VfB Stuttgart gegen Eintracht Frankfurt Gibt es wieder einen Hoeneß-Effekt?

Lässig bei der Arbeit: Für Trainer Sebastian Hoeneß ist immer klar gewesen, dass er beim VfB Stuttgart bleibt. Foto: Baumann/Julia Rahn

Der Bundesligist erhofft sich im Liga-Endspurt neuen Schwung durch die Vertragsverlängerung des Trainers – doch es braucht noch mehr für ein Erfolgserlebnis.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Knapp zwei Jahre ist es her, da setzte der VfB Stuttgart auf einen Trainereffekt. In höchster Not. Bruno Labbadia musste nach einer gescheiterten Rettungsmission gehen, und es kam Sebastian Hoeneß. Mit ihm und den ersten Siegen veränderte sich einiges beim Fußball-Bundesligisten. Zunächst stieg die Stimmung beim damaligen Tabellenletzten – und mit der Laune schien sich das spielerische Niveau zu heben. Der Rest ist VfB-Geschichte: Aus dem Zwischenhoch (nennen wir es ruhig „Basti“) mit Klassenverbleib wurde ein Dauerhoch (nennen wir es ruhig immer noch „Basti“) mit Champions-League-Teilnahme.

 

Im Frühjahr 2025 hoffen die Stuttgarter wieder auf einen Hoeneß-Effekt. Die Mannschaft ist nach schwankenden Leistungen bis auf den zehnten Tabellenplatz abgerutscht und kämpft im Liga-Endspurt darum, ihr Saisonziel zu erreichen. Noch acht Partien stehen nach der Länderspielpause an. Mit der Unterschrift des Trainers unter ein neues Arbeitspapier bis 2028 (ohne Ausstiegsklausel) soll es wieder aufwärts gehen. Für Hoeneß selbst ist sein Bekenntnis zum VfB jedoch nur bedingt ein Auslöser für frischen Schwung: „Das war jedenfalls nicht der Grund für meine Entscheidung. Ich hatte nicht den Eindruck, dass das nötig ist. Wenn sie aber dazu beiträgt, dass wir durch mehr Klarheit den richtigen Fokus auf das Wesentliche finden, dann ist es schön.“

Das Zeichen an die Spieler

Bundesweit wurde Hoeneß’ Entscheidung dennoch als doppeltes Signal gewertet. Nach außen, weil der 42-Jährige dokumentiert hat, dass er über die laufende Saison hinaus seine Zukunft in Stuttgart sieht. Nach innen, weil Planungssicherheit herrscht. Für den Club im Allgemeinen und für die Spieler im Speziellen. Denn zum einen ist die Vertragsverlängerung für diejenigen Profis, die Hoeneß gut finden und mit ihm den Weg weitergehen wollen, ein Zeichen. Zum anderen ebenso für diejenigen, die unter Hoeneß bislang zu kurz kommen und sich nun darauf einstellen können, dass er auch in der nächsten Spielzeit das Sagen hat.

„Mannschaft und Trainer wissen, woran sie miteinander sind. Da stellt das Bekanntwerden der Vertragsverlängerung mit Sebastian Hoeneß intern keine Sensation dar. Insofern ändert sich in unserer Herangehensweise auch aktuell bei uns nichts“, sagt der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth. Im Hier und Jetzt geht es darum, die Defensive zu stabilisieren und in der Offensive die wieder verbesserten spielerischen Phasen zu verlängern.

Nur so lässt sich die Aufholjagd erfolgreich gestalten, die mit dem Auswärtsspiel am Samstag (18.30 Uhr) bei Eintracht Frankfurt beginnen soll. Einem Topteam. Acht Punkte liegt der VfB hinter den Hessen auf Rang vier, einem begehrten Königsklassen-Platz. Fünf Zähler beträgt der Rückstand auf einen Europa- oder Conference-League-Rang. „Wir waren zuletzt nicht im Soll, haben in den vergangenen Spielen zu viel liegen lassen. Das ist nicht nur unsere Sichtweise, sondern auch komplett die unserer Spieler. Wir wollen an unserer Effizienz arbeiten und schnellstmöglich wieder unmittelbaren Anschluss an das erste Tabellendrittel herstellen“, sagt Wohlgemuth.

Der VfB will also wieder in den VfB-Modus finden. Mit viel Spielkontrolle, aber auch mit jener Haltung, die das Team ein Jahr lang ausgezeichnet hat. Der Ligamarathon wurde während der Vorsaison in 34 Einzelstrecken aufgeteilt, in der nahezu jede Begegnung wie ein Finale angegangen wurde – mit allem, was man hatte. Herausgekommen ist eine Sensationssaison, an der die Stuttgarter immer wieder innerlich gemessen werden.

„Den Bock endlich umstoßen“

Hinweise auf die Schwierigkeit, Form und Erfolg zu konservieren, halfen danach über viele Monate, da die Runde mit der Zusatzbelastung Europapokal neue Herausforderungen stellte. Sie wurden bewältigt. Doch jetzt sind die englischen Wochen – mit Ausnahme des DFB-Pokal-Halbfinales nächsten Mittwoch gegen RB Leipzig – passé. Und dennoch sucht die Mannschaft nach fünf sieglosen Spielen das Selbstverständnis und die Sicherheit vergangener Tage. „Für uns geht es darum, den Bock in Frankfurt endlich umzustoßen“, sagt Hoeneß.

Seit dem Spiel bei der TSG Hoffenheim (1:1) vor fünf Wochen sieht der Chefcoach die Mannschaft mit Ausnahme der ersten Hälfte in Kiel (2:2) auf dem richtigen Weg. Allerdings fehlt nach den Begegnungen mit dem Rekordmeister FC Bayern (1:3) und dem Doublegewinner Bayer Leverkusen (3:4) das Erfolgserlebnis, welches die Situation und das Spiel wieder leichter erscheinen lässt. „Wir müssen jetzt mit der Überzeugung auftreten, dass wir zuletzt gute Leistungen gezeigt haben – und mit der Wut, dass wir die Dinge nicht zu Ende gebracht haben“, sagt Hoeneß, der sicher nichts dagegen hat, wenn der VfB in Frankfurt Aufwind erhält und sich in Stuttgart wieder ein Hoch einstellt.

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