Die Situation im Tabellenkeller der Fußball-Bundesliga wird für den VfB Stuttgart nach dem 2:3 gegen Eintracht Frankfurt immer brenzliger. Das erkennen auch die Verantwortlichen.

Stuttgart - „Schwierig“. Die Antwort von Sportdirektor Sven Mislintat auf die Frage zur sportlichen Situation fiel so knapp wie eindeutig aus. Durch die 2:3-Heimniederlage des VfB Stuttgart gegen Eintracht Frankfurt hat sich die Lage im Tabellenkeller der Fußball-Bundesliga weiter verschärft. Um nicht zu sagen: Langsam wird es ernst. Sehr ernst.

 

Durch den gleichzeitigen Erfolg des FC Augsburg (2:0 gegen Union Berlin) und den Punktgewinn von Arminia Bielefeld gegen Borussia Mönchengladbach (1:1) beträgt der Rückstand auf Platz 15 bereits vier Punkte.

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Fünf Siege werden aus den verbleibenden 13 Partien noch mindestens nötig sein. Nach dem 2:3 gegen Frankfurt fragten sich die 10 000 besorgten Fans in der Arena: Wie und gegen wen soll das gelingen?

Gegen die Eintracht war nicht die Offensivschwäche der vergangenen Wochen ursächlich für die Niederlage. Vielmehr waren es Fehler und Unkonzentriertheiten in der Defensive, die den VfB um wenigstens einen Punkt brachten. „Wir haben zu viele Bälle dort verloren, wo man sie nicht verlieren darf“, kritisierte Trainer Pellegrino Matarazzo. Problematisch waren vor allem die Standards. 14 Eckbälle ließen die Gastgeber in den 90 Minuten zu – so viele wie noch nie in dieser Saison. Zwei davon führten zu Toren. 7. Minute: Nachdem der VfB zuvor im Strafraum nicht konsequent klären konnte, verlängerte Evan Ndicka den Ball ins lange Eck. Nervös und unsicher präsentierten sich Matarazzos Mannschaft anschließend, fand aber wenigstens nach vorne ins Spiel und verdiente sich zur Pause den Ausgleich durch Waldemar Anton (42.). Der Abwehrspieler beendete die Serie von fünf Spielen und 518 Minuten ohne eigenen Treffer, als er den Ball nach einer Freistoßflanke von Chris Führich über die Linie bugsierte.

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Es folgte die Halbzeit, die für den weiteren Spielverlauf entscheidende Wirkung haben sollte. Matarazzo beschrieb die 15 Minuten in der VfB-Kabine wie folgt: „Es war Feuer drin. Die Jungs haben sich gegenseitig gepusht.“ Um hernach „leider viel zu passiv“ aufs Feld zurückzukehren, wie der niedergeschlagen wirkende Coach hinterher schob. Die unmittelbare Folge: Der erneute Rückstand durch den eingewechselten Ajdin Hrustic (47.).

Eintracht-Coach Oliver Glasner verortete den Treffer ebenfalls unmittelbar in der Halbzeit. Und zwar taktisch. Sein Co-Trainer Michael Angerschmid habe in der Pause die fehlende Rückraumverteidigung des VfB bei Eckbällen als Schwäche ausgemacht. Prompt postierte sich Hrustic frei am Strafraumeck – und traf per Direktabnahme. Auf die Frage, wer den Torschützen in Beschlag hätte nehmen sollen, antworte Matarazzo verschnupft: „Spieler X.“ Was gefehlt habe, war eine „andere Haltung beim Verteidigen von Standards. Im Sechzehner waren wir einfach nicht gut genug.“

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Einmal gelang es dem Tabellen-Vorletzten noch, zurückzukommen. Nach einer Maßflanke von Borna Sosa traf Sasa Kalajdzic per Kopf zum 2:2-Ausgleich (70.). Für einen kurzen Moment war es wie früher. Wie in der Vorsaison, als das Muster Flanke Sosa – Kopfball Kalajdzic dem VfB viele Punkte bescherte. Am Samstag durften sich die Weiß-Roten ganze sieben Minuten über den erneuten Ausgleich freuen. Die Eintracht zog das Tempo sofort wieder an, setzte den VfB früh unter Druck und zwang ihn zu Fehlern. „Wir bekommen es nach dem 2:2 wieder nicht ordentlich verteidigt“, kritisierte Mislintat.

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Gegen Hrustics abgefälschten Distanzschuss war Torwart Florian Müller machtlos (77.). Es war der Schlusspunkt eines wilden Spiels, das der VfB zwar unglücklich, aber verdient verlor. Und nun? Das kommende Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen am Samstag (18.30 Uhr) verspricht auch nicht viele Punkte. Danach kommt der VfL Bochum nach Stuttgart. Die Frage, ob er den eingeschlagenen Weg mit Trainer Matarazzo weitergehen wolle, beantwortete Mislintat ebenso knapp: Mit ja.