Marbella - Der Zeugwart Michael Meusch hat die letzten Alukisten im Marbella Football Center gepackt. Dann wurde die Ausrüstung verstaut, und der Tross des VfB Stuttgart machte sich auf den Weg. Ab nach Hause ging es nach einem sechstägigen Trainingslager in Spanien. Intensiv wurde auf dem Fußballplatz gearbeitet, und viel wurde in den Räumen des Mannschaftshotels La Quinta besprochen, um den Bundesligisten besser auf den Abstiegskampf vorzubereiten – und mit im Gepäck ist jetzt viel Hoffnung, den vorletzten Tabellenplatz verlassen zu können. Es bleiben aber Zweifel. Eine Einschätzung in drei Bereichen.
Das Toreschießen bleibt ein Problem
Tore Sie bleiben das Problem der VfB-Offensive. Das war im Testspiel gegen den FK Rostow zu sehen – trotz des 2:1-Siegs. Die Stuttgarter erspielen sich nur wenige klare Tormöglichkeiten. Weil das Timing für die Angriffe nicht passt. Weil die Aktionen nicht präzise ausgeführt werden. Weil technische Mängel in entscheidenden Situationen auftreten. Dennoch agierte Alexis Tibidi auffällig. Nicht nur wegen des Treffers gegen die Russen. „Auch ich sehe sein Potenzial und seine Schnelligkeit“, sagt Pellegrino Matarazzo, „wir dürfen aber nicht vergessen, dass er erst 18 Jahre alt ist.“ Der Trainer will dem Franzosen nicht schon jetzt eine zu schwere Last aufbürden.
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Klappt das Leihgeschäft mit Tiago Tomás?
Gut für den VfB-Angriff ist deshalb, dass Silas Katompa Mvumpa besser in Tritt kommt. Noch erinnert der Kongolese aber mehr an den Silas aus der zweiten Liga als an den Himmelsstürmer der Vorsaison. Dem Flügelspieler unterlaufen immer wieder Ungenauigkeiten. Zudem fehlen ihm noch die Tempowechsel, die ihn vor seiner schweren Knieverletzung auszeichneten. Sasa Kalajdzic wurde zum Abschluss des Trainingslagers nach anstrengenden Tagen im Testspiel geschont. Unterstützung könnte der Österreicher schon bald von Tiago Tomás erhalten. Der Sportdirektor Sven Mislintat strebt ein Leihgeschäft mit dem 19-jährigen Stürmer von Sporting Lissabon an.
Mehr Tempo beim Ballbesitzspiel
Taktik Mit Konstantinos Mavropanos, Waldemar Anton und Hiroki Ito steht die Dreierabwehrkette des VfB. In Marbella ließ Pellegrino Matarazzo aber auch wieder eine Viererkette aufziehen. Um bei Balleroberung besser in Kontersituationen zu kommen. „Das ist aber nur eine Variante“, sagt der Trainer, der an seiner Grundordnung nicht rüttelt. Ihm geht es vielmehr darum, die offensiven Abläufe besser einzustudieren.
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Eine oft praktizierte Variante ist dabei die Spielverlagerung – von rechts oder links hinten diagonal nach vorne. So sollen Silas Katompa Mvumpa und Chris Führich oder Tanguy Coulibaly in Szene gesetzt werden. Auch Borna Sosa (Weisheitszähne), der nicht an der Costa del Sol weilte, soll auf diese Weise verstärkt ins Spiel gebracht werden. Am Montag steigt der Kroate wieder in das Training ein, um für das nächste Ligaspiel gegen Eintracht Frankfurt (5. Februar) bereit zu sein. Mit ihm ergibt sich die linke Masche: Flanke Sosa, Kopfball Kalajdzic. Der VfB will sich jedoch nicht auf diese zuletzt leicht ausrechenbare Option verlassen. „Ich bin anspruchsvoll“, sagt Matarazzo. Das Ballbesitzspiel gehört weiter zum Repertoire – nur soll es mit mehr Tempo betrieben werden.
Es wurden viele Gespräche geführt
Teamgeist Ob sich aus den Tagen in Marbella ein neuer Mannschaftsgeist ergibt, ist schwer zu sagen. Und natürlich zeigen sich die Verantwortlichen mit dem Trainingslager zufrieden. Auch atmosphärisch. „Wir haben viele Einzel- und Gruppengespräche geführt“, sagt Pellegrino Matarazzo, „die Spieler haben auch viel untereinander kommuniziert.“ Ein Mannschaftsabend rundete das Ganze ab. Zunächst ohne Chefcoach, aber mit reichlich Grillfleisch. Das Trainerteam stieß erst später dazu. Gegen 22 Uhr waren jedoch nur noch zwei Tische besetzt. Der Rest hatte sich auf die Zimmer zurückgezogen – was als Zeichen der allgemeinen Müdigkeit nach laufintensiven Einheiten gewertet wurde. Um 23 Uhr war dann auch an diesem Abend Bettruhe angesagt.
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Die Zuversicht speist sich nun daraus, dass die Spieler im Ligabetrieb hellwach sind. Zum einen, da sie noch näher zusammengerückt sind, und zum anderen, da ihnen die Schwere der Aufgabe noch einmal klar vor Augen geführt wurde. „Der Abstiegskampf ist ja auch eine mentale Angelegenheit. Da spielt der Kopf eine entscheidende Rolle“, sagt Sven Mislintat. Knackpunkt ist für den Sportdirektor jedoch nicht nur die Heimpartie gegen die Frankfurter. „Wir werden die nächsten zwei Spiele jetzt nicht jeweils 5:0 gewinnen“, sagt Mislintat. Es gehe darum, den Schwung aus Marbella insgesamt in positive Energie umzusetzen.