Raus mit Applaus: Sebastian Hoeneß und die VfB-Fans sind mit dem Jahresabschluss zufrieden. In unserer Bildergalerie blicken wir auf die Partie gegen Hoffenheim zurück. Foto: IMAGO/Sportfoto Rudel
Das abschließende 0:0 gegen die TSG Hoffenheim passt so gar nicht zu einer spannenden und ereignisreichen Saisonphase. Wir blicken zurück auf Meilensteine der vergangenen fünf Monate.
Torlose Unentschieden sind selten Partien, an die man noch in Jahren zurückdenkt. Vermutlich wird es auch beim 0:0 gegen die TSG Hoffenheim so sein. Wobei: Spiele ohne das Salz in der Suppe – sprich: Tore – haben bei den Weiß-Roten Seltenheitswert. Das letzte torlose Remis in einem Bundesligaheimspiel des VfB liegt schon sieben Jahre zurück (2018 gegen Fortuna Düsseldorf). Außerdem war die Nullnummer am Samstag ein 0:0 der besseren Sorte.
In allen Wettbewerben gut im Rennen
Es rundete eine insgesamt starke Teil-Hinserie in der Fußball-Bundesliga ab, die durch die Partien bei Bayer Leverkusen (10. Januar) und drei Tage später gegen Eintracht Frankfurt komplettiert wird. Mit Platz sechs liegt der VfB auf Europapokal-Kurs, im DFB-Pokal steht die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß im Viertelfinale, und in der Europa League sind die Chancen auf die direkte Achtelfinal-Teilnahme nicht schlecht.
„2026 wollen wir voll angreifen“, kündigte Hoeneß an. Auch wenn vieles mittlerweile als normal erscheint: Mit Blick auf die jüngere Stuttgarter Vergangenheit, als es auf und ab ging, ist es das nicht. So hat der VfB gegenüber der Vorsaison zu Weihnachten drei Punkte mehr auf dem Konto. In diesem auch schon 25 Jahre währenden Jahrtausend stand der Punktestand der Stuttgarter nach 15 Spieltagen lediglich in drei Spielzeiten höher als derzeit. Und ganz nebenbei: Ein Sieg gegen die TSG Hoffenheim wäre verdient gewesen. Dann wäre plötzlich sogar die Champions League wieder ganz nah.
Natürlich war nicht alles Gold, was glänzt. Es gab auch Dellen, Nackenschläge und Tiefpunkte. Langweilig waren die vergangenen fünf Monate mit dem VfB jedenfalls nie. Unser Rückblick auf entscheidende Momente der bisherigen Saison.
Höhepunkte Oft tat sich der VfB schwer, gewann viele seiner Spiele auf den letzten Drücker. Oder entschied sie grundsätzlich nur knapp für sich. Was einerseits für den Mannschaftsgeist spricht. Andererseits auch unter Beweis stellt, dass die Hoeneß-Elf keine Übermannschaft darstellt. Gegen kein Team vor ihr in der Tabelle gelang ein Sieg. So sind die Höhepunkte knapp gefasst: Zwei 4:0-Siege gegen die Go Ahead Eagles Deventer in der Europa League sowie der jüngste Auswärtssieg in der Bundesliga bei Werder Bremen mit demselben Ergebnis.
Beide Male stellten die Stuttgarter ihre Stärken eindrucksvoll unter Beweis. Ein Rädchen griff ins andere, ein schön anzusehender Ballbesitzfußball mit der notwendigen Zielstrebigkeit vor dem Tor, der dem Gegner keine Chance ließ. Die Fans hätten sicher nichts dagegen, ihre Elf im neuen Jahr häufiger derart dominant auftreten zu sehen.
Tiefpunkte Auch die gab es. Und auch sie lassen sich auf zwei Partien reduzieren. Zum einen auf das Spiel beim Aufsteiger aus Hamburg. Beim 1:2 ging Hoeneß’ Radikal-Rotation erstmals nicht auf. Sein Team lieferte keine gute Partie ab und ließ sich dann auch noch in der Nachspielzeit und in Überzahl übertölpeln. Die missglückte Freistoß-Variante von Angelo Stiller und Deniz Undav („Es war eine Misskommunikation“) vor dem entscheidenden Gegentor hat das Zeug für jeden Jahresrückblick. Immerhin: Der VfB ließ sich nicht aus der Spur bringen und zog wenige Tage später durch ein 2:0 in Bochum ins Viertelfinale des DFB-Pokals ein.
Höchste Heimklatsche der Bundesliga-Geschichte
Dass Bochum nicht die Bayern sind, wurde den Jungs aus Cannstatt wiederum noch in derselben Woche vor Augen geführt. 0:5 zu Hause! Das tat weh. Nur zweimal in der Bundesliga-Geschichte zuvor kassierte der VfB so hohe Heimklatschen – ebenfalls gegen die Bayern (2021/22) und einmal gegen Borussia Dortmund (1995/96). Beim Bayern-Spiel kam einiges zusammen – von Torhüter Alexander Nübel, der einen schwarzen Tag erwischte, bis hin zu einem knapp aberkannten Abseitstor –, es zeigte aber auch zweierlei auf. Dass der Teamgeist auch an seine Grenzen stoßen kann. Die letzten 20 Minuten grenzten an Selbstaufgabe. Und dass die echten Topteams noch einmal ein anderes Kaliber sind. Zu ihnen dauerhaft und in kürzester Zeit aufzuschließen wäre angesichts der jüngeren VfB-Historie aber auch zu schön, um wahr zu sein.
Glanzpunkte Es wäre natürlich das Happy End für ein besonderes Jahr beim VfB Stuttgart gewesen. Deniz Undav trifft in der Nachspielzeit gegen die Hoffenheimer zum 1:0-Sieg. Wer sonst? Acht Tore hat der Angreifer in elf Bundesliga-Einsätzen zuletzt erzielt. Doch das Tor gegen die Kraichgauer wurde aberkannt. Abseits, eine Sache von ein paar Zentimetern. Dennoch bleibt Stürmer Undav der Mann für die magischen Momente. Wie beim 3:3 in Dortmund. Da lieferte der 29-Jährige mit drei Treffern die große Undav-Show.
Neben Undav hat sich in der Offensive Bilal El Khannouss auf Anhieb als Schlüsselspieler präsentiert. Nicht nur wegen seiner jeweils drei Tore in der Bundesliga und in der Europa League. Der 21-Jährige spielt mutig, sucht die Verantwortung und agiert aggressiv gegen den Ball. Das ergibt so ein starkes Gesamtpaket, dass der VfB die Leihgabe von Leicester City für 20 Millionen Euro wohl verpflichten wird. Zumal der Marktwert des Marokkaners bereits bei 32 Millionen Euro liegt – Tendenz steigend.
Wendepunkt am dritten Spieltag: Der VfB unterliegt in Freiburg nach schwacher Leistung mit 1:3. Foto: IMAGO/Eibner
Wendepunkt Dritter Spieltag, zweite Auswärtsniederlage: Der VfB kam nur schwer in die Saison 2025/26. Dabei spielt das 1:3 beim SC Freiburg im Rückblick eine entscheidende Rolle. Denn die Stuttgarter starteten im Breisgau gut, führten durch den Treffer von Ermedin Demirovic (Tor des Monats September) und fuhren doch enttäuscht nach Hause. Das Hoeneß-Team ließ einen Hang zur Selbstzufriedenheit erkennen – und sich das Spiel des Gegners aufzwingen.
Der Trainer reagierte mit klaren Worten. Nach innen. Das wirkte. Nach außen traten die Stuttgarter anschließend geschlossen und entschlossen auf. Sie siegten in der Liga fünfmal nacheinander und fanden in die Erfolgsspur zurück. Seither ist der VfB oben dabei in der Tabelle und bewegt sich zwischen den eigenen Ambitionen und den fremden Ansprüchen. Die Kardinalfrage dabei lautet: Ist der VfB schon eine Spitzenmannschaft – oder erst auf dem Weg dorthin?