VfB Stuttgart II startet Vorbereitung Warum sich Sven Schipplock für die U21 des VfB entschied

Vergangene Saison noch Gegner, künftig in einem Verein: Sven Schipplock (re.) im Dress von Arminia Bielefeld gegen Wataru Endo. Foto: Baumann

Sven Schipplock gehörte nie zu den fußballerischen Toptalenten, mit Leidenschaft und Mentalität schaffte er den Sprung in die Bundesliga. Nun soll er beim VfB Stuttgart II die Leitfigur im Regionalligateam werden.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Stuttgart - Manchmal kann es nicht schaden, wenn ein Konkurrent bei Verhandlungen etwas ins Bummeln gerät. Bei der Geschichte von Sven Schipplock und seinem Wechsel zum Fußball-Regionalligisten VfB Stuttgart II spielte das sogar eine ganz entscheidende Rolle. Denn bevor der VfB auf die Idee kam, den Stürmer von Bundesligist Arminia Bielefeld für seine U21 zurück ins Schwabenland zu holen, war die TSG 1899 Hoffenheim mit dem gleichen Ansinnen bereits aktiv geworden. Doch die Verhandlungen mit Marcus Mann (inzwischen Sportdirektor beim Zweitligisten Hannover 96) zogen sich in die Länge, der VfB bekam Wind davon und Kaderplaner Michael Gentner nahm den ersten Kontakt zu Schipplock auf. Die Gespräche liefen gut, die Einigung über einen Zweijahresvertrag ließ nicht lange auf sich warten. „Ich habe mit meiner Frau gesprochen – und schnell waren wir uns einig. Zumal wir in Stuttgart noch näher dran an zu Hause sind“, sagt der aus Lichtenstein (Kreis Reutlingen) stammende Stürmer.

 

32 Spiele für die Arminia

32 Spiele hatte er in der vergangenen Saison für den Bundesliga-15. Armina Bielefeld absolviert. So viele wie noch nie in einer Erstligaasaison, weil er auch endlich mal verletzungsfrei geblieben war. Doch eine Vertragsverlängerung zerschlug sich recht schnell. Ein Bleiben war ihm nur in anderer Funktion, in einer Art Stand-by-Modus, angeboten worden. Auf andere Offerten aus der ersten oder zweiten Liga zu warten, hatte er keine große Lust. Zumal er mit Blick auf seine sehr körperintensive Spielweise, immer ein bisschen mehr an sich arbeiten muss, um weitere Verschleißerscheinungen nach seiner Hüft-Operation 2019 zu verhindern. Also kam ihm das Angebot als Leitfigur für das Viertligateam des VfB gerade recht.

Größter Sprung unter Gisdol

Damit schließt sich für den 32-Jährigen der Kreis. Nach seinem Wechsel vom SSV Reutlingen 2008 schaffte er über den VfB II (seine Trainer waren Rainer Adrion, Reiner Geyer, Jürgen Seeberger) den Sprung in die Bundesligamannschaft, wo er unter Armin Veh, Christian Gross und Jens Keller am Ball war. Er zog 2011 weiter nach Hoffenheim, wo er unter Coach Markus Gisdol den größten Sprung machte. „Er hat mir das Pressing, das Draufgehen beigebracht, er hat mir den letzten Schliff zum Bundesligaspieler gegeben“, sagt Schipplock.

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Zudem nahm er in den vier Jahren im Kraichgau viel von Mitspielern wie Kevin Volland, Niklas Süle, Sead Salihovic oder Sebastian Rudy mit. Über den Hamburger SV und eine Ausleihe zum SV Darmstadt 98 ging es 2018 nach Bielefeld. Bei den Ostwestfalen konnte er schon mal üben für seine künftige Aufgabe beim VfB II. „Ich war dort praktisch der einzige Spieler mit echter Bundesligaerfahrung und habe mit meinen sechs Jahren Erfahrung im Abstiegskampf viel Verantwortung übernommen“, sagt der Schwabe.

Mentalitätsspieler Schipplock

Auch im Regionalligateam des VfB soll er nun vorneweg marschieren. „Sven verkörpert mit seiner leidenschaftlichen Art und seiner VfB-DNA auf authentische Weise den Weg, den unsere Talente auch gehen sollen“, betont Thomas Krücken, der Direktor Sport des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ). Schipplock ist von der Rolle begeistert: „Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass weniger das Talent, als vielmehr der Kopf, die Mentalität entscheidend ist für den Sprung ins Profigeschäft. Dies will ich vermitteln.“

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Im U-21-Team von Trainer Frank Fahrenhorst, das an diesem Dienstag mit Laktattests in die Vorbereitung startet, wird er in der am 15. August beginnenden Regionalligasaison zu den drei Ü-23-Spielern zählen, die gemeinsam auf dem Platz stehen dürfen. Nach den Abgängen von Ex-Nationalspieler Holger Badstuber (Ziel unbekannt) und Torjäger Marcel Sökler (SGV Freiberg) sind das außer ihm Kapitän Marc Stein (35) und Mittelfeldspieler Richard Weil (33).

Ziel dritte Liga?

Eine solch hochkarätige Verpflichtung wie die von Schipplock erhöht die Erwartungshaltung. Heißt das Ziel für den Vorjahres-Achten im zweiten Jahr nach dem Aufstieg aus der Oberliga nun dritte Liga? „Das vorrangige Ziel ist es, weiter den Nachwuchs auszubilden, dabei will ich helfen und den Jungs zur Seite stehen, aber ich glaube schon, dass das Ziel von jedem beim VfB die dritte Liga ist. Zumal diese Spielklasse ganz nah dran ist an der zweiten Liga“, sagt Sven Schipplock, die neue Leitfigur für die VfB-Asse von morgen.

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