VfB Stuttgart gegen FC Barcelona Warum der Barça-Kracher auch seine Tücken hat

4:2 fegten Filip Kostic und Co. 2015 das Starensemble von Manchester City vom Platz. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Der VfB und seine Fans freuen sich auf das Highlight gegen den FC Barcelona. Doch der Blick zurück lehrt: Testspiele gegen Großkaliber verleiten leicht zu Überschwang.

Stuttgart - Die Vorfreude ist groß. Spieler und Fans des VfB Stuttgart fiebern dem Samstag entgegen, wenn sich der große FC Barcelona in der Mercedes-Benz-Arena die Ehre gibt (18 Uhr). Die 25 000 zur Verfügung stehenden Karten sind komplett vergriffen. Das Testspiel bildet für die Katalanen den Abschluss ihres Trainingslagers in Donaueschingen. Für den VfB markiert es die Generalprobe vor dem Pflichtspielauftakt im DFB-Pokal beim Regionalligisten Dynamo Berlin am 7. August.

 

Nun ist das mit Generalproben so eine Sache. Ein missglückter letzter Test, so heißt es, lasse die Premiere umso erfolgreicher werden. Für den VfB galt in der Vergangenheit genau Gegenteiliges.

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Rückblick: Am 1. August 2015 ist kurz vor Saisonstart Manchester City zu Gast. Über 40 000 Fans wollen sich ein Bild vom vielversprechenden Offensivfußball des neuen Trainers Alexander Zorniger machen. Nach bleiernen Jahren lechzen sie nach Spektakel. Das sollten sie bekommen – und was für eines! Zur Halbzeit schießt ein fulminanter VfB nach Toren von Filip Kostic, Daniel Didavi und zweimal Daniel Ginczek einen 4:0-Vorsprung heraus. Die Fans singen „Oh, wie ist das schön!“ und vergessen dabei, dass der englische Vizemeister zwar mit vielen seiner Stars angetreten, aber eben erst von einer Australien-Reise zurückgekehrt ist. Müde rennen die Stars von der Insel dem wie aufgedreht spielenden VfB hinterher und kommen nur noch zu zwei Anschlusstreffern.

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Hinterher analysiert Trainer Zorniger stolz: „Die erste Halbzeit hat mich gar nicht so sehr überrascht, weil ich weiß, was mit dieser Spielweise alles möglich ist.“ „Es gibt keinen Grund, in Euphorie zu verfallen“, ergänzt Sportchef Robin Dutt und beteuert: „Wir sind durchaus in der Lage, das nüchtern einzuordnen.“

Am ersten Bundesliga-Spieltag folgt eine 1:3-Pleite gegen den 1. FC Köln – die erste von fünf Niederlagen am Stück. Alexander Zorniger ist bald Geschichte, am Ende der Saison steigt der VfB in die zweite Liga ab. Über Manchester City redet längst niemand mehr.

Drei Jahre später steht in der Sommervorbereitung wieder ein Höhepunkt an. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 125-Jahr-Jubiläum gibt sich Atlético Madrid die Ehre. Vor ausverkauftem Haus spielt der VfB stark auf und trotzt dem amtierenden Europa-League-Sieger durch ein Tor von Didavi ein 1:1 ab. Doch wieder folgt der geglückten Generalprobe ein Nackenschlag – ein 0:1 zum Saisonstart in Mainz. Das Ende ist bekannt: Der VfB steigt erneut in die zweite Liga ab.

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Und nun? Wäre es höchst hypothetisch, aus einem möglicherweise erneut starken Auftritt gegen ein Starensemble wie Barça ein drittes Mal eine missratene Saison abzuleiten. Gewarnt sein sollte der VfB allemal. Niemand weiß, wie ernst die Mannschaft von Trainer Ronald Koeman den Auftritt in der Mercedes-Benz-Arena nehmen und welches Ergebnis am Ende herauskommen wird. Die meisten Stars wie Frenkie de Jong, Gerard Piqué und Memphis Depay werden wohl mit von der Partie sein. Nicht so jedoch Lionel Messi. Laut spanischen Medienberichten steigt der Argentinier erst am Donnerstag wieder ins Training ein.

Mislintat: „Werden das Ergebnis richtig einordnen“

Bei Sportdirektor Sven Mislintat überwiegt klar die Vorfreude vor der Sorge vor möglicherweise aufkeimender Euphorie. „Wir freuen uns sehr, dass wir unseren Fans ein solches Highlight bieten können“, sagt der 48-Jährige. „Für uns hat das Spiel einen hohen sportlichen Wert, weil es zum Abschluss der Vorbereitung ein echter Härtetest vor dem Saisonstart ist.“ Für die vielen jungen Spieler kann ein Spiel gegen einen solchen Gegner zum echten Reifetest werden. Auch, wenn es um nichts geht. Mislintat betont: „Es muss sich niemand Sorgen machen, dass wir den Spielverlauf und das Ergebnis nicht richtig einordnen werden. Weder bei einem positiven noch bei einem negativen Ausgang.“

Der VfB verdient auch ein bisschen Geld

Der Verein freut sich zudem, mit einem Heimspiel endlich mal wieder ein bisschen Geld zu verdienen. Auch wenn die Gäste an der Partie, die live bei Servus TV übertragen wird, finanziell teilhaben, so wird es für den VfB am Ende zumindest kein „Draufleggeschäft“, wie es heißt. Zustande gekommen ist das Freundschaftsspiel über gegenseitige Kontakte und darauf spezialisierte Agenturen. Über Monate wurde an der Veranstaltung gefeilt. Nun dürfen sich alle VfBler auf dieses Spiel freuen – und es nach 90 Minuten auch schnell wieder abhaken.

In unserer Bildergalerie blicken wir auf vergangene Testspiel-Highlights des VfB zurück. Viel Spaß beim Durchklicken!

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