VfB Stuttgart Gerüchte um Demirovic – „Wir planen fest mit ihm“

Ermedin Demirovic unterzeichnete beim VfB im vergangenen Jahr einen Vertrag bis 2028. Foto: Imago/Michael Weber

Fabian Wohlgemuth tritt den Spekulationen um den Angreifer entgegen und äußert sich zur Zukunft des Sturm-Trios. Im Juli könnte sich für Ermedin Demirovic dabei eine Chance auftun.

Sport: David Scheu (dsc)

Ermedin Demirovic hat sich mit Erfolgserlebnissen in die Sommerpause verabschiedet. Nicht nur auf Vereinsebene durch den alles überstrahlenden Pokalsieg mit dem VfB Stuttgart, auch im Nationaltrikot: Mit drei Siegen aus drei Spielen ist Bosnien-Herzegowina so nah dran wie lange nicht an der Qualifikation zur Weltmeisterschaft, die das Land ansonsten meist in der Zuschauerrolle verfolgt. Es wäre erst die zweite Teilnahme überhaupt nach der WM 2014, damals übrigens mit VfB-Stürmer Vedad Ibisevic. An sich gibt es also gute Gründe zur Zufriedenheit bei Demirovic. Einerseits.

 

Zugleich kursieren seit Wochen Gerüchte rund um den 27-jährigen Angreifer. Verlässt er die Stuttgarter schon in diesem Sommer wieder trotz eines Vertrags bis 2028? Überwiegt die persönliche Enttäuschung nach einem Jahr in Bad Cannstatt? Die Bewertung seiner ersten VfB-Saison hängt dabei auch von der Warte ab, aus der man auf sie blickt.

15 Saisontore – kein VfB-Spieler traf häufiger als Demirovic

Da waren zum einen die immensen Erwartungen. Von Seiten des Umfelds, nachdem Demirovic für die stattliche Ablöse von 21 Millionen Euro vom FC Augsburg zum VfB gekommen war. Als Nachfolger von Serhou Guirassy nach dessen Fabel-Saison mit 28 Toren. Auch der Stürmer selbst hatte hohe persönliche Ansprüche mitgebracht, schließlich war er beim FCA Kapitän und unumstrittener Leitwolf gewesen. Das, so viel lässt sich festhalten, hat sich beim VfB geändert. Nur viermal spielte Demirovic in der vergangenen Bundesliga-Saison über die vollen 90 Minuten durch, suchte anfangs die Bindung zum Stuttgarter Ballbesitz-Fußball unter Sebastian Hoeneß, stand nach vergebenen Chancen in der Kritik.

Sebastian Hoeneß setzt beim VfB regelmäßig auf Ermedin Demirovic – wenn auch nicht immer von Beginn an. Foto: imago/Jan Huebner

Auf der anderen Seite spricht die Gesamtbilanz eine recht deutliche Sprache. Mit 15 Saisontoren war Demirovic der beste Torschütze seiner Mannschaft sowie der sechstbeste der gesamten Liga, in den vergangenen 15 Jahren wurde seine Torquote beim VfB nur in drei Bundesliga-Spielzeiten übertroffen. Zudem setzte Hoeneß stets auf Demirovic, ob von Beginn an oder im Verlauf einer Partie: Als einziger Feldspieler im Kader stand der Stürmer in allen 34 Saisonspielen auf dem Platz, dessen Qualitäten im Torabschluss mit dem ersten Ballkontakt sich oft genug als wertvolles Element in der Stuttgarter Offensive erwiesen – gerade auch in Ergänzung zu den anderen beiden Spielertypen im Angriff, Instinktstürmer Deniz Undav und Zielspieler Nick Woltemade.

Nick Woltemade könnte die ersten Wochen der Vorbereitung verpassen

An dieser Konstellation soll sich auch in der kommenden Saison nichts ändern. „Wir sind mit unseren drei Stürmern sehr zufrieden und planen fest mit ihnen für die neue Saison“, sagt der Stuttgarter Sportvorstand Fabian Wohlgemuth – um konkret mit Blick auf Demirovic nachzuschieben: „Das gilt ausdrücklich auch für Ermedin, der ein gutes erstes Jahr bei uns hatte.“ Man dürfte nicht vergessen, so Wohlgemuth, dass die Spielweise für ihn neu gewesen sei: „Inzwischen hat er sich sehr gut darauf eingestellt. 20 Startelf-Einsätze und 15 Tore in der Bundesliga sind eine starke Bilanz.“

Von Vereinsseite herrscht also Klarheit. Und damit müsste schon ein hohes Angebot und ein wechselwilliger Demirovic in der Geschäftsstelle aufschlagen, um die Konstellation zu ändern. Der Stürmer selbst hatte sich allerdings in der vergangenen Saison immer wieder kämpferisch geäußert, etwa nach seinem Jokertor bei Holstein Kiel (2:2) im März. Natürlich, so Demirovic damals, wolle er sich beim VfB durchsetzen: Ich bin nicht gekommen, um nach der ersten schwierigen Phase gleich den Abgang zu machen und einen neuen Verein zu finden Ich versuche mich reinzukämpfen, um mehr Spielzeit zu bekommen.“

Genau an dieser Stelle könnte sich in der Vorbereitung auf die nächste Saison eine Chance zur Eigenwerbung auftun, da der VfB die Arbeit im Juli voraussichtlich mit einer ausgedünnten Sturm-Personaldecke aufnehmen wird. Woltemade spielt derzeit mit der deutschen U21 um die Europameisterschaft – und dürfte deshalb anfangs in Stuttgart noch fehlen. Womöglich mehrere Wochen, wenn es bei der EM in der Slowakei bis ins Finale am 28. Juni geht und er danach seinen Urlaub antritt. Hinzu kommt: Ein vierter Stürmer, der nach dem Leihende von El Bilal Touré zur Komplettierung des Kaders kommen soll, ist bislang noch nicht in Sicht – und das Transferfenster bis Anfang September geöffnet.

Demirovic hat dagegen mehr Klarheit. Während er im Vorjahr beim VfB aufgrund der Verhandlungen rund um seinen Wechsel später ins Training einstiegen war, kann er nun die Vorbereitung von Beginn an absolvieren. Und so Schwung aufnehmen für sein zweites VfB-Jahr.

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