VfB Stuttgart gegen VfL Wolfsburg Zum Verzweifeln – wie der VfB wieder eine große Chance vergibt

Der VfB-Torhüter Alexander Nübel streckt sich beim Wolfsburger Handelfmeter vergeblich. Foto: Baumann/Julia Rahn

Die Stuttgarter verlieren nach einer Video-Entscheidung durch Handelfmeter. Kritik äußert der Trainer Sebastian Hoeneß jedoch vor allem an der Entstehung der Gegentore.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Der Frust musste raus. Nick Woltemade drosch den Ball nach dem Abpfiff verärgert in die Zuschauerränge. Da hatte der VfB Stuttgart mit 1:0 geführt und der lange Stürmer nach sensationellem Solo das Tor erzielt (72.) – und dann verlor die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß die Kontrolle und das Spiel gegen den VfL Wolfsburg mit 1:2 (0:0). Weil der schwäbische Fußball-Bundesligist in zwei Konter lief und weil der Schiedsrichter Tobias Welz nach Hinweis des Videoassistenten auf einen Handelfmeter entschied, der die Gastgeber in der MHP-Arena zum Verzweifeln brachte. Zunächst glich der Ex-Stuttgarter Tiago Tomas aus (76.), danach verwandelte Mohammed Amoura den Strafstoß.

 

Damit hat der VfB erneut die Chance vergeben, sich in der Tabelle auf einem Champions-League-Rang zu behaupten – oder in diesem Fall: sich wieder hinzuschieben. Zuletzt war die Möglichkeit vor zwei Wochen gegen Borussia Mönchengladbach ausgelassen worden. Ebenfalls durch ein 1:2. Doch die Begegnungen sind nur schwer vergleichbar, da gegen gute Wolfsburger der weiß-rote Matchplan aufzugehen schien.

Nach einer nahezu ereignislosen ersten Hälfte – das Spiel beider Teams lief zwischen den Strafräumen ab – steigerte sich der VfB, agierte sicher mit Ball und setzte die Gäste aus Niedersachsen unter Druck. „Wir wollten das tun, ohne den Kopf zu verlieren“, sagte Hoeneß. Und nach der Auswechslung von Deniz Undav passte das Ergebnis. Denn für den Nationalstürmer kam Woltemade, der gleich ein Solo à la Ingemar Stenmark, der schwedischen Skilegende, hinlegte und überlegt traf.

Danach passierte jedoch, was einer souveränen Mannschaft nicht passieren darf. Der VfB wurde etwas passiver und bot der Elf von VfL-Coach Ralph Hasenhüttl nach Ballverlusten Räume, die diese zu nutzen wussten. Der eingewechselte Justin Diehl war deshalb nach der Partie untröstlich, da er das Spielgerät vor dem Ausgleich verloren hatte. Hoeneß sah allerdings eine Fehlerkette und betonte: „Er hat sicher die geringste Schuld an diesem Gegentreffer.“

Zumal es noch schlimmer für die Gastgeber kam. Ein Schuss von Patrick Wimmer landete am Arm von Josha Vagnoman. Zunächst war das Spiel aber weitergelaufen, ehe sich der Kölner Keller meldete und auf die Szene hinwies. Welz lief zum Bildschirm an der Außenlinie und schnell war die Sache klar: Elfmeter. „Das war zu erwarten“, sagte der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth, „da die Körperfläche vergrößert wurde.“ Dennoch war der Unmut groß. „Es ist müßig über eine solche Szene zu reden“, sagte Hoeneß, „ der Ball kommt nicht auf das Tor. Er wäre auch nicht zu einem Spieler gekommen.“ Hasenhüttl bewertete die Situation ähnlich: „Ich habe schon mehrfach gesagt, dass wir darüber nachdenken sollten, ob diese Auslegung der Handregel sinnvoll ist?

Für beide Trainer ist sie es nicht. Und für Hoeneß ist das Resultat bitter. „Diese Niederlage tut richtig weh“, sagte der 42-Jährige. Wohlgemuth befand es sogar „deprimierend, dass wir am Ende mit leeren Händen dastehen.“ Der Sportvorstand legte für sein Fazit den Aufwand beider Mannschaften übereinander und stellte fest: „Die Wolfsburger hatten nach der Pause außer den zwei Aktionen zum Tor keine nennenswerten Chancen.“ Der VfB schon. Nur: in der Schlussphase fehlte die Konsequenz, um den Vorsprung zu verteidigen.

Anders als noch vor einer Woche in Dortmund. Dort präsentierten sich die Stuttgarter reif und leidenschaftlich in der Abwehr. Diesmal war es unreif und nachlässig. „Über die letzten 18 Minuten werden wir reden müssen“, meinte Hoeneß, „davor haben wir ja so gut wie keine Wolfsburger Möglichkeiten zugelassen.“ Ein Lerneffekt soll eintreten, um den VfB auf das nächste Entwicklungsniveau zu heben.

Im oberen Tabellenbereich will sich der Traditionsverein etablieren. Dafür braucht es Konstanz – während der 90 Minuten und über viele Spiele hinweg. Eine Qualität, die Spitzenteams auszeichnet. Doch nun muss sich der VfB damit begnügen, nur spielerisch zum Besten zu zählen. In der Tabelle ist man auf den sechsten Rang gerutscht. Verfolgt von einer Reihe von Teams, die den Abstand verkürzt haben. „Für uns war es diesmal ein Sechs-Punkte-Spiel“, sagte Hasenhüttl und verwies darauf, wie eng das Bundesligatableau ist – entsprechend der Leistungsdichte der betroffenen Teams.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu VfB Stuttgart Bundesliga