VfB Stuttgart gegen Eintracht Frankfurt Der Meistertrainer glaubt noch an den VfB

Armin Veh blickt mit innerer Distanz auf den VfB Stuttgart. Foto: dpa
Armin Veh blickt mit innerer Distanz auf den VfB Stuttgart. Foto: dpa

Armin Veh hat mit dem VfB Stuttgart, seiner alten Liebe, abgeschlossen. Dennoch traut der Ex-Trainer dem Fußball-Bundesligisten noch den Klassenverbleib zu.

Sport: Carlos Ubina (cu)
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Stuttgart - Armin Veh übernimmt wieder eine Traineraufgabe. Das ist sicher. Eine einmalige Geschichte wird das. Auch das ist sicher. Und Veh macht das aus Verbundenheit. Wie er in seiner Berufslaufbahn als Fußballlehrer immer mal wieder seinen Bauch hat entscheiden lassen. Beispielsweise zuletzt beim VfB Stuttgart oder auch schon vor Längerem beim FC Augsburg. Einfach, um einer alten Liebe mit neuer Leidenschaft zu begegnen.

Seit Jahren schwärmt Veh von seiner Zeit beim SSV Reutlingen. Weshalb er sich noch einmal auf dessen Trainerbank setzen wird, um die Aufstiegsmannschaft von 2000 (zweite Liga) in einem Benefizspiel gegen eine Prominentenauswahl zu betreuen. Dabei sieht der Meistermacher von einst am 24. Mai eine Herausforderung auf sich zukommen: 20 Männer um die 40, „die alle spielen wollen und beleidigt sein werden, wenn ich sie nicht gleich aufstelle“.

Natürlich grinst Veh, als er das erzählt, und der Trainercharmeur weiß nur zu gut, dass er die Leute im Saal eines Reutlinger Hotels damit für sich einnimmt. Das ist eine seiner Stärken. Auch deshalb hatte ihn der VfB im vergangenen Sommer ein zweites Mal verpflichtet. Doch mit der Laune hob sich beim Bundesligisten nicht dauerhaft das fußballerische Niveau. Weshalb Vehs Begeisterung rasch nachließ und er seiner alten Liebe den Rücken kehrte.

Ein wunderbares Leben

Vier Monate ist das her – und das Leben abseits des Abstiegskampfes muss wunderbar sein. Entspannt sieht Veh aus, braun gebrannt, weil er viel gereist ist, um Abstand zur Fußballbranche zu gewinnen und auch Freunde zu besuchen. All das hat er umgesetzt, was er eigentlich nach seinem Abschied aus Frankfurt und vor seinem Engagement in Stuttgart machen wollte.

Nun treffen seine beiden Ex-Vereine am Samstag in der Mercedes-Benz-Arena aufeinander, und die Vergangenheit holt den 54-Jährigen ein. Viele Interviewanfragen hat er bekommen – und alle abgelehnt. Trotzdem denkt auch Veh noch einmal an den vergangenen Sommer zurück: „Ich kann nicht sagen, dass es ein Fehler war, zum VfB zurückzukehren“, sagt Veh, „aber vielleicht hätte ich doch die Pause einlegen sollen, die ich mir vorgenommen hatte.“ Nach drei intensiven Jahren bei der Eintracht wollte er sich ursprünglich nicht gleich wieder in das nächste Abenteuer stürzen – bis der VfB die Lust auf ein neues Projekt an alter Wirkungsstätte weckte.

Doch schnell musste Veh feststellen, dass der VfB 2014 nicht mehr der Verein war, den er 2007 zur Meisterschaft geführt hatte. Dass es der aktuellen Mannschaft zwar nicht an Fleiß mangelte, aber an Qualität und in gewisser Weise auch an Mentalität, verkörpert durch starke Typen.

Stevens forderte Verstärkungen für die gleichen Positionen

Verstärkungen forderte Veh im internen Kreis, um eine andere Elf zu formen. Ein Innenverteidiger sollte her, ebenso ein zentraler Mittelfeldspieler, auch ein Stürmer – plus ein Linksverteidiger. Positionen, die auch sein Nachfolger Huub Stevens in der Winterpause frisch besetzt haben wollte. Doch es kam nur Serey Dié für 500 000 Euro vom FC Basel, weil der Club kein finanzielles Risiko eingehen wollte.

Jetzt läuft der VfB mit dem drohenden Abstieg Gefahr, einen hohen Preis für seine Sparsamkeit zu bezahlen. „Ich bin aber nach wie vor davon überzeugt, dass es der VfB schafft“, sagt Veh. Man muss es ihm glauben, weil der Augsburger lieber schweigen würde, als die Unwahrheit zu sagen. Zudem hat er mit dem Stuttgarter Kapitel abgeschlossen und blickt ohne Emotionen auf die Tabelle. Drei Punkte seien es nur auf den Relegationsplatz, fünf auf den rettenden 15. Rang. „Ich sehe den VfB am Ende vor Paderborn und – so sehr ich sie auch mag – vor den Freiburgern“, sagt Veh. Vielleicht sogar noch vor der Hertha.

Doch auch dafür brauchen die Stuttgarter Siege – und die sind selten in dieser Saison. Erst fünfmal hat der VfB gewonnen, einmal davon in einer spektakulären Partie mit 5:4 in Frankfurt. „Wahnsinn war das“, sagt Veh, der die Begegnung in der Vorrunde noch als ein Spiel der großen Gefühle erlebte. Diesmal wird er jedoch nicht im Stadion sein. Veh weilt bei der Geburtstagsfeier eines alten Freundes – Lothar Matthäus.




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