VfB Stuttgart II und Frauenteam Auf diese Lösungen läuft es in der Stadionfrage hinaus
Wo spielen die Frauen des VfB Stuttgart im Falle eines Bundesliga-Aufstiegs? Die bisherigen Pläne werden zumindest vorläufig ad acta gelegt.
Wo spielen die Frauen des VfB Stuttgart im Falle eines Bundesliga-Aufstiegs? Die bisherigen Pläne werden zumindest vorläufig ad acta gelegt.
Der Sportplatz des PSV Stuttgart ist klein, schnuckelig und ein wenig in die Jahre gekommen, Bier und Wurst schmecken gut – kurzum: Die Heimspielstätte des Frauenteams des VfB Stuttgart ist ein guter Spot für Fußball-Romantiker. Problem: Erstliga-Fußball kann hier nicht über die Bühne gehen. Dafür fehlt es an so ziemlich allem, was der DFB vorschreibt. Angefangen von überdachten Plätzen über eine leistungsstarke Flutlichtanlage bis hin zu VIP- und Medienplätzen: Mit Zweitligafußball ist der PSV-Platz maximal ausgereizt.
Doch damit will sich der VfB nicht länger begnügen. Nach zwei Aufstiegen in Folge könnte der dritte im kommenden Sommer bevorstehen. In die Bundesliga. Vor dem Spiel beim VfL Wolfsburg II am Sonntag (14 Uhr) beträgt der Vorsprung auf die Nicht-Aufstiegsplätze vier Punkte.
Die Frauen-Bundesliga ab der Saison 2025/26 ist also mehr als ein realistisches Szenario. Weshalb sich die Verantwortlichen an der Mercedesstraße seit geraumer Zeit den Kopf darüber zerbrechen, wo dann gespielt werden könnte. Zur Erinnerung: Der VfB hat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, ob und wie das Schlienz-Stadion auf dem Clubgelände mittelfristig sowohl für die Frauen als auch für die zweite Mannschaft umgebaut und vergrößert werden könnte. Die Prüfung soll in der ersten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen sein. Parallel dazu existieren schon länger Überlegungen zum Ausbau des in der Stadt befindlichen Leichtathletik-Stadions Festwiese im Neckarpark.
Nun scheint es nach Informationen unserer Redaktion aber auf keine der beiden Lösungen hinauszulaufen. Auch wenn die Machbarkeitsstudie noch nicht abgeschlossen ist, erscheint ein Umbau des Schlienz-Stadions als äußerst unwahrscheinlich. Der Grund: Mehr als eine Kapazitätserweiterung auf 10 000 Plätze ist aus Platzgründen (des Clubgeländes) Stand jetzt nicht realisierbar. Was wiederum aus Sicht der VfB-Oberen keinen Sinn ergäbe. Sie rechnen angesichts der Entwicklung im Frauenfußball in den kommenden zehn Jahren mit einem höheren Zuschauerschnitt als 10 000 – sollten sich die VfB-Frauen in der Bundesliga etablieren.
Was die Festwiese anbelangt, spricht vor allem die Zeit gegen den VfB. Vor 2033 rechnet beim VfB niemand mit einer umgebauten Festwiese – wenn überhaupt. Daniela Klein, die Leiterin des Stuttgarter Sportamts, bestätigt: „Es ist sehr herausfordernd, an diesem Standort etwas zu verändern. Herausfordernd im Hinblick darauf, dass es kein Baurecht im Sinne eines Bebauungsplans gibt, die bestehenden natürlichen Begrenzungen etwa durch die Mercedes-Teststrecke und den alten Baumbestand sowie die Höhe des notwendigen Invests.“
Die Lösung liegt also wohl weder auf der einen noch auf der anderen Seite der Mercedesstraße in Bad Cannstatt. Sondern vielmehr in Degerloch. „Die Tendenz geht eher dahin, mit der Stadt eine Lösung hinsichtlich des Gazi-Stadions zu finden. Aber noch ist nichts spruchreif,“ sagt VfB-Vorstandschef Alexander Wehrle. Er betrachtet das städtische Stadion auf der Waldau, das durch die Insolvenz der Footballer von Stuttgart Surge in der kommenden Saison eine gewisse Entlastung erfährt, im Falle eine Bundesliga-Aufstiegs als ideale Zwischenlösung. 3000 bis 5000 Zuschauer peilt Wehrle als kurzfristige Zielmarke an, langfristig – in maximal zehn Jahren – 15 000 bis 20 000 Fans. Dann sollen auch die Frauen in der MHP-Arena auflaufen.
Ein Plan, der bei den Blauen auf wenig Gegenliebe stößt. „Die Roten haben, mit Verlaub, in Degerloch nichts verloren“, polterte kürzlich Kickers-Aufsichtsratschef Christian Steinle aus der Mitgliederversammlung. Problem aus Sicht des Regionalligisten: Letztlich entscheidet die Stadt. Und die hat eine klare Haltung: „Die Stuttgarter Kickers sind im Gazi-Stadion unbestritten der Heimatverein. Aber am Ende ist es eine städtische Infrastruktur“, sagt Daniela Klein. „Wir sind sehr an einem Konsens beider Vereine interessiert.“ Die Leiterin des Sportamts betont: „Die Sportstadt Stuttgart hat ein großes Interesse daran, den VfB-Frauen den Spielbetrieb in Stuttgart zu ermöglichen.“
Denn die Alternative aus jetziger Sicht wäre für die VfB-Frauen nur ein Wegzug – etwa nach Großaspach, wie bei der zweiten Mannschaft der Männer. Das kann aber auch niemand wollen. Apropos VfB II: Dort sehen die Pläne wie folgt aus. Zunächst ein weiteres Jahr Großaspach, und zwar ligaunabhängig. Dann wird neu überlegt. In Frage käme auch das Kreuzeichestadion in Reutlingen.