VfB Stuttgart, Hannover 96, 1. FC Nürnberg Warum sich die Absteiger ganz unterschiedlich entwickeln

Hannovers Cedric Teuchert ist nach der 0:4-Heimpleite gegen den 1. FC Nürnberg bedient. Foto: dpa/Peter Steffen

Der VfB Stuttgart grüßt einsam von der Tabellenspitze, Hannover 96 rutscht in den Keller, der 1. FC Nürnberg sucht nach dem Abstieg in die zweite Liga noch seinen Weg. Wie lässt sich der unterschiedliche Werdegang der drei Absteiger erklären?

Sport: Gregor Preiß (gp)

Stuttgart - In einträchtiger Tristesse stiegen der VfB Stuttgart, der 1. FC Nürnberg und Hannover 96 im Mai aus der Bundesliga ab. Nun hat sich der Himmel über Stuttgart wieder aufgehellt. Das Team grüßt ungeschlagen von der Tabellenspitze. Der Club aus Nürnberg weiß noch nicht so recht, wohin er will. Und in Hannover herrscht nach der 0:4-Pleite gegen den Mitabsteiger aus Franken Alarmstimmung. Eine Bilanz nach acht Spieltagen.

 

Mannschaft: Das mit dem FC Bayern der zweiten Liga will beim Club aus Cannstatt vor dem Heimspiel gegen Wehen-Wiesbaden (Freitag, 18.30 Uhr) zwar niemand hören. In einem Punkt zumindest stimmt der Vergleich: Der VfB hat den mit Abstand teuersten Kader aller Wettbewerber. Und wohl auch den Besten. So viel lässt sich nach knapp einem Viertel der Spielzeit mit Sicherheit sagen. Mit 20 Millionen Euro ging VfB-Sportdirektor Sven Mislintat vor der Saison auf Einkaufstour. Stürmer Silas Wamangituka war ihm alleine acht Millionen Euro wert. Mislintat zog neidische Blicke der Konkurrenz auf sich: Hannovers Sportchef Jan Schlaudraff hatte gerade einmal drei Millionen zur Verfügung. Der Club aus Nürnberg sieben Millionen.

„Wir haben die vergangene Saison mit einem hohen Verlust abgeschlossen“, erklärte Hannovers Clubboss Martin Kind den auf Altlasten beruhenden Sparkurs. Kritiker werfen der sportlichen Führung unabhängig davon eine wenig kreative Einkaufspolitik vor. In Marc Stendera und Dennis Aogo wurden auf den allerletzten Drücker noch Spieler an die Leine gelotst, die das Versprechen auf eine bessere Zukunft darstellen sollen. Der 32-Jährige Aogo knüpft jedoch nahtlos an seine Stuttgarter Zeit an: Wenn’s läuft, ist sein Spiel nett anzuschauen. Wenn nicht, geht Aogo mit unter. Und in Hannover läuft es überhaupt nicht. Die 0:4-Heimpleite am Montagabend bezeichnete Trainer Mirko Slomka als „Albtraum“.

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Für die Nürnberger war es hingegen ein Erweckungserlebnis. Nach mäßigem Saisonstart lieferte die Mannschaft in Hannover ihre beste Saisonleistung ab. „Wir sind jetzt dreieinhalb Monate zusammen. Da sollte man langsam wissen, was der Trainer möchte“, sagt Coach Damir Canadi bestimmt. In Hanno Behrens, Johannes Geis und Robin Hack verfügt der Club über eine ansehnliche Mittelfeldachse, die runderneuerte Mannschaft hat durchaus Potenzial. Am Montag konnte sie es endlich einmal abrufen.

Trainer: VfB-Coach Tim Walter gehört zur seltenen Spezies der aktiven Trainer. Seine Mannschaft soll das Spiel bestimmen. Immer. Walters Motto lautet: Der Gegner ist mir egal. In der zweiten Liga ging dieser Ich-bezogene Ansatz bislang auf. Fragt sich nur, ob auch in der Bundesliga. Doch bis dahin ist es trotz bereits fünf Punkten Vorsprungs auf Platz drei noch ein weiter Weg.

In Hannover auf Platz 15 richtet sich der Blick nach unten. Und – wie könnte es anders sein – auf den Trainer. Die Schonfrist für Mirko Slomka ist abgelaufen. Am Samstag in Dresden geht es um seinen Job. „Wir müssen in aller Ehrlichkeit analysieren, wie so eine Leistung zustande kommen kann“, sagte ein schockierter Martin Kind nach dem desaströsen Auftritt gegen Nürnberg. In dem früheren Kölner Trainer Markus Anfang geistert bereits der erste Name durch Hannover.

In Nürnberg hätte die Trainerdiskussion wohl auch nicht lange auf sich warten lassen. So aber hat sich der Österreicher Canadi, der sich in die Riege schrulliger Trainer am Valznerweiher gut einreiht, Luft verschafft. Vielleicht dauert es nur ein bisschen länger, bis seine Spieler die Fußballphilosophie Canadis (Spitzname: Der Lehrer) verinnerlicht haben. Für den Bund österreichischer Fußballlehrer hat er sie einmal in einer 59 Seiten starken Präsentation zusammengefasst.

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Umfeld: Beim VfB ist die Abstiegstristesse verflogen. Gegen Aufsteiger Wiesbaden am Freitagabend wurden schon wieder 48 000 Karten verkauft. Die Suche nach einem neuen Vorstandschef und einem neuen Präsidenten sorgen aber für latente Unruhe.

In Nürnberg und Hannover waren die Erwartungen vor der Saison nicht so hoch wie in Stuttgart. Dennoch gab es im Nürnberger Stadion bei den Heimspielen schon etliche Pfiffe. In Hannover war nach dem 0:4 „der Tiefpunkt eines jahrelangen Entfremdungsprozesses“ erreicht, wie ein Fan auf Twitter schrieb. Am Montagabend machte sich über dem Stadion eine riesige Leere breit. Der Großteil der 27 000 Zuschauer erlebte das traurige Ende gar nicht mehr mit.

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