VfB Stuttgart gegen FC Augsburg Wie der VfB wieder torgefährlicher werden will

Ermedin Demirovic und Deniz Undav warten seit einigen Pflichtspielen auf einen Torerfolg. Es gibt aber noch andere Ursachen für die derzeitige Stuttgarter Torarmut. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Der Offensivmotor der Stuttgarter ist zuletzt ins Stottern geraten – was an der Form einzelner Profis liegt, aber auch an Spielverläufen. Was der Blick auf die Expected Goals sagt und wo Trainer Sebastian Hoeneß ansetzen will.

Sport: David Scheu (dsc)

Eigentlich bestand beim VfB Stuttgart ja lange Zeit kein Defizit, was das Erzeugen von Torgefahr angeht. Mit 37 Treffern stellt das Team von Sebastian Hoeneß in dieser Saison die fünftbeste Offensive der Bundesliga, das eigene Spiel ist auf das Angreifen ausgerichtet, Torraumszenen gibt es eigentlich immer. Zuletzt aber war merklich Sand ins Sturm-Getriebe geraten: Nur zwei Treffer gelangen in den vergangenen drei Pflichtspielen beim FSV Mainz 05 (0:2), gegen Paris Saint-Germain (1:4) und Borussia Mönchengladbach (1:2) – und die waren auch noch Eigentore.

 

Auch beim Trainer ist das Thema auf der Agenda. „Wir wollen wieder für mehr Torgefahr sorgen“, sagt Sebastian Hoeneß vor dem Viertelfinale im DFB-Pokal gegen den FC Augsburg an diesem Dienstag (20.45 Uhr). Bei der Ursachensuche geraten zum einen natürlich die Stürmer in den Blick: Weder Deniz Undav noch Ermedin Demirovic befinden sich im Formhoch, beide haben momentan wenige Torabschlüsse und auch sonst nicht reihenweise Ballaktionen.

Expected Goals unter dem Durchschnittswert dieser VfB-Saison

Zugleich ist das Thema aber auch ein breiteres: Denn im Herausspielen der Torchancen – ohne Frage eine Aufgabe des Kollektivs – war zuletzt viel Luft nach oben. Die „Expected Goals“, die Anzahl der zu erwartenden Tore aufgrund der Chancenqualität, lagen aufseiten des VfB sowohl gegen die Mainzer wie auch die Gladbacher bei jeweils 1,1 – und damit deutlich unter dem Stuttgarter Durchschnittswert dieser Saison von 2,0.

Durchläuft eine schwierige Phase: Enzo Millot Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Ein Grund: Wichtige Kreativspieler im Mittelfeld durchlaufen gerade eine schwierige Phase. Allen voran Enzo Millot, der an seinen besten Tagen aus dem Nichts mit überraschenden Aktionen auf engem Raum Gefahr erzeugen kann – genau das aber momentan kaum tut. „Die Leichtigkeit in Richtung Tor, wie sie in den ersten Monaten der Saison da war, ist ihm ein bisschen abhanden gekommen“, sagt Hoeneß. Zugleich seien das übliche Wellen einer Leistungskurve. Und Millot befinde sich auf einem guten Weg, zu alter Form zu kommen. „Es mangelt nicht an Einstellung oder Bereitschaft. Und das ist genau der Weg, sich über Basics zurückzuarbeiten.“

Neben individuellen Formkurven sieht der Trainer auch in Spielverläufen einen Schlüssel – in Führung ging seine Mannschaft zuletzt nämlich nie. „Wenn du in den richtigen Momenten die Tore machst“, sagt Hoeneß, „kannst du auch gewisse Spielverläufe kreieren.“ Sprich: Nach einer Stuttgarter Führung würde sich ein Spiel öffnen, wäre der Gegner gefordert, böten sich Räume. „Es geht darum, frühzeitig eine gewisse Effizienz an den Tag zu legen“, sagt der Stuttgarter Trainer. „Das würde uns helfen, um gewisse Dinge freizusetzen. Und darauf arbeiten wir hin.“

Die nächste Chance kommt schon an diesem Dienstag gegen die Augsburger – in einem immens bedeutenden Spiel. Die Chance auf den Finaleinzug ist in dieser Saison groß wie lange nicht, da namhafte Teams wie der FC Bayern und Borussia Dortmund bereits ausgeschieden sind und der VfB das Losglück eines Heimspiels im Viertelfinale hat. Neben einem Titel winkt zudem die Qualifikation für die Europa League, die dem Pokalsieger sicher ist. Und um viel Geld geht es obendrein: Allein ein Sieg gegen den FCA würde dem VfB 3,35 Millionen Euro Prämie vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) bringen. Viele Faktoren also, die dem Spiel eine besondere Bedeutung verleihen. Und der Beendigung der Torflaute eine hohe Dringlichkeit.

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