VfB Stuttgart Gut aufgestellt? Ein Blick auf die Perspektiven des VfB-Kaders

Das VfB-Team am Samstag nach dem Sieg gegen Borussia Mönchengladbach. Seitdem hat sich im Kader noch etwas getan. Unsere Bildergalerie zeigt das ganze Aufgebot. Foto: Baumann

Nominell mit 32 Spielern geht der VfB Stuttgart in die kommenden Monate. Ist der Kader ausgewogen und gut aufgestellt? Wir werden einen kritischen Blick auf das Aufgebot.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Nach dem Ende der Transferperiode ist klar, mit welchen Spielern der VfB Stuttgart die kommenden Monate angeht. Erst im Januar sind wieder Neuverpflichtungen möglich – daher geht der Blick nun auf jene 32 Akteure, die dem Trainer Sebastian Hoeneß nun zur Verfügung stehen. Wir bewerten die Kader-Situation je Mannschaftsteil.

 

Tor Hier ist die Lage klar – und hat sich im Vergleich zur vergangenen Saison auch kaum verändert. Alexander Nübel ist die Nummer eins, sein Back-up Fabian Bredlow. Dahinter gehören Stefan Drljaca und Florian Hellstern zum Kader. Letzterer ist zugleich Stammkeeper der zweiten Mannschaft in der Dritten Liga. Mit diesem Quartett bleibt der VfB sehr gut aufgestellt.

Innenverteidigung Auch hier gibt es nichts Neues im Vergleich zu vergangenen Saison – wobei man sich durchaus einen weiteren Stabilisator mit Erfahrung hätte vorstellen können. Jeff Chabot hat sich in seiner ersten VfB-Saison zwar stabilisiert und gesteigert. Als unangefochtene Führungskraft gilt der 27-Jährige aber nicht. An seiner Seite reifen gleich mehrere Youngster, die viel Potenzial haben, aber Schwankungen unterlegen sind: Finn Jeltsch, Luca Jaquez und Ameen Al Dakhil. Letzterem fehlt wie der eigentlichen Stammkraft Dan-Axel Zagadou die körperliche Stabilität, weshalb die Decke trotz zahlreicher Innenverteidiger schnell eng werden kann – wie zuletzt nach der Verletzung von Jeff Chabot. In Ramon Hendriks und Leonidas Stergiou stehen noch zwei flexible Abwehrspieler für diesen Bereich zur Verfügung.

Außenverteidigung Auf links ist Maximilian Mittelstädt weiter gesetzt, einen reinrassigen Linksverteidiger-Ersatz für den Nationalspieler gibt es im Kader nach wie vor nicht. Ramon Hendriks kann dort spielen, oder der eigentliche Rechtsverteidiger Josha Vagnoman. Der hat am Wochenende überraschend seinen Vertrag verlängert, galt er doch eigentlich als Wechsel-Kandidat. Um ihm Druck zu machen, wurde Lorenz Assignon verpflichtet, der im Moment aber das Nachsehen hat. In Pascal Stenzel steht ein weiterer Rechtsverteidiger zur Verfügung, der vor allem für das Binnenklima der Mannschaft wichtig ist, sportlich aber eine Nebenrolle spielt. Da auch Leonidas Stergiou (derzeit noch nicht fit) beim VfB bislang meist rechts hinten spielte, gibt es auf der einstigen Problemposition nun ein Überangebot. Wirklich ausgewogen besetzt sind die defensiven Flügel damit nicht.

Statt eines Erfahrenen kommt der 20-jährige Chema Andres

Defensives Mittelfeld Das Duo Angelo Stiller/Atakan Karazor bleibt in der Mittelfeldzentrale gesetzt. Lange wurde diskutiert, ob hier dennoch ein erfahrener Akteur mit Führungsqualitäten verpflichtet wird. Das ist nicht passiert – es wurde der junge Chema Andres, der aber schon Eindruck hinterlassen hat. Wichtig wäre, dass der Spanier weiter Druck macht auf das etablierte Duo, sonst ist der VfB hier zwar nach wie vor gut, aber nicht besser als im Vorjahr aufgestellt. Der lange verletzte Nikolas Nartey ist die Nummer vier, Yannik Keitel hat bei Sebastian Hoeneß dagegen einen schweren Stand – ein Wechsel des Ex-Freiburgers hätte nicht überrascht. Aus dem Talentschuppen ist noch Mirza Catovic ein Kandidat.

Offensive Außenbahnen Jamie Leweling und Chris Führich bilden die Basis auf dem rechten und linken Flügel. Der VfB hat dann früh für junge Alternativen gesorgt – in Noah Darvich und Lazar Jovanovic. Wobei mittlerweile die Frage nach der kurzfristigen Perspektive für die Youngster gestellt werden darf. Denn in Tiago Tomas und Badredine Bouanani wurden weitere Spieler für diesen Bereich verpflichtet. Auch Neuzugang Bilal El Khannouss kann über außen kommen. Justin Diehl und Silas Katompa stehen ebenfalls noch im Kader, der hier ein deutliches Überangebot aufweist.

Offensivzentrale Ist Deniz Undav fit, kann er auch als hängende Spitze agieren, nach dem Angang von Enzo Millot fehlte aber zunächst ein Mann für die Kreativzentrale, zumal Noah Darvich noch jung ist und angeschlagen in die Vorbereitung eingestiegen ist. Die Verpflichtung von Bilal El Khannouss soll das kreative Element im Offensivspiel des VfB fördern. Auf dem Neuzugang von Leicester City ruhen daher große Hoffnungen. Auch Badredine Bouanani kann hinter den Spitzen agieren. Da beide noch recht jung sind und die Bundesliga nicht kennen, bleibt abzuwarten, wie schnell sie echte Verstärkungen sind.

Sturmspitze Weil Deniz Undav verletzt mehrere Wochen fehlen wird und der Transfer des Südkoreaners Hyeon-Gyu Oh kurzfristig platzte, geht der VfB allein mit Ermedin Demirovic als echtem Stoßstürmer in die nächsten Wochen. Das ist riskant, da der Bosnier in vier Wettbewerben gefordert ist (Liga, Pokal, Europa League, Nationalmannschaft). Es gibt zwar einige Spieler, die auch ganz vorne spielen können, diese Rolle dann anders interpretieren. Ein weiterer Fixpunkt in der Spitze fehlt nach dem Abgang von Nick Woltemade nun aber im Kader des VfB.

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