegskampf in der Bundesliga.

 

Doch mit dem 3:0-Erfolg gegen den 1. FC Köln kehrte das Lächeln in Sosas Gesicht zurück. „Der Sieg war sehr wichtig für uns, weil er zeigt, dass wir unser Ziel erreichen können“, sagt der 25-Jährige. Mit jedem Tor ist die Überzeugung wieder gewachsen, den Klassenverbleib zu schaffen. „In diesem Stadion, vor dieser Kulisse können wir mit jedem Gegner mithalten“, sagt Sosa.

Der Dreh mit links

Nun erwischten die Gäste aus dem Rheinland nicht ihren besten Nachmittag, und Spötter meinen, die Kölner seien nach einer Reihe von närrischen Veranstaltungen gar karnevalsgeschädigt nach Stuttgart gekommen. Für den FC-Trainer Steffen Baumgart steht jedenfalls fest: „Der erste Schuss des VfB war drin, der zweite ging knapp vorbei, der dritte war wieder drin. Nach dem 0:2 war das Spiel gegessen.“

Die Gastgeber hatten dreimal den Dreh mit links raus. Erst schlenzte der Flügelstürmer Gil Dias nach Doppelpass mit Genki Haraguchi den Ball früh ins Eck (9.), danach beruhigte Sosa per direktem Freistoß Nerven und Spiel (59.), ehe der eingewechselte Tanguy Coulibaly erhöhte (74.). Zwei exzellente Linkschüsse waren das zunächst – und eine Frage von Zentimetern, wie Sosa befindet.

Eine Woche zuvor hatte der WM-Teilnehmer in Freiburg noch die Latte getroffen, jetzt saß der Ball im Winkel. Nuancen, die den Ausschlag geben und beim VfB über Sieg und Niederlage entscheiden. „Das 2:0 hätten wir schon früher nachlegen können“, sagt der Trainer Bruno Labbadia. Die Chancen waren vorhanden, jedoch nicht das Selbstvertrauen und schon gar nicht die Selbstverständlichkeit, diese zu nutzen.

Da musste erst Sosa aus 18 Metern Maß nehmen. Womit sich der Linksverteidiger vom Flankengott (mit vier wieder die meisten beim VfB) zusätzlich zum Freistoßspezialisten entwickelt. „In den vergangenen drei Jahren habe ich vielleicht zwei direkte Freistöße geschossen. Jetzt bin ich öfter dran“, sagt der VfB-Profi, der sich in Labbadias Viererkette wohlfühlt: „Das passt besser für mich als eine Fünferkette, weil sich der defensive und offensive Anteil meines Spiels 50 zu 50 Prozent verteilen.“

Vorbild David Beckham

Sosa vertraut Labbadia und schätzt dessen hohen Anforderungen an die Spieler. Speziell trainiert hat er die neu demonstrierte Fähigkeit jedoch nicht. „Ich schieße im Training Freistöße eigentlich nur zum Spaß“, sagt Sosa. Improvisationskunst ist das für ihn. Doch nun wird in den Pflichtpartien immer mehr Ernst daraus, und für den Linksfuß dürfte das Motto in den kommenden Wochen lauten: Kick it like Beckham! „Er hatte den besten Fuß der Geschichte“, sagt Sosa über den einstigen Weltstar David Beckham. Mit rechts zauberte der Engländer Freistöße und Flanken auf den Punkt.

Sosa will es seinem Vorbild weiter gleichtun. „Wir wollen am nächsten Spieltag nachlegen“, sagt der Nationalspieler. Auf Schalke, beim Tabellenschlusslicht. Eine Begegnung, die der VfB mit gefestigtem Glauben an sich selbst angeht. „Die drei Punkte waren genau das, was die Mannschaft gebraucht hat“, sagt Labbadia. Aber war die Partie bereits die Wende zum Guten nach langem Anlauf?

Zu früh ist es, um diese Frage zu beantworten, nachdem der VfB in Labbadias zweiter Amtszeit zuvor in fünf Ligaspielen sieglos blieb. Zu unbeständig zeigen sich die Stuttgarter im bisherigen Saisonverlauf. Zu eng geht es rund um die Abstiegszone zu. Drei Niederlagen hatte es vor dem Heimspiel gegen die Kölner zuletzt für den VfB gesetzt, und der Sportdirektor Fabian Wohlgemuth sah nach dem Abpfiff „die Anspannung herunterfallen“.

Die Erleichterung in Reihen der Weiß-Roten ist spürbar, nachdem sich die VfB-Elf vom vorletzten Rang etwas nach oben geschoben hat. Gemeinsam feierten Spieler und Fans mit Freudensprüngen und Jubelschreien in der Cannstatter Kurve des Stadions den ersehnten Sieg. Ein Moment „zum Genießen“, wie Wohlgemuth befindet – jedoch nicht mehr. Der Fokus richtet sich nach Gelsenkirchen. „Wir haben nur einen Schritt gemacht“, sagt Labbadia, der sich in seiner Arbeit mit dem Team bestätigt sieht. Viel Aufwand – und nun endlich der Lohn mit drei Punkten auf einen Schlag. Auch dank Sosas wiederentdeckter Leichtigkeit.

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