VfB Stuttgart gegen FC Bayern München Die besten Geschichten des Südgipfels

Ikonisches Sportfoto: Jürgen Klinsmanns Fallrückziehertor gegen die Bayern 1987. In unserer Bildergalerie blicken wir auf einige VfB-Siege gegen die Bayern zurück. Foto: imago/Werek

Vor dem Duell mit dem VfB Stuttgart feiert der FC Bayern sein 125-jähriges Bestehen. Ein Rückblick auf historische Siege, bittere Niederlagen, kuriose Begebenheiten und bedeutende Transfers in der Geschichte der beiden Kontrahenten.

Sport: Gregor Preiß (gp)

Uli Hoeneß wünscht sich zum 125. Geburtstag des FC Bayern niemand Geringeres als Florian Wirtz, der VfB Stuttgart wäre vor dem Aufeinandertreffen an diesem Freitag (20.30 Uhr) über drei Punkte glücklich. 121 Begegnungen in Bundesliga und DFB-Pokal gab es in der langen Geschichte der beiden Clubs, aus denen irgendwann der Begriff „Südgipfel“ hervorging. Davon darf man auch an diesem Freitag sprechen. Ein Rückblick auf packende Duelle, kuriose Begebenheiten und bayrisch-schwäbische Streitereien.

 

Die größten Siege

Viele waren es aus VfB-Sicht nicht, 20 in 121 Partien. Dafür waren sie umso besonderer. Der vorerst letzte, ein 3:1 am 32. Spieltag der Vorsaison, geriet zur Demütigung für die Bayern und ebnete dem VfB den Weg zur Vizemeisterschaft. Davor war lange nichts, vom irren 4:1 in München 2018 mal abgesehen.

Genau genommen muss man bis ins Meisterjahr 2007 zurückgehen. Damals gelangen binnen eines Kalenderjahres sogar zwei Heimsiege (2:0 und 3:1). Auch schön aus Sicht aller VfB-Fans: Der 3:1-Auswärtserfolg im Februar 1994 bei minus 15 Grad im Olympiastadion. Es war der misslungene Einstand von Franz Beckenbauer als neuer Bayern-Trainer. Die Mutter aller VfB-Siege gegen den großen FCB ereignete sich aber im Neckarstadion: Vom 3:0 im Jahr 1987 ist bis heute Jürgen Klinsmanns Fallrückzieher-Tor überliefert – dem späteren Tor des Jahres.

Die herbsten Abfuhren

Abfuhren gab es natürlich einige, 79 an der Zahl. Sieht man sich die Ergebnisse anderer Bundesliga-Größen an, kam der VfB historisch gesehen einigermaßen glimpflich davon. Ein 1:6 im Jahr 2012, ein paar 0:5-Klatschen – schlimmer kam es nie. Bitter war vor allem das 3:5 in München 1995/96, als der VfB mit Giovane Elber ein zwischenzeitliches 0:3 ausglich. Um kurz vor Schluss durch Alexander Zickler und Mehmet Scholl doch noch die Watschn zu kassieren. Am schmerzhaftesten fallen wohl die beiden Niederlagen aus den Jahren 2013 und 1986 aus – handelte es sich dabei doch um das Finale im DFB-Pokal. War der Außenseiter aus Schwaben 1986 beim 2:5 noch chancenlos, fehlte bei der Neuauflage 2013 nicht viel zur Verlängerung.

Aus der Reihe Kurios: Ende 2010 trafen die beiden Kontrahenten zweimal binnen weniger Tage in Bundesliga und Pokal aufeinander. Bruno Labbadia hatte gerade frisch beim VfB übernommen und legte zwei heiße Ergebnisse hin: Einmal 3:5, einmal 3:6.

Die kuriosesten Geschichten

Für Kurioses sorgte in der bundesweiten Wahrnehmung meist der FC Hollywood. Wie Oliver Kahn Mitspieler Andreas Herzog im Strafraum des Stuttgarter Neckarstadions am Kragen packte und durchschüttelte, gehört zu den Bundesliga-Classics. „Dir gehört schon lange eine aufs Maul“, sollen Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß dem Österreicher noch mitgegeben haben, als sie in der Halbzeit die Kabine aufsuchten.

Amtskollegen: Die Manager und Brüder Uli und Dieter Hoeneß im Jahr 1991. Foto: imago/Hartung

Aus Stuttgarter Sicht ist von den bayrisch-schwäbischen Geschichten vor allem die Nummer mit der Autobahn von Thomas Strunz in Erinnerung. Wenngleich der frühere Münchner und Stuttgarter bis heute beteuert, den vielfach überlieferten Spruch („Das Schönste an Stuttgart ist die Autobahn nach München“) nie getätigt zu haben. In Erinnerung bleibt natürlich auch der 9. November 1989, der Tag des Mauerfalls. An jenem Abend schickte der VfB im Achtelfinale des DFB-Pokals die Bayern mit 3:0 nach Hause, beherrschte aber allenfalls die lokalen Schlagzeilen („Wachablösung im Süden“). Was aus heutiger Sicht kurios anmutet: Die Stadionregie hielt die Zuschauer im ausverkauften Neckarstadion während der 90 Minuten via Anzeigentafel über die Ereignisse in Berlin auf dem Laufenden.

Immer mit dabei: Uli Hoeneß

Praktisch immer mit dabei: Uli Hoeneß, Onkel des aktuellen VfB-Trainers. Er war es auch, der 2016 darauf wettete, dass der VfB nicht absteigen werde. Der Bayern-Patron behielt Unrecht – und spendete 5000 Euro an die Kinderkrebsklinik in Tannheim. Ein anderes Versprechen muss der 73-jährige Wurst-Fabrikant noch einlösen: der Einladung in das vegane Restaurant von Ex-Torwart Timo Hildebrand zu folgen.

Die größten Streitigkeiten

Anders als unter den Fans (kein VfBler mag die Bayern, umgekehrt verhält es sich genauso), herrscht unter den Bossen der beiden Clubs eine friedliche Koexistenz. Also meistens zumindest. 2008 legte sich VfB-Sportdirektor Horst Heldt mit den Großmächtigen von der Säbener Straße an und warf ihnen Doppelmoral vor. Heldt hatte sein Interesse an Bayern-Stürmer Lukas Podolski offenbart, woraufhin ihm aus München „schlechte Manieren“ unterstellt wurden. „Wir finden es nicht schön, dass unserem Trainer vor laufender Fernsehkamera Avancen von den Bayern gemacht werden“, konterte Heldt. Es ging um Armin Veh. Letztlich ein Sturm im Wasserglas.

„Das Verhalten des VfB war nicht die gute Kaufmannsart“

Genauso wie der Fall Piotr Trochowski drei Jahre zuvor. „Unser gutes Verhältnis ist stark beschädigt. Das Verhalten des VfB war nicht die gute Kaufmannsart“, polterte Hoeneß Richtung Cannstatt und den beiden Sportchefs Jochen Schneider und Herbert Briem. „Wenn es unseriös ist, die Forderungen der Bayern nicht zu erfüllen, dann haben wir unseriös gehandelt“, schoss Briem zurück. Obwohl Präsident Erwin Staudt immer wieder betonte, dass der VfB aufgrund des Abwerbens von Trainer Felix Magath 2004 bei den Bayern „einen gut hat“: Dank hatte der VfB nie zu erwarten.

Die dicksten Transfers

Auch da gab es so einige, welche die A8 (in beide Richtungen) passierten. Asgeir Sigurvinsson, Dieter Hoeneß, Wiggerl Kögel, Giovane Elber, Thomas Strunz, Thomas Berthold, Mario Gomez, Holger Badstuber, Philipp Lahm, Sven Ulreich, Benjamin Pavard, Hiroki Ito, um nur einige zu nennen. Allein Pavard (35 Millionen Euro), Gomez (30) und Ito (23) füllten den Geldkoffer dicke. Wer der Nächste sein wird, der vom Neckar an die Isar wechselt? Noch offen. Sicher scheint nur: Die Späher des FCB werden am Freitag genau hinschauen.

In unserer Bildergalerie blicken wir auf einige VfB-Siege gegen die Bayern zurück. Viel Spaß beim Durchklicken!

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