VfB Stuttgart gegen RB Leipzig Marcel Halstenberg: So ist die Lage bei RB

Abwehrmann Marcel Halstenberg will mit RB Leipzig weiter nach oben. Foto: Imago//Gabor Krieg

DFB-Pokalsieger RB Leipzig fordert am Sonntag den VfB Stuttgart – und will auch dank Topstar Christopher Nkunku besser abschneiden als in der Vorsaison. Nationalspieler Marcel Halstenberg spricht über die Ziele.

Sport: Marco Seliger (sem)

Nein, es lässt sich kaum behaupten, dass der DFB-Pokalsieger RB Leipzig mit Rückenwind nach Stuttgart reist. Es rappelte bei den beiden letzten Partien vor dem ersten Bundesliga-Spieltag beim VfB an diesem Sonntag (15.30 Uhr) in der Kiste – und das aus Leipziger Sicht zu oft in der falschen. So setzte es im Testspiel gegen den FC Liverpool (0:5) und im Supercup gegen den FC Bayern (3:5) jeweils fünf Gegentore. Und auch wenn es sich bei diesen Gegnern um keine Leichtgewichte des europäischen Fußballs handelt und bei solchen Kicks ja immer fleißig durchgewechselt wird, wussten die Leipziger in der abgelaufenen Trainingswoche, was zu tun ist.

 

Einer, der dabei war bei den Gegentorfestivals vor dem Ligastart, weiß wenig überraschend, worauf es jetzt ankommt. „Wir müssen schauen, dass wir in der Defensive stabiler stehen und regelmäßig die Null halten“, sagt der RB-Nationalspieler Marcel Halstenberg, der den linken Innenverteidiger in der Dreierkette gibt.

Doch wie das dann alljährlich so ist nach dem Vorbereitungsende: Die Vorbereitung bleibt die Vorbereitung, und die Bundesliga ist die Bundesliga. Heißt: Das eine ist nötig und bringt ein paar Erkenntnisse, das andere aber ist wichtig – entscheidend ist immer nur der erste Spieltag. Also blickte RB-Coach Domenico Tedesco am Freitagmittag trotz der jüngsten Pleiten gegen Liverpool und den FC Bayern gelassen nach vorn. „Wir können jedem Gegner, wirklich jedem, weh tun“, sagte er.

Besondere Schmerzen bereitet RB dabei gerne dem VfB, aus den acht Ligaspielen gab es sieben Siege und ein Remis – allgemein ziehen die Roten Bullen ihr Selbstvertrauen aus den Ereignissen der Vorsaison. Mit Tedesco, der Jesse Marsch im Dezember 2021 als Coach abgelöst hatte, kam die Wende zum Guten mit Platz vier in der Liga sowie dem Höhepunkt am Ende, dem Pokalsieg.

Nach dem ersten Titel der Vereinsgeschichte ist der Glaube an die eigene Stärke noch immer da. So ein Triumph löst etwas aus, bei den Spielern und im Umfeld. Die Brust wird breiter, bei allen Beteiligten. Oder, wie es der Abwehrmann Halstenberg ausdrückt: „Der Pokalsieg war wahnsinnig emotional, das haben wir hier so noch nicht erlebt.“ Und weiter: „Der Pokalsieg ist enorm wichtig, er zeigt uns und auch den Neuzugängen, dass man hier Titel gewinnen kann.“

Der Erfolgshunger bleibt nun groß bei RB. „Wir möchten eine noch bessere Saison spielen als die letzte – und einen Punkteschnitt von 2,0 erreichen“, sagt Halstenberg. Wozu das reichen würde, entscheidet am Ende wohl wieder nur der FC Bayern. Doch wenn der Meister patzt, will Leipzig zur Stelle sein.

Mit Nationalspieler David Raum (kam von der TSG Hoffenheim für eine Ablöse von 26 Millionen Euro) und dem Österreicher Xaver Schlager (VfL Wolfsburg, zwölf Millionen Euro) wurden nun Kämpfertypen verpflichtet, die mehr Wucht und Härte auf den Platz bringen sollen. Den größten Coup landete der Geschäftsführer Oliver Mintzlaff jedoch mit der Vertragsverlängerung mit dem nach Meinung vieler Experten besten Bundesliga-Profi der vergangenen Saison. So band RB den Offensivmann Christopher Nkunku vorzeitig für zwei weitere Jahre bis 2026 – was auch europaweit ein Statement an die Konkurrenz war, die den Franzosen nach seinen 35 Toren und 22 Vorlagen in insgesamt 52 Pflichtspielen der vergangenen Runde auf dem Zettel hatte.

Nkunku bleibt also ein Leipziger – und will unter Trainer Tedesco nun ähnliche Fortschritte wie in der Vorsaison machen. Da gab der frühere Jugendtrainer des VfB Stuttgart der verunsicherten RB-Mannschaft eine neue Struktur und führte ein System ein, das zu den Spielern und deren Entwicklungen passte. „Unser Trainer hat unsere Stärken wieder in den Vordergrund gestellt“, sagt Marcel Halstenberg dazu: „Wie vorher in den zwei Jahren unter Julian Nagelsmann legen wir wieder sehr viel Wert auf Ballbesitz, wir wollen immer dominant spielen, ohne das Pressing zu vernachlässigen.“

Emanzipation bei RB

Tedescos Vorgänger Marsch war vorher zwei Schritte zurückgegangen und wollte nur den klassischen RB-Überfallfußball mit Kontern und Gegenpressing spielen lassen – das Team hatte sich davon unter Nagelsmann aber schon emanzipiert.

Gut möglich ist es nun, dass ein alter Bekannter bald Teil des Tedesco-Ensembles sein wird. Eine Verpflichtung von Nationalspieler Timo Werner vom FC Chelsea steht weiter im Raum. Kollege Halstenberg würde sich über eine Rückkehr des gebürtigen Cannstatters nach Leipzig freuen. „Timo ist ein außergewöhnlicher Stürmertyp, er hat in den vergangenen Jahren gezeigt, was er kann“, sagt der Abwehrmann: „Er würde mit seinem Tiefgang und seiner Geschwindigkeit gut in unser System passen, er ist torgefährlich und kann Assists geben – und menschlich ist er ohnehin überragend.“

Weitere Themen