Der VfB zieht die richtigen Schlüsse aus dem 1:0-Sieg gegen den Hamburger SV. Niemand redet das hässliche Spiel schön, das durch Alexandru Maxims Tor entschieden wurde. Und niemand kommt auf die Idee, übermütig zu werden.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Peter Stolterfoht (sto)

Stuttgart - Wenn in Zeiten grassierender Kategorisierung am Ende dieser Saison auch eine Liste der schlechtesten Bundesligaspiele 2013/2014 aufgemacht werden sollte, dann hat die Partie zwischen dem VfB und dem HSV einen Spitzenplatz sicher. Die in der Spielstatistik aufgeführten drei Stuttgarter Torschüsse und der eine Hamburger Versuch vermitteln nur ansatzweise einen Eindruck vom dürftigen Treiben auf dem Rasen. Es war Abstiegskampf in seiner grausamsten Form. Und dennoch gibt es nach diesem zittrigen Gewürge gleich eine ganze Reihe von Gründen, die beim VfB wieder die Hoffnung auf den Klassenverbleib wecken. Da wäre zunächst einmal das Ergebnis: 1:0.

Man war ja fast schon geneigt zu spotten, dass sich am Samstag nur die älteren Zuschauer unter den 55 000 in der Mercedes-Benz-Arena an den letzten Stuttgarter Sieg erinnern konnten. Das lange Warten seit dem 7. Dezember 2013 (4:2 gegen Hannover) hat eine Ende. Nach acht Niederlagen, zwei Unentschieden und einer Trainerentlassung kommen diese drei Punkte einer Erlösung gleich. Bei einer weiteren Niederlage wäre die Verbindung zu einem Nichtabstiegsplatz erst einmal gekappt gewesen. „Ich denke, dass uns dieser Sieg Selbstvertrauen gibt“, sagt der Stürmer Cacau. Auch andere Aussagen von Stuttgarter Beteiligten dürfen nach diesem Spiel als positive Zeichen gewertet werden.

„Momente, die waren Kreisklasse“

Die Zeit der Schönredner ist vorbei. Realistisches Einschätzungsvermögen ist im Abstiegskampf auch ein besserer Begleiter. So sagt der Kapitän Christian Gentner ohne Umschweife: „Das war eines unserer schlechtesten Spiele in dieser Saison.“ Der Trainer Huub Stevens attestierte seiner Mannschaft gar „Momente, die waren Kreisklasse“. Und damit meinte der Niederländer vermutlich die Offensivbemühungen, die durch fatale Fehlpässe reihenweise abrupt gestoppt wurden. Dabei trat häufig Moritz Leitner in Erscheinung, der es sich wohl selbst nicht recht erklären konnte, warum er nicht ausgewechselt wurde.

Stevens sprach in seiner Analyse aber auch von „Momenten, die sehr gut waren“. Überzeugt haben dürfte ihn vor allem seine Abwehr, in der nach vielen Wochen des Chaos seine Ordnung klar zu erkennen war. Nicht eine echte Torchance konnten sich die Hamburger erspielen. Was Stevens in seiner kompromisslosen Defensivhaltung bestärkt. „Der Trainer legt großen Wert darauf, dass wir kompakt stehen“, sagt Georg Niedermeier dazu. So steht am Ende die oft zitierte Stevens-Null, auch wenn die Mannschaft insgesamt noch einen sehr wackligen Eindruck hinterlassen hat. „Die Angst war bei vielen zu spüren, die ganzen Negativerlebnisse haben im Unterbewusstsein sicher auch eine Rolle gespielt“, sagt Christian Gentner.

Vergangenheitsbewältigung

Dass es dennoch zum lang ersehnten Sieg gereicht hat, ist neben einer stabileren Stuttgarter Abwehr auch auf die gelb-rote Karte für den Hamburger Hakan Calhanoglu (53. Minute), den eifrigen Ibrahima Traoré, der Einwechslung von Alexandru Maxim und auf einen Fehler des HSV-Verteidigers Heiko Westermann zurückzuführen. Traoré nutzte einen untauglichen Kopfballabwehrversuch Westermanns auf dem Flügel und spielte Maxim derart frei, dass der Mittelfeldspieler nur noch locker einschieben musste (69.). In einer ähnlichen Situation hatte der Rumäne in Frankfurt noch den Sieg verschenkt. „Ich habe in dieser Situation nicht mehr an Frankfurt gedacht“, sagt Alexandru Maxim.

So fällt aber nicht nur das Tor unter die Rubrik Vergangenheitsbewältigung. Von entscheidender Bedeutung im Abstiegskampf könnte auch sein, dass der VfB gegen den HSV auch den Fluch der späten Gegentore besiegt hat. Die Stuttgarter Spieler schienen zuletzt selbst schon ganz starke Zweifel daran zu haben, in dieser Saison einen Vorsprung noch einmal über die Zeit zu bekommen.

Übermütig macht diese Partie beim VfB bestimmt niemand – ein weiterer positiver Nebeneffekt eines Spiels, an dem Fußball-Feinschmecker ganz schwer zu schlucken hatten. Aber auf die kann Huub Stevens keine Rücksicht nehmen und sagt: „Wir haben jetzt noch acht Endspiele.“ Das nächste am Mittwoch in Nürnberg.