VfB Stuttgart gegen TSG Hoffenheim Warum sich Krähen rund um die MHP-Arena so heimisch fühlen

Saatkrähen: Ihr Bestand hat sich zuletzt stark vermehrt. Auch an der MHP-Arena in Bad Cannstatt sind die Tiere zu Hause. Foto: Simon Granville

Regelmäßige Besucher des VfB-Clubzentrums und der benachbarten Arena werden schon Bekanntschaft mit ihnen gemacht haben: den Saatkrähen von der Mercedesstraße. Sie sind gekommen, um zu bleiben.

Ihr wenig melodiöses Krächzen ist von Weitem zu hören, ihre Hinterlassenschaften auf Gehwegen und parkenden Autos sind nicht zu übersehen. Gerade jetzt zu Beginn der kalten Jahreszeit, während der sie sich in Siedlungsgebieten gern in großen Beständen zusammenrotten. Die Rede ist von Saatkrähen, die in den zahlreichen Platanen entlang der Mercedesstraße beheimatet sind – in unmittelbarer Nachbarschaft zum VfB Stuttgart und zur MHP-Arena.

 

Auch an diesem Samstag beim Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim werden die VfB-Fans wieder Zeuge dieses speziellen ornithologischen Naturschauspiels werden. Besonders in den Abendstunden sind die Vögel aktiv. Beim lauten Geflatter des schwarzen Federviehs überkommen so manchen Hitchcock-Gefühle, zumal die rund 50 Zentimer großen Rabenvögel keinerlei Menschenscheu zeigen.

Krähen auf Landflucht: In der Stadt gibt es mehr zu fressen und ist es wärmer

„Die Saatkrähen sind einheimische Tiere, die aus dem Umland in Stuttgart eingeflogen sind“, erklärt Renate Kübler, die Leiterin der unteren Naturschutzbehörde für den Stadtkreis Stuttgart. Neben der Mercedesstraße gibt es in der Stadt noch weitere Krähen-Biotope – etwa im Bereich der Uni Stadtmitte. Laut Kübler benötigen sie ausreichend Nistbäume. Platanen bieten sich wegen ihrer glatten Rinde besonders an. Fressfeinde haben es schwer hochzukommen. Außerdem, so Kübler, fühlten die Saatkrähen sich durch „ein reichhaltigeres Nahrungsangebot und wärmere Temperaturen in der Stadt heute oft wohler als auf dem Land“.

Das Nahrungsangebot zwischen Schleyerhalle und Mercedes-Zentrale ist zumindest rund um VfB-Heimspiele nicht knapp. Viele Essensreste landen in und um die Mülltonnen. Bei Zählungen vor rund 20 Jahren waren brütende Saatkrähen in der Stadt noch eine Rarität. Seither haben sie sich stark vermehrt, was auch mit dem Artenschutz zu tun hat. Vielerorts ist bereits von Plage die Rede. Früher waren die gefräßigen Saatfresser für Landwirte zum Abschuss freigegeben. Das ist längst nicht mehr zulässig.

Als Gerhard Mayer-Vorfelder Stare vor dem Clubgelände vertreiben wollte

Beim VfB Stuttgart hat man nach eigener Auskunft kein Problem mit den Krähen. Außer vielleicht, dass Mitarbeiter ihre Autos öfter in der Waschstraße von Vogeldreck befreien müssen. Der frühere Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder war weniger nachsichtig. Er soll, als sich Mitte der 80er Jahre zahlreiche Stare in den Platanen der Mercedesstraße ansiedelten, Beschallungsgeräte mit hohen Pieptönen installiert haben lassen, um das Federvieh zu vertreiben.

Ganz unabhängig von den heutigen Naturschutzauflagen: Die Krähen wären viel zu schlau, um sich dauerhaft davon abschrecken zu lassen.

Andernorts werden aus Lärmschutzgründen in Wohngebieten Platanen teils radikal gekappt, damit die krächzenden Vögel sich ein anderes Zuhause suchen. Wie die Stadt Stuttgart mitteilt, gibt es aktuell aber keinerlei Überlegungen, die Tiere von der Mercedesstraße zu vertreiben oder umzusiedeln. Sie werden sich rund um das VfB-Gelände also weiterhin wohlfühlen und vermehren.

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