VfB Stuttgart gegen Bayer Leverkusen Was Pellegrino Matarazzo an der VfB-Niederlage ärgert
Vor allem zwei Versäumnisse haben zum 1:3 des VfB Stuttgart gegen Bayer Leverkusen geführt. Wir analysieren, welche das sind.
Vor allem zwei Versäumnisse haben zum 1:3 des VfB Stuttgart gegen Bayer Leverkusen geführt. Wir analysieren, welche das sind.
Stuttgart - Es war die Zeit in diesem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen (Liveticker zum Nachlesen und alle Daten zum Spiel), in der das Team des VfB Stuttgart die Wende schaffen, wenigstens aber einen Punkt ergattern und die Überzahl mit schnellem Passspiel und vielen Emotionen nutzen wollte. Es lief die 70. Minute, die Stuttgarter lagen mit 1:2 zurück – doch der Plan für diese Phase des Spiels wollte einfach nicht aufgehen. Stattdessen entschied ein 18-Jähriger die Partie.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Unsere Einzelkritik zum VfB-Spiel gegen Bayer Leverkusen
Moussa Diaby hatten schon zweimal gewarnt mit seinen Kontern. Der VfB spielte an der Mittellinie dennoch weiter Harakiri – mit Folgen. Pascal Stenzel und Konstantinos Mavropanos leisteten sich einen gemeinsamen Ballverlust, Florian Wirtz nahm die Kugel auf, sprintete los und präsentierte sich ein paar Sekunden später als eiskalter Knipser. Linker Fuß, langes Eck, 1:3 aus Sicht des VfB – und die Quittung für zweierlei.
Zum einen war das Team von Trainer Pellegrino Matarazzo, der Hiroki Ito anstelle des gesperrten Waldemar Anton ins Abwehrzentrum beordert hatte, in der ersten halben Stunde dieser Partie überhaupt nicht klargekommen mit dem gnadenlosen Leverkusener Pressing. „Wir waren deutlich unterlegen“, analysierte der Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger schon zur Pause. Diese Unterlegenheit, manch Beobachter sprach gar vom Klassenunterschied zu diesem Zeitpunkt, sie spiegelte sich auch auf der Anzeigetafel wider.
Schon in der zweiten Minute führte ein Ballverlust von Wataru Endo dazu, dass Bayer-Stürmer Patrick Schick im Strafraum an den Ball kam. Der Tscheche legte ab auf Mitchel Bakker, der flankte, und Robert Andrich traf per Kopf zum 1:0 für die Gäste. Der VfB war kalt erwischt worden – und es kam noch schlimmer. In der 19. Minute ließ Wirtz den VfB-Abwehrspieler Marc Kempf schlecht aussehen, passte nach innen, und Schick brauchte nur noch den Fuß hinzuhalten zum 2:0. Der zweite Heimsieg des VfB schien meilenweit weg – doch dann veränderte sich das Spiel.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Was Sven Mislintat zum angekündigten Hitzlsperger-Abgang sagt
Schuld daran trug Torschütze Andrich. Der Bayer-Neuzugang von Union Berlin traf bei einem Tackling den VfB-Angreifer Tanguy Coulibaly mit offener Sohle am Knie. Schiedsrichter Benjamin Cortus zückte erst Gelb, sah sich die Szene dann aber noch einmal auf dem Bildschirm an – und entschied sich um: grobes Foulspiel, Rote Karte. Und eine Initialzündung für den VfB.
Der gewann plötzlich Zweikämpfe, spielte viel leidenschaftlicher als zuvor und zeigte den vom Trainer geforderten Mut. All das wurde belohnt: Einen Freistoß vom Omar Marmoush köpfte Mavropanos aufs Bayer-Tor, Orel Mangala staubte ab – und in der nun aufgeheizten Atmosphäre vor 23 500 Zuschauern schien plötzlich alles möglich. Doch dann kam das zweite Stuttgarter Versäumnis dieses Tages.
Nach der Pause nämlich zündete der VfB nicht die nächste Stufe des Feuerwerks, sondern tat sich gegen gut stehende Leverkusener extrem schwer, klare Chancen herauszuspielen. Anstelle eines Sturmlauf präsentierten die Stuttgarter Unsicherheiten bei eigenem Ballbesitz – die dann wiederum den Gästen Konterchancen zur Entscheidung eröffneten. Wie eben in der 70. Minute. Da traf das Toptalent aus Leverkusen, und trotz der weiteren 20 Minuten Spielzeit in Überzahl und einigen offensiven Einwechslungen konnte der VfB die Bayer-Elf kaum mehr wirklich in Bedrängnis bringen. „In der zweiten Hälfte haben wir nicht genug Druck entfachen können“, sagte Matarazzo, der alles andere als froh war über das, was er da gesehen hatte.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Die Stimmen zum Spiel des VfB gegen Bayer Leverkusen
„Ich bin nicht ganz zufrieden mit unserer Leistung“, grantelte der Coach des VfB, „nicht mit der Konterabsicherung, nicht mit dem eigenen Ballbesitz. Es gibt viele Sachen, die wir besser machen können.“ Durch die dritte Niederlage der Saison ist der VfB mit seinen vier Punkten nach fünf Spielen erst einmal abgerutscht in der Bundesligatabelle – und eine weitere Pleite am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) in Bochum täte besonders weh. Andererseits bietet gerade dieses Auswärtsspiel beim angeschlagenen Aufsteiger (0:7 beim FC Bayern) auch alle Möglichkeiten, neuen Schwung aufzunehmen.
Als „sehr, sehr wichtiges Spiel“ bezeichnete Matarazzo diese Partie, gar als „Schlüsselspiel“. In dem Waldemar Anton wieder spielberechtigt sein wird. „Wir haben nun in Bochum ein wichtiges Spiel“, sagte der VfB-Innenverteidiger Marc Kempf, „da haben wir die Chance, das Ganze wieder in eine andere Richtung zu lenken.“ Pascal Stenzel empfahl seinem Team, nun „nicht nervös“ zu werden: „Es ist ein Prozess.“ Der leichter fällt, wenn es regelmäßig Erfolgserlebnisse gibt.