VfB Stuttgart Hoeneß rotiert – doch der zweite Anzug zwickt ein bisschen

Auch bei Flügelstürmer Tiago Tomas ist die Freude über den knappen VfB-Auswärtssieg in Köln groß. Foto: Baumann

Mit sechs Veränderungen in der Startelf hat der VfB-Cheftrainer Sebastian Hoeneß in Köln auf Rotation gesetzt. Doch nicht alle Positionen sind im Kader gleichwertig doppelt besetzt.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

Als er mit nachdenklicher Miene unter seiner schwarzen Schirmmütze durch die Katakomben der Kölner Arena schlenderte, da schien der Stuttgarter Chefcoach Sebastian Hoeneß so etwas wie ein Gefangener des Spielplans zu sein. Eigentlich hätte er ja mehrere Gründe zum Jubeln gehabt: Etwa den, dass sein Team im dritten Spiel dieser englischen Woche mit dem 2:1-Auswärtserfolg beim Aufsteiger 1. FC Köln nach dem 2:0 über den FC St. Pauli und dem 2:1 gegen Celta Vigo seinen dritten Sieg innerhalb von neun Tagen eingefahren hatte.

 

Doch der in sich gekehrte Hoeneß („Es war ein dreckiger Arbeitssieg“) schien mental bereits an der Aufstellung für die Europa-League-Partie am Donnerstag (21 Uhr) beim FC Basel zu tüfteln. In Köln hatte sein Masterplan mit viel Rotation funktioniert – doch es geht gleich im Expresstempo weiter.

„Es war der erwartet wilde Ritt. Lange hatte es nach einem Unentschieden ausgesehen“, sagte Hoeneß zum Auftritt seiner Elf in der Domstadt, mit dem der VfB sein Punktekonto nach fünf Spieltagen auf neun geschraubt hat – und auf Rang fünf der Bundesligatabelle hoch geklettert ist.

Unterm Strich hatte der Pokalsieger bei allem Einsatz aber auch das nötige Glück gehabt. Etwa, dass der Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck nach Intervention des Video-Assistenten den von FC-Keeper Marvin Schwäbe an Ermedin Demirovic verursachten Elfmeter gab; dass der Mittelstürmer dann besonnen zum 1:1-Ausgleich traf – und dass die Partie letztlich mit Josha Vagnoman, dem Schützen des Siegtreffers (81.), einen Matchwinner aus dem Hut zauberte, mit dem nach den vorangegangenen Eindrücken nicht unbedingt zu rechnen war. Häufig war Vagnoman, der anstelle von Neuzugang Lorenz Assignon hinten rechts in der Viererkette spielte, mit einem wackeligen Spielstil aufgefallen. Da tat dem Ex-Hamburger die Rolle des Spieltagshelden gut. „Es hat mich für ihn sehr gefreut. Auch, weil die jüngste Kritik an ihm überzogen war“, sagte Hoeneß.

Hoeneß nutzt die Breite seines Kaders

Im Stile eines Konzertpianisten, der auch die ganz hohen und tiefen Töne nutzt, hatte sich der Stuttgarter Trainer seiner gesamten Klaviatur, sprich der Breite seines Kaders, bedient. Sechs Änderungen wies seine Kölner Anfangsformation im Vergleich zum Europapokal gegen Vigo auf. „Es haben sehr viele Spieler mit ansprechenden Leistungen mitgeholfen, dass wir eine gute Woche hatten“, bilanzierte Hoeneß. In der Tat: 21 Profis kamen zum Einsatz. Das hält die Spieler bei Laune – und spart dem Kollektiv Kräfte.

Chris Führich (re.) konnte auf dem linken Flügel des VfB nicht die gewünschten Akzente setzen. Foto: Baumann

Dabei wurde allerdings auch deutlich, dass der zweite Anzug des VfB Stuttgart an der ein oder anderen Stelle noch ein wenig zwickt. So brachten die Umbesetzungen in der Startelf nicht immer den gewünschten Schub-Effekt, sondern bewirkten das Gegenteil: So zum Beispiel auf dem linken Flügel, wo Chris Führich so gut wie nichts Zählbares gelang – und er damit klar hinter den Leistungen der Stammkraft Jamie Leweling zurückblieb.

Weil Maximilian Mittelstädt zunächst eine Pause bekam, durfte der zuletzt so starke Allrounder Ramon Hendriks hinten links ran. Das Fazit: In der Innenverteidigung ist der Niederländer besser aufgehoben. Auch Josha Vagnoman war vor allem im ersten Spieldrittel nicht immer auf Ballhöhe.

In Summe waren das einige der Gründe dafür, dass der Dreier gegen die durch einen frühen Treffer von Jakub Kaminski (4.) stark ins Spiel gekommene Geißbock-Elf ein wenig glücklich daher kam; große Fußballkunst jedenfalls hatte keiner der 50 000 Fans in der ausverkauften Arena im Kölner Westen gesehen. Weder vom VfB, noch vom FC.

Akteure mit klar aufsteigender persönlicher Tendenz dagegen schon. Zu ihnen zählte eindeutig Angelo Stiller, der im Spielzentrum des VfB von der ersten Minute an voran ging und so zum besten Akteur auf dem Platz wurde. Zuletzt hatte der Nationalspieler häufiger zu passiv und zu fehlerhaft agiert – jetzt stand wieder der alte Stiller auf dem Platz, der in guter Form das Herz und die Seele des Stuttgarter Spiels zugleich ist.

An Stiller konnte sich auch Kapitän Atakan Karazor aufrichten, der nach zwei Partien ohne Startelfeinsatz und seinem folgenschweren Stockfehler in der Schlussphase der Vigo-Partie wieder in die Anfangsformation zurückkehrte. „Wir waren am Anfang ein bisschen nervös, umso schöner, dass wir dann selbstbewusst weitergemacht haben“, sagte Karazor, der seinen internen Kontrahenten im defensiven Mittelfeld lobte: „Chema macht es gut.“

Denn auch der junge Spanier wird bald wieder gebraucht werden, weil die englischen Wochen mit Spielen in Basel sowie am nächsten Sonntag zuhause gegen den 1. FC Heidenheim weiter gehen. „Basel besitzt eine sehr intensiv spielende Mannschaft“, sagt Sportdirektor Christian Gentner, der beim FC Luzern in der Schweiz gespielt hat: „Und sie haben mit meinem ehemaligen Mitspieler beim VfB, Ludovic Magnin, einen Trainer, der sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt hat.“

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