VfB Stuttgart Der Faktor Widerstandsfähigkeit – wie der VfB wieder in die Spur kommen will

Unzufrieden: VfB-Trainer Sebastian Hoeneß in Freiburg. Foto: Pressefoto Baumann/Alexander Keppler

Nach dem Dämpfer zum Auftakt in Freiburg geht der Blick beim VfB nach vorne. Wo Trainer Sebastian Hoeneß ansetzt und warum die Zeit drängt.

Sport: David Scheu (dsc)

Zu den Besonderheiten der Torhüterposition zählt es, meist das ganze Feld und alle anderen Spieler von hinten im Sichtfeld zu haben. Das ermöglicht einen Blick aufs große Ganze – bei Alexander Nübel verdichtete sich dieser am Wochenende auf ein Wort. „Verwunderlich“ fand der Torhüter des VfB Stuttgart den Auftritt beim SC Freiburg zum Start der Bundesliga.

 

Verwunderlich vor allem, weil von der starken Leistung eine Woche zuvor im Supercup beim deutschen Meister Bayer Leverkusen kaum etwas übrig geblieben war. 1:3 (1:1) hieß es aus VfB-Sicht am Ende einer Partie im Breisgau, die auch deutlicher hätte ausgehen können und die auf Stuttgarter Seite von vielen Ballverlusten und wenigen Tempowechseln geprägt war.

Für den bedienten Trainer Sebastian Hoeneß („Wir können nicht zufrieden sein“) bildeten diese Aspekte nicht einmal den Knackpunkt. Sondern vielmehr: der Umgang mit Rückschlägen, von denen es in Freiburg zwei entscheidende gab. Die ersten beiden SC-Treffer durch Lukas Kübler per Distanzschuss (27.) und Ritsu Doan nach einer Flanke von links (54.) fielen nämlich jeweils nach ordentlichen, wenn auch bei Weitem nicht überragenden Phasen des VfB.

Keine Stuttgarter Drangphase in der zweiten Hälfte

Danach? Kam das Hoeneß-Team jeweils nicht mehr in die gewohnten Abläufe. Kaum ein Aufbäumen war nach den Wirkungstreffern zu sehen, stattdessen legten nun aggressiv pressende Freiburger mit dem Publikum im Rücken durch einen Kübler-Kopfball das vorentscheidende dritte Tor nach (61.) – was bei Neu-Trainer Julian Schuster für beste Laune sorgte: „Wir sind scharf und fokussiert geblieben und konnten uns mit so einer tollen Leistung belohnen.“ Der VfB fand dagegen in der zweiten Hälfte nicht mehr zurück in eine Partie, die durch den Premierentreffer von Neuzugang Ermedin Demirovic per Seitfallzieher (2.) eigentlich nach Maß begonnen hatte.

„Wir müssen aus diesem Spiel lernen“, so Hoeneß, „besser mit schwierigen Phasen umzugehen.“ Das sei seine Kernbotschaft an die Mannschaft direkt nach Spielende gewesen: Es gehe um Aktivität, Initiative, Widerstandsfähigkeit. Gerade nach Gegentoren. In der Vorsaison war genau das regelmäßig gelungen: Alleine sechsmal gewann der VfB 2023/24 ein Spiel, in dem er entweder den Ausgleich kassiert hatte oder sogar in Rückstand geraten war. So gefestigt ist das Team im Hier und Jetzt noch nicht. Im Kader hat sich einiges getan, Hierarchien sind erst am Entstehen, der sehnlich erwartete Innenverteidiger als Ersatz für Waldemar Anton ist noch nicht da.

Einerseits. Zugleich kommt man aber nicht an dem Befund vorbei, dass es auch das Personal vom Wochenende schon deutlich besser gemacht hat in der jüngeren Vergangenheit. Allen voran im Supercup, aber auch in den Wochen davor. Im Breisgau jedoch paarte sich besagte Findungsphase mit einem formschwachen Tag mehrerer Schlüsselspieler. Atakan Karazor fand vor der Abwehr ebenso wenig zu seinem gewohnten Spiel wie etwas weiter vorne Enzo Millot, Chris Führich oder Deniz Undav. Obendrein fehlte Angelo Stiller lange als Taktgeber im Mittelfeld, da Hoeneß ihn aufgrund der defensiven Personalnot anfangs als Innenverteidiger aufbot.

Nun lässt sich diese ausbaufähige Tagesform ja durchaus als Ansatzpunkt für zügige Verbesserungen hernehmen: Bisher steht ein einzelner schwacher Auftritt zu Buche, noch lange kein Trend. Zugleich wird der Weg zurück zu den alten Automatismen, das zeichnet sich ab, ein arbeitsreicher werden.

Und angesichts der Termindichte drängt die Zeit in diesem Prozess. Ein Doppelpack binnen vier Tagen steht nun an, in dem wichtige Weichen gestellt werden. Erst am Dienstag im Erstrunden-Duell des DFB-Pokals beim Zweitligisten Preußen Münster (20.45 Uhr/ARD), dann am Samstag zum ersten Heimspiel der Bundesliga-Saison gegen den FSV Mainz 05 (15.30 Uhr).

Daher müsse man vor allem „schnell“ aus dem Freiburg-Spiel lernen, fordert Hoeneß. Denn: Vor einem Jahr waren es gerade die Erfolgserlebnisse zu Beginn der Saison, die das Selbstvertrauen der Mannschaft sukzessive ansteigen ließen und zu einem Lauf führten. Die Antennen sind deshalb sensibilisiert in Bad Cannstatt, wo aber zugleich weiter Zuversicht herrscht. Auch bei Alexander Nübel: „Wir werden unsere Schlüsse ziehen“, sagt der Torhüter – der dann von hinten auch wieder mehr Spielfluss zu sehen bekommen würde.

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