VfB Stuttgart Hauptsache gewonnen

Der VfB Stuttgart lässt bei seinem 2:0-Erfolg in der zweiten Runde im DFB-Pokal bei Carl Zeiss Jena einige Wünsche offen, aber Martin Harnik und Alexandru Maxim treffen.

Die Vorentscheidung: Martin Harnik (rechts) überwindet den Schlussmann Raphael Koczor nach einer gekonnten Einzelleistung. Foto: Baumann 20 Bilder
Die Vorentscheidung: Martin Harnik (rechts) überwindet den Schlussmann Raphael Koczor nach einer gekonnten Einzelleistung. Foto: Baumann

Jena - Relativ dezent zwar, aber immerhin sind die Rufe zu hören. „Berlin, Berlin – wir fahren nach Berlin“, schallt es im Ernst-Abbe-Sportfeld aus dem Fanblock des VfB. In Berlin findet nächstes Jahr das Pokalfinale statt, das die Stuttgarter nach dem 2:0 bei Carl Zeiss Jena mit drei Siegen noch erreichen können – im Achtelfinale, im Viertelfinale und im Halbfinale. Das ist dann aber schon so ziemlich die einzige positive Erkenntnis des Tages.

Dabei war für den VfB in Jena eine Art Schocktherapie angesagt nach der bitteren 3:4-Niederlage am Samstag in der Bundesliga bei Bayer Leverkusen, als die Mannschaft eine 3:1-Führung aus der Hand gegeben hatte. Überhaupt ist diese Saison bis jetzt alles andere als wunschgemäß verlaufen, wozu vielleicht auch die Verletzungsmisere einen Teil beigetragen hat.

In Jena fehlten Daniel Ginczek, Filip Kostic, Christian Gentner, Lukas Rupp, Mitchell Langerak, Serey Dié und Robbie Kruse. Zudem wurde Emiliano Insua geschont, sodass der Trainer Alexander Zorniger fast schon sein letztes Aufgebot auf den Platz schicken musste – etwa im defensiven Mittelfeld mit Daniel Schwaab.

Ohnehin lautete die Frage, ob der schlechteste Abwehrverbund der Liga (der VfB kassierte bereits 23 Gegentore) wenigstens gegen den Regionalligisten Carl Zeiss einigermaßen stabil auftritt oder ob die vermutlich in erster Linie mit der mangelnden Qualität der Verteidiger und weniger mit dem Pressingsystem von Zorniger zusammenhängenden Defizite sogar gegen diesen viertklassigen Gegner zum Vorschein kommen.

Der VfB hätte gewarnt sein müssen

Immerhin hatte Jena in der ersten Pokalrunde den Hamburger SV mit 3:2 nach Verlängerung geschlagen. Der VfB war also gewarnt, hätte man meinen sollen. Aber dann musste Zorniger schon in der Anfangsphase von der Seitenlinie aus korrigierend einwirken. Jena versteckte sich auf jeden Fall nicht und schaffte es, die VfB-Angriffe früh zu stören. Von einem Klassenunterschied war wenig zu merken, da der VfB gegen die aggressiven Gastgeber sehr vorsichtig operierte – kein Vergleich zur spielerisch starken Vorstellung in Leverkusen. Immerhin stand die Abwehr dieses Mal meist sicher.

Und mit relativ wenig Aufwand erntete die Mannschaft in der 22. Minute den maximalen Ertrag. Nach einem Einwurf von Florian Klein setzte sich Martin Harnik mit einer schönen Einzelleistung gegen die gesamte Deckung von Carl Zeiss durch und vollendete technisch gekonnt zur Führung. Jetzt kontrollierte der VfB das Geschehen weitgehend. Der wie schon seit Wochen erneut agile Timo Werner scheiterte mit einem Schuss aus spitzem Winkel an Keeper Raphael Koczor (28.), der danach den Kopfball von Daniel Didavi problemlos parierte (30.).

Richtig ins Rollen kam die Offensive aber nicht, denn dazu wurden die Aktionen zu langsam vorgetragen. Es war jedoch auch schwierig, weil Jena verbissen kämpfte und zwischendurch auch ein paar Nadelstiche setzte wie in der 38. Minute, als Justin Gerlach den Ausgleich auf dem Fuß hatte. Beim VfB zeigte sich erstens, dass die vielen Ausfälle kaum zu ersetzen sind. Und zweitens war zu sehen, dass Schwaab in seiner neuen Rolle wohl nur eine Notlösung ist.

Das Zittern dauert bis fast zum Schluss

Auch nach der Pause setzte sich der Trend fort – viele Pässe wurden zu ungenau gespielt und erreichten den Abnehmer nicht. So hatte nach Gerlach auch Manfred Starke die Chance zum 1:1. Sein Kopfball ging knapp am Gehäuse vorbei (50.). Obwohl Harnik noch einmal an Koczor scheiterte (65.), vermittelte der VfB den Eindruck, als wolle er das Ergebnis nur verwalten. Überheblichkeit schlich sich ein, etwa als Toni Sunjic den Ball vertändelte (68.).

Das spürte Carl Zeiss, das spielerisch unterlegen war, aber diesen Nachteil durch Einsatz kompensierte. Aber die Mittel waren beschränkt. Maximilian Schlegel konnte ein kapitales Missverständnis zwischen Schwaab und dem Torwart Tyton, der wieder einmal ausrutschte, nicht nutzen (74.).

So war es nichts für Feinschmecker, was beide Teams ablieferten. Die Zitterpartie ging fast bis zum Schluss. Erst in der Nachspielzeit verwandelte Alexandru Maxim einen Handelfmeter zum 2:0. Das Fazit: Hauptsache gewonnen. Und am Sonntag geht es in der Liga gegen Darmstadt weiter.