VfB Stuttgart Lutz Meschke bald nicht mehr Aufsichtsrat? Es gibt noch offene Fragen
Der Präsident Dietmar Allgaier und Porsche sprechen darüber, wann der Topmanager ausscheiden soll. Wir beleuchten die Hintergründe.
Der Präsident Dietmar Allgaier und Porsche sprechen darüber, wann der Topmanager ausscheiden soll. Wir beleuchten die Hintergründe.
Dietmar Allgaier hat es sich zur Aufgabe gemacht, Ruhe beim VfB Stuttgart einkehren zu lassen. Kurzfristig, als er vor einem Jahr zum Interimspräsidenten bestellt wurde und langfristig, als er im vergangenen März im Präsidentenamt durch die Vereinsmitglieder bestätigt wurde.
Wichtig ist es dem Ludwigsburger Landrat, auch für eine kontinuierliche Gremienarbeit zu stehen – klar in der Sache und transparent im Vollzug. Aus diesem Grund hat er in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender des Fußball-Bundesligisten einige Neubesetzungen im Kontrollgremium vorangetrieben – und die nächste Personalie wird diskutiert. Es geht um Lutz Meschke, der die Porsche AG vertritt. Seine Zeit im VfB-Aufsichtsrat geht offenbar zu Ende.
Nach Informationen unserer Redaktion finden zwischen Allgaier und Porsche Gespräche statt, um Meschkes Ausscheiden zu moderieren. Darüber berichtete zuletzt auch das Fachmagazin „Kicker“. Hintergrund sind die formaljuristischen Rahmenbedingungen, die von Investorenseite erfüllt sein müssen. Einerseits, um der Beteiligungsvereinbarung zwischen dem VfB und den Anteilseignern zu entsprechen und andererseits, um den Statuten zu genügen, die der Ligaverband DFL an das Engagement des Sportwagenherstellers gestellt hat.
Auf Anfrage teilt Allgaier dazu mit: „Es sind keine Veränderungen geplant, aber auch nicht auszuschließen. Ich kann bestätigen, dass – unabhängig der Person Lutz Meschke – formaljuristische Rahmenbedingungen geprüft werden.“ Dabei geht es zunächst einmal darum, dass Meschke als Vorstandsmitglied der Porsche AG in den VfB-Aufsichtsrat eingezogen ist. Beim Partner aus Zuffenhausen heißt es zu der heiklen Angelegenheit: „Die von der Porsche AG vorgenommenen Nominierungen von Lutz Meschke und Albrecht Reimold für den VfB-Aufsichtsrat haben weiterhin Bestand.“
Doch mittlerweile wurde Meschke als Finanzchef der Porsche AG abberufen und fungiert für die Porsche Automobil Holding SE. Dennoch wurde ihm zugesichert, dass er beim VfB am Ball bleiben kann. Das schafft Angriffsflächen, da die Vereinbarung mit dem Pokalsieger vorsieht, dass Aufsichtsratsmitglieder zu den ersten beiden Führungsebenen der Porsche AG gehören müssen. Ansonsten kann der VfB ein Veto einlegen. So weit soll es aber nicht kommen.
Zudem muss der Autobauer darauf achten, dass nicht gegen das Mehrfachbeteiligungsverbot verstoßen wird. Denn die Porsche SE steht hinter der Volkswagen AG und der Audi AG, die beim VfL Wolfsburg (100 Prozent VW) und dem FC Bayern München (8,33 Prozent Audi) beteiligt sind. Die Porsche AG hält etwa zehn Prozent der VfB-Anteile und ist formal von der Porsche SE abgekoppelt. Nur so gab es grünes Licht für den Porsche-Einstieg beim VfB.
Alles Punkte, auf die auch die organisierte Fanszene schaut. Sie wähnt die 50+1-Regel, die einen zu großen Investoreneinfluss in den Vereinen begrenzt, ohnehin immer wieder untergraben – und die Ultras haben speziell in Stuttgart Meschke zum Feindbild erklärt. Protestaktionen in der Cannstatter Kurve dokumentieren das. Es wurde die Abberufung des Topmanagers gefordert, da er sich zu stark in die Clubbelange einmische. Zur Ironie des Schicksals gehört jedoch, dass Meschke ein kritisches Verhältnis zu Ex-Präsident Claus Vogt hatte, der später mit den Stimmen der Ultras abgewählt wurde.
Jetzt geht es Allgaier allerdings nicht darum, populistisch zu agieren, sondern sachorientiert zu handeln. Das Präsidium mit ihm an der Spitze sucht einen Weg, der Meschke einen Rückzug aufzeigt, der seinen Verdiensten angemessen erscheint. Der 59-Jährige machte den starken Porsche-Deal erst möglich. Mit 41 Millionen Euro stieg der Sportwagenhersteller beim VfB ein und trug zur finanziellen Konsolidierung bei, worauf auch der sportliche Aufschwung basiert. Im Vorstand werden sein Strategievermögen und seine Impulse geschätzt – weshalb man Meschke eine Brücke bauen will, um den Weg selbst gewählt frei zu machen.
Wann das geschieht, ist eine Frage, die diskutiert wird. Offenbar endet Meschkes Vereinbarung mit der Porsche AG am 31. Dezember 2025. Spätestens dann soll Schluss im VfB-Aufsichtsrat sein. Eine vorherige Abberufung wäre möglich, wird aber nicht unbedingt angestrebt. Ob es einen entsprechenden Präsidiumsbeschluss gibt, lässt Allgaier offen. „Ich bitte um Verständnis, dass Angelegenheiten der Gremien vertraulich sind und ich weder gefasste noch nicht gefasste Beschlüsse kommentieren kann“, sagt der Aufsichtsratschef, der eine Auseinandersetzung verhindern will.
Klar ist jedoch, dass Allgaier hinter den Kulissen bald wieder Ruhe haben möchte. Am liebsten noch vor dem Bundesligastart am 23. August bei Union Berlin beabsichtigt der Präsident, in Sachen Meschke einen Schritt weiter zu sein. „Die Hauptversammlung ist das für die Zusammensetzung des Aufsichtsrats zuständige Organ, das sich daher zu gegebener Zeit über Ergebnisse der genannten Gespräche und Prüfungen beraten wird“, sagt Allgaier. Im September sollen die VfB-Aktionäre zusammenkommen.