VfB Stuttgart gegen VfL Bochum Warum träumen jetzt verboten ist

Ermedin Demirovic (mit Ball) wird von seinen Mitspielern gefeiert. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Der VfB Stuttgart hat mit dem 4:0-Erfolg in Bochum die Trendwende geschafft. Der Auswärtssieg könnte der Auftakt in eine bemerkenswerte Schlussphase der Bundesliga sein. Doch damit das gelingen kann, ist träumen verboten.

Sport: Philipp Maisel (pma)

Der VfB Stuttgart gewinnt nach einer fast zwei Monate lang währenden Ergebniskrise in der Bundesliga wieder ein Spiel. Und das in überzeugender Manier. Das 4:0 (2:0) beim VfL Bochum war zu keiner Zeit gefährdet, wurde souverän eingefahren und ist gewissermaßen auch ein Statement für den nun anstehenden Schlussspurt in der Bundesliga. Ganz nach dem Motto: „Schaut her, wir sind auch noch da!“ sendet der Club ein Signal an die Konkurrenz.

 

Und auch an seine Fans. Bei den ganz Verwegenen unter den mitgereisten Anhängern hörte man nach dem Spiel sogar Gesprächsfetzen wie diesen: „Ach Bochum. Weißt du noch, damals, die Hildebrand-Parade?“ was natürlich eine Anspielung auf den Schlussspurt der Saison 2007 war. Damals sprang der VfB Stuttgart am vorletzten Spieltag auf den ersten Platz, machte dann eine Woche später den Titel klar und veredelte so einen Endspurt in der Liga mit acht Siegen in Folge.

Den Anhängern seien solche Träumereien erlaubt und ja, der VfB tat in Bochum alles dafür, dass man ins Schwärmen geraten konnte. „Wir haben uns nach dem Pokalspiel erhofft, den Schwung, die Bereitschaft, mit nach Bochum zu nehmen. Das ist gelungen“, bilanzierte Sportvorstand Fabian Wohlgemuth und attestierte der Mannschaft eine „besondere Leistung. Wir waren sofort fokussiert, von Beginn an klar, wollten diesen Erfolg mit aller Macht.“ Es ist ein Erfolg, der dem VfB für die kommenden Aufgaben Auftrieb geben kann. „So ein Erfolg kann uns tragen, uns beflügeln. Bochum hat uns eine Portion Selbstbewusstsein gegeben, das wir uns jetzt in der Trainingswoche bewahren müssen. Damit wir mit einer ähnlichen Gier an das Spiel gegen Bremen rangehen können“, sagte Wohlgemuth und richtete damit bereits den Blick auf das Restprogramm, das es gut meint mit dem VfB.

Was geht für den VfB noch in der Liga?

Denn der VfB hat mit dem Sieg gegen die bemerkenswert blutleeren Bochumer nicht nur den Anschluss an die internationalen Ränge wieder hergestellt (fünf Punkte auf den Europa-League-Platz, drei auf Rang sechs/Conference League), sondern er hat jetzt auch nur noch, den letzten Spieltag in Leipzig ausgenommen, hinter sich in der Tabelle stehende Gegner vor der Brust. Logisch, dass da so mancher bereits die Rechenspiele begonnen hat. Um auszuloten, was denn da noch drin ist für die Stuttgarter.

Um diese Frage seriös zu beantworten, stehen noch zu viele Unabwägbarkeiten im Raum. Packt Ermedin Demirovic zu seiner bemerkenswerten Quote der letzten Wochen (fünf Tore in vier Ligaspielen) noch etwas drauf? Oder ist es Senkrechtstarter Nick Woltemade, der die Mannschaft weiter auf seine Schultern nimmt? Kommt Deniz Undav aus seiner Formkrise und wird zum Faktor? Hält die Defensive wie in Bochum stand und drückt so die Gegentorquote weiter nach unten (aktuell 1,57 Gegentore pro Spiel)? Wird die Kaderbreite noch einmal mehr zum Trumpf wie beim Triumph im Pott? Das sind nur einige der Fragen, die noch eine mehr oder minder große Rolle in den letzten Wochen der Saison spielen können.

Fest steht, dass der VfB sich durch die Leistungen in den letzten beiden Partien die Möglichkeit erarbeitet hat, die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb zweigleisig erreichen zu können. Entweder durch einen Erfolg im DFB-Pokal-Endspiel gegen Arminia Bielefeld. Oder durch einen Endspurt in der Liga, der an den von 2007 zumindest herankommt. Damit das aber gelingen kann, ist das Träumen nur den Fans gestattet.

Für den Trainer und seine Mannschaft gilt: Schön auf dem Boden bleiben, die berühmten Basics konstant abrufen, Aufgabe für Aufgabe abarbeiten. Insofern ist der Ansatz von Sebastian Hoeneß naheliegend. „Es ist erst ein paar Tage her, da war die Kritik nachvollziehbarerweise groß. Weil die Ergebnisse ausgeblieben sind. Jetzt haben wir eine super Woche gehabt, mit dem Sieg gegen Leipzig Überragendes geschafft und heute nachgelegt.“ Er werde jetzt „nicht anfangen, zu weit in die Zukunft zu schauen“, gibt der Trainer Einblick.

„Aktuell gibt es keinen Grund, irgendetwas auszurufen. Es war ein wichtiger Sieg für unsere Köpfe. Die Situation war hart und zehrend“, sagt Hoeneß und lenkt den Blick aufs Wesentliche: „Wir sind gut beraten, uns in Ruhe auf Bremen vorzubereiten, um dann das bestmögliche Ergebnis aus diesem Spiel zu holen“, bevor er kurz der eigenen Linie nicht standhält und nachschiebt: „Lasst uns in zwei, drei Wochen mal schauen, wo wir stehen und was dann vielleicht noch möglich ist.“

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