Schiedlich-friedlich teilten sich der VfB Stuttgart und der 1. FC Köln beim 1:1 (0:0) die Punkte. Doch in der Bewertung der Punkteteilung gingen die Meinungen auseinander – zumindest auf Stuttgarter Seite. „Ich kann mit dem Punkt gut leben“, bekannte VfB-Sportdirektor Fabian Wohlgemuth und ergänzte um folgende Rechnung: „Sieben Punkte aus den letzten drei Spielen sind ein gutes Ergebnis.“ Mittelfeldspieler Angelo Stiller sah es genau anders. „Wir haben heute zwei Punkte verloren“, fand Stiller nach dem Remis gegen die Rheinländer. „Wir wussten, dass Köln was kann. Aber wir haben es ihnen zu einfach gemacht. Wir haben heute zu langsam und nicht zwingend genug gespielt. So macht man den Gegner stark.“
Das war zutreffend. Tatsächlich hatte der Tabellen-Dritte während der 90 Minuten mehrfach die Chance, einen am Boden liegenden Gegner den finalen Schubser zu verpassen. Einmal in der Anfangsphase der Partie, als die Gastgeber den FC mit ihrem gefürchteten Kurzpassspiel teilweise schwindelig spielten. Dabei aber das Tor nicht trafen. Der starke Wooyeong Jeong bei seinem ersten Startelfeinsatz seit November und Serhou Guirassy ließen die Chance auf die frühe Führung mehrfach liegen.
Jeong legt einen starken Auftritt hin
Nach einer längeren Leerlauf-Phase bot sich dem VfB dann zu Beginn der zweiten Hälfte die nächste Chance, das Spiel auf seine Seite zu ziehen. Nach dem schön herausgespielten Führungstreffer durch Enzo Millot (53.) nach Vorarbeit von Chris Führich rechnete niemand unter den 54 500 Fans in der ausverkauften Arena ernsthaft damit, dass der FC noch einmal auf die Beine kommen würde. Zu beherrschend agierte der VfB, zu überlegen in der Spielanlage erschien der Dritte der Tabelle dem Drittletzten. Doch dann: Aus dem Nichts der Ausgleich (62.). Eine eigentlich harmlose Halbfeldflanke von Linton Maina landete bei Eric Martel. Der von Josha Vagnomann sträflich vernachlässigte Mittelfeldspieler hatte keine Schwierigkeiten, Ersatztorhüter Fabian Bredlow aus kurzer Distanz zu überwinden. „Schon im Leverkusen im Pokal haben wir so ein Tor kassiert und nichts daraus gelernt“, schimpfte Stiller. Trainer Sebastian Hoeneß sah es ähnlich: „Das Gegentor ist sehr ärgerlich. Wieder einmal ein Eckball.“
Nach dem Ausgleich drückte der VfB das Gaspedal voll durch. Es entwickelte sich eine wilde Partie, in der Millot die größte Chance zur erneuten Führung liegen ließ. Frei vor Marvin Schwäbe fand er in dem Kölner Keeper seinen Meister (68.). Mit Silas, Jamie Leweling und Mo Dahoud brachte Hoeneß frische Kräfte. Allein, so richtig wollte die Stuttgarter Angriffsmaschinerie an diesem Nachmittag nicht mehr funktionieren. „Im Offensivspiel hat uns etwas die Konzentration gefehlt, es gab immer wieder Abspielfehler“, monierte Wohlgemuth. Da der VfB aufs Ganze ging und seine Restverteidigung entweder ganz vernachlässigte oder unkonzentriert zu Werke ging, kamen auch die Rheinländer immer wieder zu Chancen. „Am Ende war es ein offenes Spiel“, sagte Kapitän Waldemar Anton. „Das wollten wir eigentlich unbedingt verhindern.“ Der VfB hätte das Spiel bei 13 zu zwölf Torschüssen auch verlieren können.
Der VfB hätte das Spiel am Ende auch verlieren können
Der 1. FC Köln war der dritte Abstiegskandidat in Folge, auf den das Überraschungsteam der Liga traf. Nach dem wenig überzeugenden, aber letztlich ungefährdeten 3:1 gegen Mainz und dem glücklichen 2:1 in Darmstadt erwies sich der Effzeh nun als Stolperstein. „Mit guter Abwehrarbeit“, wie Kölns Trainer Timo Schulz herausstrich, „haben wir uns einen Punkt verdient. Den nehmen wir gerne nach Köln mit.“
Für den VfB riss hingegen nach vier Siegen in Folgen die Erfolgsserie. Lange enttäuscht dürfte darüber aber niemand sein, solche Spiele gilt es zu akzeptieren. Zumal die Hoeneß-Elf in der Tabelle weiter hervorragend dasteht, mit einem weiter großen Polster auf die nicht-europäischen Plätze.
Am Samstag (18.30 Uhr) geht es beim VfL Wolfsburg weiter. Dann womöglich auch wieder mit Deniz Undav, der bis dahin seinen Muskelfaserriss ausgeheilt haben dürfte. Ohne seinen kongenialen Sturmpartner, auch das eine Erkenntnis aus dem Köln-Spiel, fehlt Top-Torjäger Serhou Guirassy die Ergänzung im Sturmzentrum. Mit doppelter Manndeckung nahm Köln den Angreifer aus dem Spiel – und damit die gefährlichste Stuttgarter Waffe.