VfB Stuttgart Große Möglichkeiten – und ein mahnendes Beispiel für den VfB

Freudentanz: die VfB-Spieler Finn Jeltsch (links) und Chris Führich feiern mit dem Torschützen Nikolas Nartey den Einzug in die Champions League. Foto: Baumann/Jens Lommel

Der Bundesligist krönt eine grandiose Entwicklung, will sich aber nicht von seinem Weg abbringen lassen – trotz der Verlockungen durch die Champions League.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Die Klänge aus der Kabine sind vertraut gewesen. Tony Britten hat sie 1992 komponiert und seither sind sie in den europäischen Fußballarenen gerne gehört, weil sie die höchsten Ehren symbolisieren. Die Champions-League-Hymne. Sie drang in Frankfurt aus dem Umkleidetrakt des VfB Stuttgart. Aus der Konserve, um die Stimmung im Team zu heben und den Erfolg zu feiern. Doch in der nächsten Saison wird das Musikstück für den Fußball-Bundesligisten wieder ein Teil der Realität sein und über die Stadionlautsprecher vor dem Anpfiff in der Königsklasse abgespielt werden.

 

Der VfB hat sich mit dem 2:2 bei Eintracht Frankfurt im Ligafinale den vierten Tabellenplatz gesichert – und somit das ersehnte Ziel auf den letzten Drücker erreicht. Auch, weil die Konkurrenten von der TSG Hoffenheim (0:4 bei Borussia Mönchengladbach) und Bayer Leverkusen (1:1 gegen den Hamburger SV) unter dem Druck des Gewinnenmüssens patzten.

So viel zu den nüchternen Fakten, zu denen ebenso die scheinbar sichere Gästeführung durch Tore von Chema (10.) und Nikolas Nartey (45.+3) zählte. Der eingewechselte Jonathan Burkardt glich durch zwei verwandelte Elfmeter aus (72./90.+2).

Eine Zitterpartie blieb den Stuttgartern jedoch erspart, weil sie in der Schlussphase den Vorteil des verspäteten Beginns (wegen des Einsatzes von Pyrotechnik war das Spielfeld anfangs in Rauch eingehüllt) auf ihrer Seite hatten. Auf der Trainerbank sowie auf der Tribüne wussten die Verantwortlichen über die Spielstände der Rivalen Bescheid, und der VfB hätte sich am Ende sogar eine Niederlage erlauben können.

Dem emotionalen Hoch tat dies keinen Abbruch. Der VfB hat sich für eine konstant gute Saison belohnt – und Trainer Sebastian Hoeneß gab den Befehl zur Ausgelassenheit: „Alle Leinen los!“ Trotz des DFB-Pokalfinales am Samstag gegen den übermächtig erscheinenden FC Bayern. Ohne gebremsten Bierschaum soll es nach Berlin gehen, um womöglich ein kleines Fußballwunder zu vollbringen.

Die Mannschaft des VfB jubelt gemeinsam vor der Fankurve. Foto: Baumann/Hansi Britsch

Selbstbewusst und gestärkt ist der VfB, da der Einzug in die Königsklasse einer Krönung gleichkommt – für Cheftrainer Sebastian Hoeneß, Sportvorstand Fabian Wohlgemuth, die Mannschaft und den ganzen Verein. Zum zweiten Mal in drei Jahren ziehen die Stuttgarter in den lukrativsten Clubwettbewerb ein. Unterbrochen vom Pokalsieg, der die Auftritte in der Europa League garantierte.

Ausgangspunkt war dabei die Relegation 2023. Das muss man sich immer wieder vor Augen führen, um die grandiose Entwicklung in Weiß-Rot zu beurteilen. Nach Vizemeisterschaft und Pokaltriumph kommt jetzt ein vierter Rang, der auch deshalb hoch einzuschätzen ist, weil der VfB einer Mehrfachbelastung ausgesetzt war. Stabil präsentierte sich das Team dabei und profitierte vom breit besetzten Kader. „Uns gehen die Superlative nicht aus“, sagt Wohlgemuth.

Dennoch sieht sich der VfB noch nicht dort angekommen, wo er tatsächlich hinwill: dauerhaft in der nationalen Spitze und regelmäßig international vertreten. Der Weg nach oben soll jetzt konsequent fortgesetzt werden. „Auch nach diesem wichtigen Schritt werden wir weiter solide wirtschaften und den Verein keinerlei Risiko aussetzen. Die Strategie, die uns nun zum zweiten Mal für die Königsklasse hat qualifizieren lassen, kam nicht mit dem breiten Reifen daher. Wir haben unsere Ausgaben unter Kontrolle gehalten und uns nicht von Emotionen leiten lassen. Das wird die Basis sein, um auch im nächsten Jahr weiter Boden auf die Spitzengruppe gutzumachen“, sagt Wohlgemuth.

Mit zusätzlichen Einnahmen von 40 Millionen Euro kann der VfB dank der Champions-League-Teilnahme rechnen. Das eröffnet neue Spielräume, um die Mannschaft zusammenzuhalten oder sie gar zu verstärken. So wird sich bereits an der Personalie Deniz Undav zeigen, wie weit die Stuttgarter ihre finanziellen Möglichkeiten ausschöpfen, um den Vertrag des Torjägers zu verlängern. Bis zu sechseinhalb Millionen Euro pro Saison verlangt der 29-Jährige und will am liebsten für vier Spielzeiten unterschreiben.

Schon allein diese Dimension verdeutlicht, wie gut die VfB-Macher abwägen müssen zwischen sportlicher Bedeutung und wirtschaftlicher Vernunft – hochgerechnet auf die nahe Zukunft.

Als warnendes Beispiel können da die Frankfurter dienen. Fünfmal in Folge erreichte die Eintracht zuletzt das internationale Geschäft und war drauf und dran, sich im Elitekreis zu etablieren. Nun stehen die Hessen als Tabellenachter vor den Trümmern einer Saison. Doch genau das soll dem VfB nicht wieder passieren.

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